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Panama Info

Nr. 69          September 2000

"9. Herdecker Panama-Lauf"

Am 23. Juni fand unter Beteiligung von über 2000 Schülerinnen und Schülern von 12 Schulen aus Herdecke, Wetter und Hagen der "9. Herdecker Panama-Lauf" statt. Das Wetter war diesmal sehr unfreundlich. Einige hundert Teilnehmer/innen sind bis auf die Haut nass geworden. Anstatt kühler Erfrischungsgetränke wurde diesmal den Teilnehmern nach dem Lauf heißer Tee ausgeschenkt. Eine Gruppe von 11 Schülerinnen und Schülern der RS Wetter (Foto oben) hat bei der Aktion nicht weniger als 23 km zurückgelegt und war infolgedessen noch am frühen Nachmittag wohlgelaunt auf der Strecke. Die Sponsorenspenden waren für den Bau eines Hauses für Mädchen in Buenos Aires in Panama bestimmt, die nur dann eine weiterführende Schule besuchen können, wenn sie ein Haus haben, in dem sie wohnen können. Die Arbeiten an dem Haus sind in vollem Gange.

Drei Tage im Urwaldreservat der buglé

Natürlich hätte ich nein sagen können. Vor der Reise nach Panama im April hatte ich CEPAS bereits unter Hinweis auf mein Alter mitgeteilt, dass eine fünftägige "Expedition" in den Urwald im Grenzgebiet von Bocas del Toro und Veraguas meine Kräfte übersteigen würde. In Santiago angekommen, baten unsere Freunde mich dann aber inständig, doch wenigstens drei Tage mit ihnen nach Bilingue zu kommen. Die Vertreter der fünf Dörfer, deren Trinkwasserleitungen von der Bundesregierung und uns finanziert worden waren, würden am 17. April nach Bilingue kommen, um die Übergabe zu feiern. Die buglé-Dörfer seien bereits informiert. Ich dürfe sie nicht enttäuschen. So anstrengend sei die Reise nicht. Ich ließ mich schließlich breitschlagen.
Am 15. April erwarten mich um halb sechs Mavis, Mauro und Eric an der Rezeption des Hotels Gran David. In dieser Herrgottsfrühe fragt gerade ein hübsches Mädchen an der Rezeption, ob es zu Henry ins Zimmer gehen dürfe.

Wir werfen unsere Getränke, Lebensmittel und Ersatzkleidung in den Jeep und fahren in der Morgendämmerung etwa eineinhalb Stunden auf einer guten Straße nach Santa Fé. Dort holen wir einige Erkundigungen über die Wegeverhältnisse ein und fahren dann mit dem Jeep weiter. Nach wenigen Kilometern ist die Straße zu Ende. Wir sehen die beiden Maulesel, die uns bis nach Bilingue begleiten sollen. Sie werden mit unseren Habseligkeiten bepackt und machen sich mit ihrem Führer auf den Weg, während wir auf einer Lehmstraße weiterfahren, aufgeweicht vom Regen der vergangenen Nacht. Aber nicht lange. Wir müssen kleine, umgefallene Bäume aus dem Weg räumen und die "Straße" durchquerende Bachläufe mit Steinen und Holz auffüllen, um die Fahrt fortsetzen zu können. Schließlich scheint das Ende unserer Reise mit dem Jeep gekommen zu sein: Zwei riesige Straßenmaschinen sind dabei, in einer Schlucht Unmengen von roter, schlammiger Erde beiseite zu schieben. Wir versuchen, auf dem planierten Weg bergauf zu fahren. Unmöglich.
Wir sitzen plötzlich fest und über legen, ob wir
aussteigen und zu Fuß weitergehen sollen. Plötzlich werden wir wie von Geisterhand nach oben geschoben. Ein Caterpillar hat sich hinter unseren Jeep gesetzt und schiebt mit seiner Schaufel den Jeep auf festen Grund. Einige Kilometer geht es weiter. Dann wird der Jeep am Straßenrand abgestellt, und wir setzen unseren Weg nach Guabal zu Fuß fort.

