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Panama
Info
Nr. 76 Februar 2003 |
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| Ein besonderer Weihnachtsgruß aus Guatemala | ||
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Unter den zahlreichen Weihnachtsgrüßen,
die wir erhalten haben, hat mich ein kurzer Brief aus Guatemala besonders
berührt.
Wir helfen seit vielen Jahren einer Witwen- und Waisengenossenschaft in COTZAL, indem wir ihre wunderschönen gewebten und mit indianischen Motiven bestickten Handarbeiten verkaufen – leider mit geringem Erfolg. In diesem Jahr haben wir der Gruppe einen Betrag von 1.000.-€ zur Verfügung gestellt, um damit die Frauen zu unterstützen, die auf Grund ihres Alters nicht mehr weben und nähen können. Sie besuchen regelmäßig Kranke und Schwangere. Ihrem Dankesbrief, den die Vorsitzende der Genossenschaft für sie geschrieben hat, haben sie ihren Fingerabdruck hinzugefügt, da sie selbst nicht schreiben können. Den Abdrucken sind die Namen der Frauen beigefügt. | ||
| Bau der beiden Grundschulen in Bilingue und Pajonal | ||
![]() Aufbau der Holzkonstruktion (neue Schule in Pajonal) | ||
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Im letzten Panama-Info haben wir davon berichtet, dass
die buglé-Familien einschließlich der älteren Kinder
in Säcken Sand und Kies aus dem Fluss zu den Baustellen getragen
haben. Der Zement für die Fundamente wurde auf Pferden herbeigeschafft.
Mit einer Motorsäge wurden die Balken und Bretter im Wald zurechtgeschnitten.
Auf dem Foto oben sind die ersten Bauarbeiten an der Grundschule in Pajonal
zu sehen.
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| Voneinander lernen | ||
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Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit fand vom
1.-3. November 2002 in Herdecke im Festsaal der Werner Richard –
Dr. Carl Dörken Stiftung die 9. Jahrestagung der AG FIDE statt. Das
ist die ArbeitsGemeinschaft Frauengesundheit In
Der Entwicklungszusammenarbeit.
Entwicklungszusammenarbeit! Nicht Entwicklungshilfe! Die AG FIDE wurde 1994 gegründet. Sie ging aus dem
Zusammenschluss von Medizinern und Angehörigen angrenzender Berufe
mit Tropenerfahrung, mehrheitlich in Afrika, hervor. Hauptthemen des diesjährigen Kongresses waren:
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Es nahmen rund 100 Interessierte an der Tagung teil,
ein "vielfarbiger" Kreis, Gynäkologen, Hebammen, Soziologen,
Ethnologen, Afrikanisten/Lateinamerikanisten, Politiker und einfach Interessierte,
ungefähr ¾ Frauen, auch bei den Vortragenden und Diskutierenden.
Beim Thema Rolle und Tabu als Entwicklungshindernis wurde vor allem die Female Genital Mutilation, die Genitalverstümmelung bei Frauen (insbesondere im afrikanischen Raum prak-tiziert, aber auch durch Migrantinnen inzwischen bei uns ein akutes Thema) diskutiert. Im Spannungsfeld zwischen westlicher und traditioneller Medizin wurde von Projekten und Erfolgen in verschiedenen afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern berichtet. Die Tagung zeigte, dass aufeinander hören, voneinander lernen als Einstieg in die Entwicklungszusammenarbeit sehr fruchtbar sind. Für Panama-Freunde lag der Schwerpunkt zu sehr auf afrikanischen Problemen. Bei afrikanischem Essen und einer afrikanischen Musikanten- und Artistengruppe "tanzte der Kongress". Marianne Plassmann | ||
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Auf der Tagung wurde auch in verschiedenen Beiträgen
die Rolle der traditionellen Medizin in Afrika und Südamerika vorgestellt
und diskutiert. Hier geht es nicht nur um die seit Jahrhunder-ten bekannte
Wirkung von Heilpflanzen, sondern auch um die uns absonderlich erscheinenden
Praktiken der Schamanen/Heiler, die z.B. Kranke nicht nur mit bestimmten
Pflanzen behandeln, sondern auch mit Pflanzengeistern oder über den
Weg einer "Besprechung" mit Meerschwein-chen. Natürlich
gibt es unter den Heilern auch Schwindler. Aber grundsätzlich muss
man festhalten, dass der Erfolg zählt. Wenn ein Heiler keinen Erfolg
hat, wird man ihn nicht mehr aufsuchen. Ein Heiler ist der, der heilt
und nicht der, der einen weißen Kittel anhat.
Und der Erfolg der Heiler ist offensichtlich groß. Sonst würden nicht 70-80% der afrikanischen Bevölkerung immer noch der traditionellen Medizin (einschließlich der Fetischisten) vertrauen. Da der Heiler nicht operiert, gehen die Kranken oft zum Heiler, um eine Operation zu vermei-den. Andererseits ist der Missbrauch westlicher Medikamente groß. Ambulante Pillenverkäufer bieten verfallene Antibiotika an, die sowohl zur Behandlung einer Malaria wie auch von Bandscheiben-problemen angeboten werden. | ||
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Die Behandlung durch Heiler hat nichts mit Aberglauben
zu tun, sondern beruht auf einem uralten Wissen. Wünschenswert für
die Zukunft wäre eine auf Respekt gegründete Kooperation zwischen
den Heilern und den Medizinern westlicher Prägung.
