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Panama Info
Nr. 72           Oktober 2001

Der diesjährige Panama-Lauf am 29. Juni, an dem Schüler/innen von 13 Schulen aus Herdecke, Wetter und Hagen teilgenommen haben, war wieder ein voller Erfolg. Das Wetter meinte es diesmal gut mit uns. Die lokale Presse und die lokalen Radiostationen haben ausführlich über die Aktion berichtet. Die Verwaltungen der drei Städte hatten zum ersten Mal Teilnehmer zu der Aktion entsandt. Das größte Kontingent stellte Herdecke mit Bürgermeister Koch (19 Sponsoren!) und neun weiteren Spitzen der Verwaltung. Die Einnahmen belaufen sich auf ungefähr 40.000.- DM. und liegen damit erheblich über den Einnahmen des letzten Jahres. Im Juli haben wir zunächst 25.000.-DM für das Bewässerungsprojekt überwiesen. Im August hat uns die Landesregierung von NW 18.000.-DM für das Projekt zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten an dem Projekt beginnen, sobald die Regenzeit in diesen Wochen zu Ende geht.
Fatih von der RS Wetter schrieb uns eine Email: "Ich finde, dass der Lauf eine Superidee ist. Weil sich so viele Leute bei sowas beteiligen. Ein Lauf ist die beste Idee, um Geld zu spenden."


Die kath. GS Wetter nahm zum ersten Mal am Panama-Lauf teil

Streit um die Erweiterung des Panama-Kanals

In den letzten Jahren vor der Übergabe des Kanals durch die USA an Panama im Jahre 1999 wurden nur noch die notwendigsten Investitionen getätigt. Der Kanal muss modernisiert werden, wenn er eine bedeutende Einnahmequelle des Landes bleiben soll. An der Gaillard-Schleuse, der engsten Stelle des Kanals, sollen bis zum nächsten Jahr Erweiterungsarbeiten abgeschlossen sein, damit die Kapazitäten des Kanals um 20% gesteigert und die Wartezeiten der Schiffe reduziert werden können. Zurzeit fahren 300 Lotsen täglich 38 Schiffe bis zu 65.000 Tonnen durch die Wasserstraße.
Der Panama-Kanal funktioniert wie eine Art Wassertreppe, die von dem Wasser des Gatún-Sees, einer Talsperre, gespeist wird. Seit der Eröffnung des Kanals im Jahre 1914 wird mit jedem Schiff, das den Kanal verlässt, enorm viel Wasser aus dem Gatun-See ins Meer abgelassen, mit jedem Schleusenvorgang über 200 Mio. Liter Süßwasser. Bei vollem Betrieb verbraucht der Kanal täglich die unvorstellbare Menge von rund 9 Milliarden Liter Süßwasser (44 Schleusenvorgänge).
Die Kanalbehörde (ACP) hält dies nicht davon ab, über die oben genannten Erweiterungsarbeiten hinausgehende Pläne zu verfolgen. Sie möchte mit einem Aufwand von 8 Mrd. Dollar eine dritte Gruppe von Schleusen bauen, damit Schiffe bis zu 220.000 Tonnen den Kanal passieren können. Grundlage für dieses Vorhaben ist das Gesetz 44, das vom panameischen Parlament am 31.August 1999 verabschiedet wurde.
Gegen dieses Mega-Projekt gibt es massiven Widerstand. Er richtet sich

  • gegen die Zerstörung der Umwelt,
  • gegen die erzwungene Aussiedlung von Kleinbauern,
  • gegen die Methode der Desinformation der Kanalbehörde.
Schleuse Gatun / © ACP
Mehr als ein Quadratkilometer Wald wird in dem Wasserversorgungsgebiet des Kanals zurzeit jährlich ohnehin schon abgeholzt. Mittellose Bauern strömen in das Areal, wo sie von Holzfällern angeheuert werden, die mit dem Verkauf wertvoller Tropenhölzer reichen Gewinn machen. Das Fassungsvermögen der Seen, die den Kanal mit dem notwendigen Wasser versorgen, geht auf Grund einer zunehmenden Sedimentation zurück. Die ACP plant, 40.000 Hektar produktives Land zu enteignen und zu überfluten.
Zehntausende campesinos, die an den Flüssen Caño Sucio, Coclé Norte und Río Indio wohnen, sollen ihre Felder und Dörfer verlassen, wo sie seit Generationen wohnen und ihre Felder bestellen. Anfänglich sprach die ACP von weniger als 8.500 campesinos, die durch die Errichtung der Talsperren betroffen seien. Später sprach sie von 35.000 Bewohnern. Es gibt jedoch Schätzungen, die über diese Zahl weit hinausgehen.
Der Geschäftsführer von ACP hatte Anfang letzten Jahres dem Erzbischof von Panama, Mons. José Dimas Cedeño, versprochen, dass die Einbeziehung der Bevölkerung die Grundlage für alle Planungen des Projekts sein würde und dass die Pläne und Programme im Zusammenhang mit dem Projekt von großem Vorteil für die Einwohner in dem Projektareal sein würden. Er hatte weiterhin