Quebrada La Llanita - Hier wird die Brücke gebaut
Nach zweistündigem Marsch über Stock und Stein treffen wir auf Frauen, Männer und Kinder, die in Säcken über mehrere Kilometer Sand aus dem Fluß Quebrada La Llanita holen und zu der Stelle bringen, wo eine der beiden von der Bundesregierung und uns finanzieren Brücken gebaut werden soll. Für die Kinder, die in Guabal zur Schule gehen und von dort eine Stunde laufen müssen, bis sie in ihre Siedlung kommen, ist der Wasserlauf bei Regenwetter eine große Gefahr, da er dann schnell zu einem reißenden Wildbach anschwillt. Es hängt häufig genug vom Wetter ab, ob die kleinen Jungen und Mädchen vorzeitig den Unterricht verlassen müssen oder nicht zur Schule gehen können. Wir sitzen mit den vielen Menschen, die den Sand getragen haben, lange Zeit am Fluß und teilen ihre Freude über den Bau der Brücke.
Nach einer Übernachtung in einer Holzhütte in Guabal - wo wir vor vielen Jahren die erste Trinkwasserleitung finanziert haben - beginnt in aller Frühe der anstrengendere Teil unserer
"Expedition" nach Bilingue. Es geht bergauf und bergab, mal auf einer trockeneren Strecke, meistens aber in tiefem Schlamm. Der Himmel zieht sich zusehends zu, und es beginnt leicht zu regnen. Wir müssen drei kleine Flüsse durchqueren und dabei aufpassen, dass wir auf den glitschigen Steinen nicht ausrutschen. Wir sind durchnässt bis zu den Hüften. Wenn ich will, kann ich auf einen der Maulesel steigen. Dabei kann ich überhaupt nicht reiten, und die Steigbügel hängen zu hoch (für eine große Person wie mich nicht vorgesehen). Geht es steil bergauf, rufen Eric und Mauro: "Beug dich nach vorn". Geht es bergab: " Beug dich nach hinten". (oder umgekehrt?) Und immer wieder: "Gleichgewicht halten". Als wenn das so einfach wäre! Plötzlich rufen sie: "Pass auf die grasartigen Blätter auf. Sie schneiden ins Fleisch". Beim Absteigen müssen mir die Freunde helfen, da die Knie schmerzen und ich ohne ihre Hilfe auf den Boden fallen würde. Wenn ich gehe, hält mich Mauro auf steilen Strecken am Hemd fest und Eric schiebt mich von hinten an. Kurz vor Bilingue rutsche ich dennoch aus und falle einige Meter einen Abhang herunter. Mavis, die den "Festakt" in Bilingue für Radio Veraguas aufnehmen und kommentieren soll, hüpft zwischen uns umher und ermuntert uns durch ihr ständiges Lachen. Zwei Kilometer vor Bilingue kommen uns einige Bewohner von Bilingue entgegen und begleiten uns ins Dorf. Ich bin nach sechs Stunden völlig am Ende meiner Kräfte. Ich ziehe mich in unsere Herberge - eine strohgedeckte Hütte - zurück und ruhe mich aus, ohne mir trockene Kleidung anzuziehen. Gegen sechs Uhr wird es dunkel. Meine Begleiter bereiten das Abendessen vor: Reis und gegrilltes Fleisch, das sie aus Santiago mitgebracht haben. Buglé-Indios essen mit uns oder schauen uns zu.
In der Nacht ist es kalt. Ich friere trotz der Regenjacke, die ich angezogen habe. Ich mache kein Auge zu und bin froh, als es hell wird. Als ich mich wasche, merke ich, dass ich an verschiedenen Stellen, die ich nicht mit dem Autan-Stift eingerieben habe, völlig zerstochen bin.
Die feierliche Übergabe der Trinkwasserleitungen für fünf Dörfer beginnt gegen 9.00 Uhr. Aus allen Dörfern sind Vertreter gekommen. Teilweise sind sie acht Stunden in der Nacht gelaufen, um bei der Feier dabei zu sein. Es werden elf Reden gehalten, in Spanisch und in buglé, in denen davon die Rede ist, wie glücklich und dankbar die Menschen dafür sind, dass sie jetzt sauberes Trinkwasser haben. Natürlich muss ich auch einige Worte sagen. Ich erzähle von unseren Aktivitäten in Deutschland, von den Menschen, die unsere Arbeit unterstützen und von der Hilfe der Bundesregierung, ohne die das Trinkwasserprojekt nicht hätte durchgeführt werden können. Zum Abschluss der Feier laden uns die
Buglé zu einem traditionellen Tanz ein. Als Gastgeschenk erhalte ich eine Holzschale und einen Pumazahn.
Am frühen Mittag machen wir uns nach einem gemeinsamen Essen (Reis, Bohnen und Hühner hatten wir mitgebracht) auf den Rückweg. Diese Expedition werde ich nie vergessen. Ich werde aber auch nie wieder eine solche Gewalttour unternehmen. Ich war froh, dass wir für den Fall der Fälle ein Satelliten-Handy bei uns hatten. 
In der Nacht komme ich ins Hotel zurück und falle todmüde ins Bett. Morgens treffe ich Beate Janning und Elisabeth Högel aus Havixbeck, die inzwischen in Santiago eingetroffen sind. Sie lassen sich gern von der abenteuerlichen Reise ausführlich erzählen, sind aber froh, dass sie nicht mit von der Partie waren.
Elisabeth, Beate und ich besuchen in den nächsten Tagen u.a. El Caimito (neue Küche, neue Toiletten), El Cobre (die von uns finanzierte Bewässerungsanlage funktioniert, ist aber noch verbesserungswürdig) und El Querque, wo mit Hilfe eines Staudamms eine Bewässerung der Felder in der Trockenzeit ermöglicht werden soll.
Diese Ausgabe des Panana-Info wurde gesponsert von der
Adler-Apotheke (Dietmar Backhaus) in Herdecke.
Nepotismus in Panama