Der erfahrene Heiler behandelt nicht isoliert eine bestimmte Erkrankung, sondern bezieht den ganzen Menschen in seine Behandlung ein. Er sieht den Menschen in seiner Beziehung zu anderen Menschen, zu anderen Lebewesen, zu ihren Wohnungen, ihrer Luft, Erde, Wasser und Feuer. Dass seelische Vorgänge körperliche Erkrankungen
hervorrufen und auch wieder verschwinden lassen können, ist uns allen
vertraut und ein guter Arzt weiß damit umzugehen. Manche neuere
Erkenntnisse sind allerdings verblüffend. Der Mediziner gerät
dabei in die Rolle eines Schama-nen, sogar in der Chirurgie. | ||
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Die Heilkunst der Azteken | ||
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Der Franziskanermönch Bernardino de Sahagún
kam 1529 mit den spanischen Eroberern nach Mexiko. Er lernte Nahuatl,
die Sprache der Indios, die er später in Latein unterrichtete. Sahagún
entwickelte bald ein großes Interesse an der fremden Kultur, die
fast gänzlich von den Eroberern zerstört worden war, vor allem
auch ihre Handschriften und Dokumente. Die folgenden Auszüge sind dem Buch X entnommen. Sie machen deutlich, welche umfang-reichen Kenntnisse die Azteken von der Behandlung der verschiedensten Krankheiten besaßen: (40) Die Halsgeschwüre müssen behandelt werden, indem man sie mit Urin wäscht, die oben genannten Kräuter – "iztáuhyatle"(bot. artemisia ludoviciana Nutt.), "calcuechtli", "yapaxíuitl" – zerreibt und auf die Geschwüre und um sie herum aufträgt und etwas Salz dazu gibt. (41) Bei Husten muss man die Kehle mit dem Finger reiben und Wasser aus der Wurzel "tlacopópotl" trinken oder Wasser, das mit Kalk und Chilipfeffer vermischt ist....Von diesem Getränk nehmen die Erwachsenen 0,5 l zu sich, und den Kindern gibt man ein Viertel von o.5 l. Mit solch einem Wasser wird der Schleim auf natürlichem Wege oder durch den Mund ausgestoßen. ... Folgender Hinweis ist von den Kindern zu befolgen: so viel Watte wie ein halbes Ei im Wasser des besagten Krautes tränken, ein- oder zweimal und das Wasser, das man mit der Watte aufgenommen hat ausdrücken und es dem Kind zu trinken geben; und es wird nicht schlecht sein, dass die Mutter oder der Vater des Kindes es trinkt. ... Die Kranken müssen sich davor hüten, Kakao zu trinken und Obst zu essen sowie Pulque ("aoctli") zu trinken, sie müssen Luft und Kälte meiden, sich warm anziehen und Bäder nehmen. | ||
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(67) Die Knochenbrüche der Füße müssen
mit dem Pulver der Wurzel, die "acotli" heißt, und der
Wurzel des Feigenkaktus behandelt werden; man streut das Pulver auf den
gebrochenen Fuß, wickelt ihn mit Leinen oder einem Tuch ein, bringt
vier Stöckchen oder Schienen rund um die Bruchstelle an und bindet
alles fest mit einer kleinen Schnur zusammen, damit auf diese Weise verdorbenes
Blut austritt; man nimmt auch Blut von den Venen ab, die zwischen dem
dicken Zeh und dem sich daneben befindenden Zeh zusammenlaufen, damit
kein Schmutz in die Wunde dringt. Und die Stöckchen oder Schienen
müssen 20 Tage lang getragen werden; nach diesem Zeitraum muss man
einen Breiumschlag ("ocótzol") machen mit Pulver aus
der Wurzel der Agave und ein wenig Kalk; wenn eine Besserung eintritt,
kann man Bäder nehmen.
(69) Bei Kopfverletzungen muss die Wunde mit warmem Urin
gewaschen und ein gebratenes Blatt der Agave über ihr ausgedrückt
werden; der Saft, der gewonnen wird, muss warm sein. Danach muss noch
ein wenig von dem Saft des gebratenen fleischigen Blattes, der mit dem
Kraut "matlalxíhuitl" und mit ein wenig Russ und Salz
vermischt ist, auf die Wunde aufgetragen werden. Dies wird mit einem Tuch
zusammengehalten, damit es nicht erstarrt, und so heilt die Wunde. ... | ||
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(72) Wenn jemand stolpert oder fällt und einen
Schlag auf die Brust bekommt, trinkt er danach warmen Urin, mit drei oder
vier gemahlenen Mauereidechsen vermischt und gibt wiederum ein wenig Russ
hinzu. ... Und man muss Blut aus der Vene des Herzens abnehmen, damit
es dem Kranken nicht schlechter geht und er nicht allmählich austrocknet,
sein Bauch anschwillt oder er Blut spucken oder husten muss. Gegen das
Blutspucken oder den Husten muss man Wasser aus der Wurzel "cozquicpatli"
trinken, die gut gekocht werden muss. Es muss abkühlen und dann zwei-
oder dreimal getrunken werden. Und wenn das nicht genügt, muss der
Kranke ein Abführmittel nehmen, oder man gibt ihm eine Medizin.
(Übersetzung: Frau Duwe/ADVENIAT – Essen) Die kleinen Zeichnungen in diesem Info stammen aus dem Codex Florentinus. | ||
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Im letzten Panama-Info haben wir als "Aktuelles
Projekt" den Bau und die Einrichtung einer Kinderkrippe in
Las Mañanitas vorgestellt. Dank großzügiger Spenden
konnten wir die benötigten 10.000.-€ nach Panama überweisen.
Die beiden folgenden Fotos zeigen, dass das Haus inzwischen außen und innen verputzt ist und die Fenster eingesetzt sind. | ||
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Informationen
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Konten
des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V." V.i.S.d.P.:
Paul K. Heer "DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 76: 5300 |
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