zugesagt, mit dem Projekt die Umwelt nicht zu belasten und auf lange Sicht eine nachhaltige Entwicklung in der Region zu ermöglichen.
Offensichtlich gibt es keine entsprechenden Garantien. Am 19. Juli letzten Jahres mahnte der Bischof von Colón-Kuna Yala, Mons. Carlos María Ariz: "Es gibt ein Gesetz, dass der Kanalbehörde Ländereien für die Modernisierung des Kanals zur Verfügung stellt, aber es gibt weder ein Gesetz noch ein Dokument, das den campesinos eine Entschädigung für den Verlust ihrer Felder garantiert, was zu einer großen Angst in der Bevölkerung geführt hat, die niemandem mehr traut." Inzwischen gibt es heftigen Widerstand gegen die Pläne der Kanalbehörde. Die campesinos wollen um ihr Land kämpfen und sich nicht auf pure Versprechen verlassen, die ihnen neues Land, Entschädigungen und Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen in Aussicht stellen. Sie sind nicht bereit, die Überflutung ihrer Felder und ihre Umsiedlung als ein "notwen-diges Opfer für das Land" zu akzeptieren.

 
Die Grafik zeigt die Region mit den drei geplanten Talsperren - "embalses" (grau/schwarz) innerhalb der dicken schwarzen Linie, die die Wasserscheide markiert. Jeder Punkt steht für ein Dorf. Aber es gibt hunderte von kleineren Siedlungen und Hütten, die nicht auf der Karte erscheinen.
Grafik: Ing. Manuel Jimenez Montero
Das Gesetz 44 vom 31. August 1999 wurde vom panameischen Parlament verabschiedet, ohne dass es vorher mit den von der Erweiterung betroffenen Personengruppen Anhörungen gegeben hätte Die ACP ist nicht bereit, über Alternativen zur Erweiterung des Kanals zu sprechen. Einerseits behauptet sie, es sei noch nichts entschieden, es handle sich nur um einen Projektplan. Andererseits führen ihre Techniker in den betroffenen Dörfern bereits Untersuchungen durch. Mit einer teuren Öffentlichkeitsarbeit versucht sie den Eindruck zu erwecken, dass die von ihr vorgesehene Erweiterung des Kanals wichtig und unausweichlich für das Land sei. Experten sind da anderer Ansicht. Der Chef-Ingenieur der ACP Thomás Drohan Ruiz mit über 30jähriger Erfahrung im Management des Kanals schreibt in einem Gutachten: "Die Erweiterung des Wasserreservoirs im Westen lässt sich weder aus technischen, noch aus ökonomischen, sozialen, politischen und auch nicht aus Umweltgründen vertreten. Sie ist keine gute Lösung, um den Wasserbedarf des Kanals zu erhöhen. Sie ist auch nicht notwendig. Es existieren im Zusammenhang mit dem bestehenden Wasserreservoir Vorschläge, die das benötigte Wasser für den bestehenden und einen erweiterten Kanal garantieren und gleichzeitig ökonomischer, sozialer und umweltfreundlicher sind."
(Quelle: Veröffentlichungen von CARITAS/PANAMA)
Gesundheitsvorsorge
20 Latrinen für Espavecito
Bauskizzen der Latrinen