"Bevorzugung von Verwandten bei der Vergabe von Ämtern und Würden durch weltliche und geistliche Machthaber". So definiert die Meyer-Enzyklopädie Nepotismus. Der Nepotismus in der Kirche spielt schon lange keine Rolle mehr. Nicht so allerdings bei Regierenden in Ländern, die noch über keine längere demokratische Tradition verfügen. In diesen Ländern dient der Nepotismus der Festigung der Macht und des Einflusses. Wer ein lukratives Amt an ein Familienmitglied vergibt, ist sich der besonderen Loyalität der betreffenden Person sicher.
In Europa gehört der Nepotismus der Vergangenheit an - sollte man meinen. Der Vizepräsident von Panama, Arturo Vallarino, ist da ganz anderer Ansicht: "Diese Praxis gibt es überall in der Welt".
Vallarino verteidigt den Nepotismus für Panama ausdrücklich. Angesichts des extremen Gefälles zwischen Armen und Reichen in Panama klingt es wie Hohn, wenn er sagt: "Hier sind wir alle eine Familie, Verwandte, Freunde, Kameraden". Nach seiner Erklärung ist Panama eine große Familie, ohne ethnische, soziale, ökonomische, religiöse und politische Unterschiede. Er meint allen Ernstes, alle Bewohner der neun Provinzen des Landes, einschließlich der Reservate der indigenen Völker, seien Mitglieder ein und derselben Familie.
In seinen Erklärungen macht er dann allerdings deutlich, dass die Realität anders ist. "Im Wahlkampf sind es unsere Freunde und Verwandten, die uns unterstützen". Wenn man Familienangehörigen Ämter

anvertraue, sei nichts dagegen einzuwenden, solange die entsprechenden Personen ihre Arbeit gut machten. In Panama sei es "sehr schwierig", ohne Familienangehörige und Verwandte in öffentlichen Ämtern zu regieren. ("La Prensa" - 21-06-00) 
Aber wie sieht es mit der Unabhängigkeit der Personen aus, denen die Regierenden Ämter übertragen? Die Regierung in Panama hat leider - wie in anderen lateinamerikanischen Staaten - die Möglichkeit, zahlreiche Ämter zu vergeben, die bei uns von unabhängigen Beamten eingenommen werden. Davon macht sie, vor allem nach einem Regierungswechsel, reichlich Gebrauch.
Globalisierung - Nur Gewinner?

Die Politik will uns glauben machen, dass es bei der Globalisierung aufs Ganze gesehen nur Gewinner gibt. Die Euphorie über einen freien, "grenzenlosen" Welthandel hat inzwischen einer tiefen, berechtigten Skepsis Platz gemacht. Es wird immer deutlicher, dass die Globalisierung in dramatischem Ausmaß die Reichen reicher und die Armen ärmer macht - und dies nicht nur bezogen auf bestimmte Erdteile und Länder, sondern auch auf die Bewohner eines einzelnen Landes. Die Globalisierung teilt die Welt immer stärker in Gewinner und Verlierer.
Nur wenige Länder profitieren von den weltweit steigenden Handels- und Investitionsströmen. An den ärmsten Ländern - vor allem in Afrika - gehen die Investitionen großer Konzerne praktisch vollkommen vorbei. Der Anteil Schwarzafrikas am Welthandel ist auf unter ein Prozent gesunken. Für die UNO ist das ein Alarmzeichen: "Die extreme Ungleichheit durchdringt und vergiftet die Globalisierung" - so das UN-Entwicklungsprogramm in seinem "Bericht über die menschliche Entwicklung 1999".
Die Einkommensschere zwischen Arm und Reich innerhalb vieler Länder geht immer weiter auf. Das gilt nicht nur für Russland, sondern auch in erheblichem Maße für die USA und Großbritannien, in Ländern also, in denen die Wirtschaft viele Jahre lang geboomt und viele Arbeitsplätze geschaffen hat - darunter zu viele mit zu geringem Einkommen.