"Vorbeugen ist besser als heilen". Nach diesem Prinzip unterstützen wir entsprechende Maßnahmen in etlichen Dörfern in Veraguas. So haben im letzten Jahr fünf Dörfer im Buglé-Reservat eine Trinkwasserleitung erhalten, die die Familien mit gesundem Wasser versorgen. Das Dorf Espavecito erhielt bereits einige Jahre vorher eine Trinkwasserleitung.
Als uns kürzlich Casimiro Guerrero, der Leiter des Schüler/innenheims "Aschira" fragte, ob wir in seinem Heimatdorf die Finanzierung von Baumaterialien für die Latrinen der 20 Hütten übernehmen könnten, haben wir spontan zugesagt, da auch diese Latrinen für die Gesundheitsvorsorge auf dem Lande von großer Bedeutung sind. Die Kosten belaufen sich auf 3.700.-DM (Materialien und Trans-port).
Die Bauarbeiten werden selbstverständlich von den Dorfbewohnern selbst übernommen.

ÖKOLOGISCH: Sushi an CO²

Wenn wir uns beim Japaner auf die Knie begeben, um uns an einer tüchtigen Portion Sushi zu laben, sollte das Fischlein schon so frisch sein, dass wir vermeinen, noch die Schwanzflosse zucken zu sehen. Kein Wunder, dass das Frischheitsgebot im Mutterland der Götterspeise besonders strikt ist. Wenn die Rohware, aus der das Fischgericht zubereitet wird, Lachs ist, der aus norwegischen Fjorden stammt, stellt dies hohe Anforderungen an den Transport. So haben die norwegischen Fischexporteure einen Jumbojet der Britisah Airways geleast, um den Lachs, auf Eis gebettet, möglichst schnell ins Land der Morgenröte zu frachten. Das hat natürlich seine Kosten, und nicht nur jene ökonomischer Art.
Die 155.000 Kilo Lachs, die so wöchentlich nach Japan geflogen werden, führen zu einem jährlichen Ausstoß von 83.200 Tonnen Kohlendioxid, hat die Umweltorganisation "Zukunft in unseren Händen" errechnet. Das macht zehn Kilo CO als Garnierung zu jedem Kilo Lachs auf japanischen Tellern. So warnt Umweltschützer-Sprecher Tor Traasdal vor den Hoffnungen, die die Fischbranche in den fernasiatischen Markt setzt: "Wenn man die Lachsrouten der schnellen Art nach Japan ausbaut, wird man die Folgen bald in der Klimabilanz ablesen können." Er spricht damit ein Thema an, das auch berücksichtigt werden muss, wenn Europa nun über grünere Werte in der Landwirtschaft nachzudenken beginnt. Da darf es nicht nur um Anbaumethoden gehen und um Tierhaltung, sondern auch um den Transport. Es hilft wenig, wenn die Südfrüchte ökologisch gezogen werden, wenn man sie anschließend um den halben Erdball düst, ehe sie beim Endverbraucher landen. Und das Schweinefilet, das, in Plastik verpackt, eine Weltreise zurücklegt, verdient den Öko-Stempel nicht, auch wenn seine vormalige Besitzerin vor ihrer Schlachtung ein sauwohles Leben genoss.
Der Abstand zwischen Feld und Bauch, zwischen Produktion und Konsum muss wieder schrumpfen. Das heißt für die Japaner, dass sie für ihr Sushi eben keinen norwegischen Lachs mehr zerschnitzeln können, sondern nur den Fisch, den sie vor ihren eigenen Küsten fangen. Und für uns, dass wir auf die Erdbeeren warten müssen, bis wir sie vor unserer Haustür ernten können. Wo sie ohnehin viel besser schmecken.
Das globale Angebot in den Lebensmittelläden ist zu teuer erkauft, wenn seine Fracht zu drastischen Klimaveränderungen beiträgt. Selbst wenn man dann Tomaten bis zum Polarkreis ohne Treibhaus züchten könnte.

Hannes Gamillscheg in der F.R. vom 24.04.2001

Informationen

Beim Bazar am Elternsprechtag der FHS am 24.04.wurde ein Reinerlös von 194,85 DM erzielt, der zum Kauf einiger Bücher für das "Schülerinnenheim Harkort" in Buenos Aires verwendet wurde Georg von Neubronner, der deutsche Botschafter in Panama, schrieb uns am 25. April: "Vielen Dank für die freundliche Übermittlung des aktuellen Panama-Info, das wir mit Interesse und Anerkennung mitlesen. Mit den beiden Brücken in Veraguas haben Sie eine hervorragende Leistung erbracht. Nach einem alten russischen Sprichwort ist es besser zu helfen, statt zu bemitleiden.
Sie gehen mit Verantwortung auf praktische Probleme zu und die Ergebnisse belohnen das Engagement."
Im April haben wir uns bei der Regierung von El Salvador dafür eingesetzt, die Querelen um die Besetzung des Postens des Menschenrechtsbeauftragten zu beenden (amnesty-Aktion). Inzwischen hat das Parlament die Rechtsanwältin Beatrice Allamanni de Carillo zur Menschenrechtsbeauftragten ernannt.
In den Monaten Mai/Juni fanden Panama-Ausstellungen in der Realschule und im Gymnasium in Wetter statt. Am 13. August wurde eine entsprechende Ausstellung in den Räumen des Amtsgerichts und der Staatsanwaltschaft in Dortmund eröffnet. Im Juni haben wir im Schaufenster der Elektromark in Herdecke Fotos und Kunsthandwerk aus Panama ausgestellt.
Am 9. Juni haben wir mit einer großen Ausstellung an der Veranstaltung "Spielend verstehen" im Westfalenpark teilgenommen.15.000 Besucher lockte das Fest bei strahlendem Sonnenschein in den Westfalenpark.
Seit 1993 feiern über 20 Nationen jeden Sommer das internationale Begegnungsfest. Ins Leben gerufen wurde "Spielend verstehen" von der Initiative Toleranz des Auswärtigen Amtes. Indonesien neben Litauen, Argentinien neben Indien, Marokko neben Portugal, Mexiko neben Kenia. Panama neben Sambia.- Im Westfalenpark ließ es sich leben – auch lukullisch. "Nur trockene Informationen über alle Länder, das käme nicht an", war Mitveranstalterin M. Wendland aus Herdecke sicher. Die Besucher konnten landestypische Gerichte und Getränke kosten, sahen zahlreiche Folklore-Tänze aus vier Erdteilen und die "Maus" aus Köln, und wer wollte, konnte kongolesische Holzarbeiten oder an unserem Stand kunsthandwerkliche Arbeiten aus Panama und Guatemala erwerben. Die Stimmung im Westfalenpark war großartig. Erst um 22.00 Uhr wurden die einzelnen Stände wieder abgebaut.
Am 16. September haben wir, zusammen mit zahlreichen anderen regionalen Gruppen, an der Aktion "Eine Bummelmeile für Wetter" im Parkhaus am Bahnhof teilgenommen, unsere Arbeit vorgestellt und Waren aus dem "fairen Handel" angeboten.
Im Frühjahr feierte G.S. seinen 60. Geburtstag. Seine Gäste hatte er gebeten, ihm eine Spende für amnesty international und dem Panama-Kreis zu geben. So erhielten wir von ihm die schöne Summe von 1160.- DM.
Aus der Kollekte anlässlich einer Hochzeit in Hohensyburg haben wir im Juli 150.-DM erhalten. Weitere 150.-DM erhielten die Volmarsteiner Anstalten.
Am 23./24. Juni fand in der katholischen Kirchengemeinde St. Philippus und Jakobus eine erste Türkollekte für die im Bau befindliche Herberge bei Guabal statt. Der Panama-Kreis erhielt für das Projekt 455.60 DM. Insgesamt kostet das neue Nachtquartier für die Menschen aus den Dörfern der Kordillere, die oft tagelang zu Fuß unterwegs sind, rund 7.000.- DM


alte Herberge von Guabal
Die Erfrischungsgetränke für die Teilnehmer am Panama-Lauf stellte dankenswerterweise wieder das REWE-Geschäft von M. Thewes in Kirchende zur Verfügung.
Sie wollen Grußkarten kaufen oder den Verkauf unterstützen? Unser Angebot umfasst mehr als 30 Motive, nicht nur weihnachtliche. Wir schicken Ihnen gern eine Auswahl zu. Auf unserer Website werden sie vorgestellt.
Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

"DWK PANAMA E.V." im Internet: www.panama-kreis.de

v.i.S.i.P.Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 72: 4700