Kurznachrichten

  • Für die Finanzierung des Baus des Schülerinnenheims in Buenos Aires hat uns die Landesregierung von NW im Juni einen Zuschuss in Höhe von 15.000.-DM überwiesen. Aus rechtlichen Gründen durfte vorher nicht mit den Bauarbeiten begonnen werden.
  • In Kürze stehen die neuen Panama-Grußkarten mit schönen neuen Motiven zur Verfügung. Wer sich gern über die neuen Karten informieren möchte, kann Ansichtsexemplare bei uns bestellen. Vielleicht kennt auch der eine oder andere eine Firma oder eine Institution, die uns Karten abkaufen könnte. Sobald die Karten gedruckt sind, werden sie auch auf unserer Website zu sehen sein.
  • Am 14. und 19. Juni haben wir vor allen Schülerinnen und Schülern der Albert-Schweitzer-Schule die Arbeit unseres Vereins vorgestellt, ich habe von meiner diesjährigen Reise nach Panama berichtet und das Projekt erläutert, für dessen Finanzierung der diesjährige Panama-Lauf durchgeführt wurde.
  • Den Transport der Ausstellungstafeln für unsere Ausstellungen konnten wir mit der freundlichen Hilfe von Herrn Hoffmann von der ARAL-Tankstelle in Herdecke bewerkstelligen.
  • Das im letzten Panama-Info vorgestellte "Aktuelle Projekt" (Schränke für das Schülerheim "Hna. Daniela Lusk") konnten wir wegen fehlender Mittel nicht finanzieren. Die Kosten hat dankenswerterweise die Panama-Gruppe in Emsdetten übernommen, die sich ähnlich wie die Gruppe in Havixbeck prächtig entwickelt.
  • Wer regelmäßig unser Panama-Info erhalten möchte, möge sich mit uns in Verbindung setzen und uns gegebenenfalls seine Email-Adresse mitteilen. Da die Panama-Infos auch in unserer Website zu sehen sind, können wir Portokosten bei denen einsparen, die über eine Email-Adresse verfügen. Wir brauchen dann über ein Email nur auf das neue Panama-Info in der Website hinzuweisen.
  • Am 11./12. Mai fand an der FHS aus Anlass des Elternsprechtages der traditionelle Bazar statt. Umsatz: 770,09 DM. Der Reinerlös von 309,76 DM kam der Anschaffung von Deckenleuchten im Schüler/innenheim ASCHIRA in Cañazas/Panama zugute.

Bazar am Elternsprechtag der FHS am 11./12. Mai
  • Zum ersten Mal nahm die Geschwister-Scholl-HS aus Hagen (geschlossen) am Panama-Lauf teil. Zusammen mit der gesamten Heinrich-Heine-RS aus Hagen waren damit 1000 Schüler/innen aus Hagen am Start.
  • Die Erfrischungsgetränke beim Panama-Lauf wurden uns freundlicherweise vom REWE-Markt M. Thewes in Kirchende zur Verfügung gestellt.
  • Unser gesponsertes Ankündigungsplakat für den Panama-Lauf mit einem bunten Tucan fand viel Zustimmung und reißenden Absatz, so dass wir leider keinen Vorrat mehr haben. Auch unsere Buttons mit einem mola-Motiv kamen wieder gut bei den Schülerinnen und Schülern an.

Unser aktuelles Projekt: Kühe für das Dorf El Cobre

Dem Dorf El Cobre haben wir bisher Nähmaschinen und eine Wasserpumpe sowie eine Beregnungsanlage für ein großes Feld in unmittelbarer Nähe des Flusses El Cobre zur Verfügung gestellt. Bei meinem Besuch im April stellte ich fest, dass das Dorf über etliche Hektar Land verfügt, das nur als Weideland in Frage kommt. Das Weideland bietet Platz für 8 Kühe. Das arme Dorf kann keine Kühe kaufen. Wir möchten gern den Kauf von zwei trächtigen Kühen finanzieren, damit dann im Laufe der Jahre ein kleine Herde aufgezogen werden kann. Für die Ernährung der Dorfbewohner und die Entwicklung des Dorfes wären Kühe (Milch!) eine sprunghafte Verbesserung. Ein Zebu-Rind kostet rd. 350.-Dollar.

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

"DWK PANAMA E.V." im Internet: www.panama-kreis.de

v.i.S.i.P.Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke