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| Panama
Info Nr. 78 Oktober 2003 |
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| Einweihung der Grundschulen
in Bilingue und Pajonal am 24. Juni 2003 | ||
Johaira Mojica, seit sechs Jahren
Mitglied des Cepas-Teams, schickte und folgenden Bericht: „Es
hatte den ganzen Tag vorher geregnet. Die Flüsse Calovebora und Chelele
waren stark angeschwollen. Mit Lorenzo Albino, José Manuel und
Juan Carlos von CEPAS sowie Leucadio Flores aus Bilingue machte ich mich
am 24. Juni, dem Fest des hl. Johannes des Täufers (einem hohen Feiertag
für die Bauern und indigenen buglé) in aller Herrgottsfrühe
auf den Weg von Guabal nach Bilingue, um dort die Einweihung der beiden
Grundschulen mizufeiern.Ich war vor zwei Jahren schon einmal in Bilingue und hatte böse Erinnerungen an diesen Besuch, da ich damals beim Durchwaten des Flusses Chelele beinahe ertrunken wäre. Jetzt kam die Angst vor den Flüssen wieder in mir hoch. Unter sengender Sonne sangen und lachten wir viel auf unserem sechsstündigen Weg. Immer wieder ging es auf den Trampelpfaden die Hügel hinauf und hinunter. Es war sehr anstrengend, aber wir wollten ja unbedingt bei der Einweihung dabei sein. Als wir am Ufer des Chelele ankamen, trug zunächst Leucadio über seinem Kopf die Fußballhemden für die beiden Schulen (ein Geschenk des Panama-Kreises) ans andere Ufer, wo inzwischen etwa 15 Personen, Erwachsene und Kinder aus den beiden Dörfern, zu unserer Begrüßung eingetroffen waren. Dann wagte José Manuel, unterstützt von drei buglé-Helfern, die Überquerung. Kaum war er am anderen Ufer angekommen, schrie er immer wieder: „Geht nicht durch den Fluss! Die Strömung ist sehr stark. Geht nicht durch den Fluss!“ Mein Herz wollte zerspringen. Mir wurde ganz kalt. Ich wusste, dass ich bei der Einweihung dabei sein musste. Aber ich hatte schreckliche Angst, wieder das durchzumachen, was vor zwei Jahren, im selben Monat, auf demselben Weg geschehen war. Man riet uns, weiter abwärts am Fluss zu versuchen, ihn zu überqueren, was uns mit der Hilfe einiger starker Männer dann auch gelang. Dabei musste ich daran denken, wie eine Mutter mit ihrem kranken Kind – auf der Suche nach einem Arzt – wohl mit diesen Schwierigkeiten zurecht kommen könnte. Wie machen sie das bloß? Wohl nur mit Gottvertrauen. Die Einweihungsfeierlichkeiten wurden von Vidal Concepción, dem Lehrer aus Valle Bonito, eröffnet, der früher einmal in Bilingue tätig gewesen war. Er erinnerte an die alte Schule aus Stöcken, einem Strohdach und einem Lehmfußboden, an die vergeblichen Anträge an das Erziehungsministerium auf einen neuen Schulbau. Die einzigen, die sich um ihr Problem gekümmert hätten, seien die Freunde aus Deutschland gewesen. Er erinnerte auch an den Namenstag von Johannes dem Täufer, dass Jesus der Menschheit Licht und Hoffnung gebracht habe so wie die Freunde aus Deutschland einer neuen Generation von Kindern in Bilingue und Pajonal. | ||
![]() buglé-Kinder beim Festakt | ||
Der Student Benicio Rodriguez von
der Schule in Valle Bonito, Präsident der Studentenvereinigung, rief
in seiner Ansprache aus: „Diesmal haben die Menschen von Bilingue
und Pajonal das große Los gezogen“ und erinnerte an die Trinkwasserversorgung,
die der Panama-Kreis in diesen Dörfern vor einigen Jahren finanziert
hatte. Er schloss mit den Worten: „“Schwestern und Brüder
in Deutschland. Herzlichen Dank für eure großzügige Hilfe,
für eure Zusammenarbeit mit den Ärmsten. Gott möge euch
segnen.“ Anschließend übergab Lorenzo die Fußballhemden für die beiden Schulen und sagte dabei: “Jedes Kind, das hier zur Schule geht, wird sich immer daran erinnern, dass Menschen aus Deutschland den beiden Dörfern eine Schule geschenkt haben.“ | ||
| Bleivergiftungen in Cañazas | ||
Im vergangenen Jahr veröffentlichte
unser Freund und Mitarbeiter Pastor E. Durán E. in der Ta-geszeitung
EL PANAMÁ AMÉRICA einen Beitrag über eine wahrscheinliche
Umweltverseuchung in der Region Cañazas, verursacht durch die Goldmine
„Santa Rosa“, die ihren Betrieb vor zwei Jahren eingestellt
hat. Ärzte hatten bei ihren Patienten bis dahin unbekannte Krankheitssymptome
festgestellt. Der Panama-Kreis bot an, Blut- und Urinproben von einigen Patienten zu finanzieren. Am 3.Mai wurden in Gegenwart der Notarin von Santiago de Veraguas entsprechende Proben genommen und von ihr an das renommierte Laboratorium Dr. Schiwara & Partner in Bremen geschickt, das wir vorab informiert hatten. 1997, als der Verdacht aufkam, die Bewohner von Cañazas könnten Vergiftungen aufweisen, wurden drei Mal einigen Personen Blutproben entnommen, die im Krankenhaus von Cañazas untersucht werden sollten. Beim ersten Mal zerbrachen die Röhrchen. Beim zweiten Mal gingen die Proben verloren. Beim dritten Mal schließlich gelangten die Proben ins Laboratorium. Die Ärzte stellten fest, dass kein Quecksilber im Blut vorhanden sei, was zunächst vermutet worden war. (Diese Analyse konnte das Krankenhaus aus technischen Gründen aber überhaupt nicht vornehmen). Auf mögliche andere Schwermetalle im Blut wie zum Beispiel Blei gingen die Ärzte nicht ein.
Das Laboratorium in Bremen stellte bei zwei der fünf Personen einen
sehr hohen Bleiwert fest, bei Alcibiades Caraballo 134.9 und bei Cesar
Mendoza 181.7 Mikrogramm.Blei ist ein für den Menschen gefährliches Schwermetall und verseucht häufig die Umwelt, besonders in der Nähe von Gold- und Silberminen. Nimmt ein Mensch zuviel Blei in seinen Körper auf, schädigt es nachhaltig das Nervensystem, das Blut und die Muskulatur. Am 21. August fand in der Hauptstadt Panama eine Pressekonferenz statt, auf der die Ergebnisse der Laboruntersuchungen sowie einige der Personen mit einer hohen Bleivergiftung vorgestellt wurden. Die panameischen Tageszeitungen haben ausführlich darüber berichtet. Die Zeitung „La Prensa“ titelte „Forderung nach einer Blutuntersuchung auf Blei“, die Tageszeitung „El Panamá América“ überschrieb ihren Artikel „Angst über Bleivergiftung in Veraguas“. Inzwischen wurde bezüglich der Vergiftungen eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft von Veraguas eingereicht. | ||
| Die unsichere Sozialversicherung | ||
Nicht nur in Deutschland gibt es erhebliche
Probleme mit den sozialen Sicherungssystemen. Auch in Panama werden die
Probleme seit langem heftig diskutiert. Ihre Ursachen sind aber teilweise
völlig verschieden von denen in Deutschland. Oder vielleicht auch
nicht. Anfang September berichtete die deutsche Presse über riesige
Steuerausfälle durch Schwarzarbeit. Die Hälfte des Gastronomie-Personals
in NW soll illegal beschäftigt sein. Der gesamtwirtschaftliche Schaden
der Schwarzarbeit durch entgangene Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge
erreicht nach Expertenschätzungen zweistellige Milliardenbeträge. „Soziale Sicherheit ist nicht dasselbe wie die Institution, die einem Teil der Bevölkerung eine gewisse Sicherheit gewährt. Trotzdem ist die Sozialversicherung von lebenswichtiger Bedeutung in der Entwicklung eines Landes. In Panama ist sie in vieler Hinsicht von elementarer Bedeutung. Die Sozialversicherung (CSS) hilft oder schützt gegenwärtig 70% der Bevölkerung Panamas, Versicherte, ihre Angehörigen, Rentner und Rentner unter anderen. Dies ist, im Vergleich zu anderen Ländern Zentralamerikas, ein hoher Prozentsatz. Von den Beitragszahlern verdienen 62% weniger als 400.-Dollar. 42% der Rentner erhalten die Mindestrente von 175.-Dollar. 70% der Einnahmen der Versicherung stammen von den Beitragszahlern. Der Überschuss der Versicherung im Juni dieses Jahres betrug 24.8 Mill. Dollar. Wo liegt das Problem? Warum spricht man von einer verhängnisvollen Krise? Es heißt, die Sozialversicherung sei in fünf Jahren am Ende. Viele würden keine Rente erhalten und die einzige Lösung liege in einer Privatisierung der Rentenanstalt etc.. Augenscheinlich ist diese Institution über Jahre eine Beute für Politiker gewesen und hatte unter der konzeptionslosen Politik der letzten Regierungen zu leiden. Wir wissen nicht, warum (Eingebung?) die gegenwärtige Regierung zu Beginn ihrer Amtszeit den Wirtschaftsfachmann Professor Juan Jované de Puy zum Direktor des CSS ernannt hat, der sich in der Vergangenheit durch große Rechtschaffenheit und Nähe zu den Arbeitern ausgezeichnet hat. Jované begann seine Arbeit mit einer Entpolitisierung der Versicherungsanstalt und bemühte sich um eine Lösung der Krise, die sich schon seit einiger Zeit abgezeichnet hatte. Er hat offensichtlich seine Arbeit gut gemacht. Aber das Problem ist noch nicht gelöst. In den vier Jahren der gegenwärtigen Regierung hat man nicht einen der Vorwürfe gegen Jované beweisen können. Trotzdem verlangen viele der tonangebenden Personen seine Entlassung. Warum? Seltsamerweise haben sich in der letzten landesweiten Meinungsumfrage (Juli 2003) 65% der Befragten zufrieden mit der Arbeit von Professor Javané gezeigt. Wie soll man das also verstehen? Javané hat gesagt – und das ist richtig – dass eines der ernsten Probleme der Versicherung darin bestehe, dass viele Firmen ihre Versicherungsbeiträge nicht bezahlen. Dadurch sind der Versicherung in fünf Jahren 355 Millionen Dollar entgangen. Beispielsweise hat man kürzlich bei 143 Hotels und Restaurants nachgeforscht und dabei festgestellt, dass nur 43 von ihnen ihre Versicherungsbeiträge abgeführt haben. Aber das ist noch nicht alles. Durch verzögerte Zahlungen seitens der Firmen und der Regierung sind der Versicherung weitere 109 Millionen Dollar verloren gegangen. Seltsamerweise gehören zu diesen saumseligen Zahlern die Firmen von 12 der 13 Minister der Regierung. Sie haben allen Grund, die Ablösung von Professor Jované zu fordern. Sie fühlen sich durch ihn erheblich belästigt. Das Nichtbezahlen und das verspätete Zahlen von Versicherungsbeiträgen sind zwei Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten der Versicherung. Ein weiterer Grund liegt in der Tatsache, dass die bei der Staatsbank deponierten Rücklagen der CSS nur mit 1.,5% verzinst werden, während normalerweise für derartige Depots ein Zinssatz von 3% gewährt wird. Diese beschriebenen Probleme könnte man angehen unter Hinweis auf bestehende Gesetze. Aber offensichtlich ist der Wille dazu nicht vorhanden.“ (P. Jorge Sarsanedas,sj – Panama/ Teil eines Beitrags „La segura inseguridad del Seguro“ in der Zeitschrift „Envio“ –Nicaragua, August 2003) Ende August wurde bekannt, dass das Aufsichtsgremium der CSS den Etat für das kommende Jahr nicht genehmigt hat. | ||
| Ein Lebensmittel-Kiosk für Las Garzas de Pacora | ||
![]() Foto Außenansicht vom Kiosk | ||
Im Panama-Info Nr. 76 hatten wir als
„aktuelles Projekt“ den Bau und die Einrichtung eines Lebensmittelkiosks
in Las Garzas de Pacora vorgestellt. Pacora ist ein Verwaltungsbezirk der Hauptstadt Panama. Im Jahre 2000 wurden dort 26.587 Einwohner gezählt. Aber am 9. Juni 2001 besetzten 11.000 Tagelöhner mit ihren Familien nicht genutztes Land in diesem Bezirk, um dort ihre Hütten zu bauen und etwas Land zu bestellen. Pacora ist in einzelne Sektoren aufgeteilt. Einer trägt den Namen „Mireya“ nach der Präsidentin von Panama, Mireya Moscoso. Die Bewohner verknüpften damit vielleicht die Hoffnung, das Wohlwollen der Präsidentin zu gewinnen, d.h. die Hoffnung auf eine Legalisierung der Landnahme. In Mireya leben in sehr ärmlichen Verhältnissen ungefähr 1.500 Einwohner. An dem erwähnten 9. Juni organisierten sich 22 Frauen und gaben sich den Namen Frauengruppe „Héctor Gallego“ zur Erinnerung an den Priester Héctor Gallego, der während der Militärherrschaft von General Omar Torrijos am 9. Juni 1971 von Soldaten entführt wurde und danach nie wieder auftauchte. 2002 stellte die Erzdiözese Panama 1.200 $ für den Bau eines Lebensmittelladens der Frauengruppe zur Verfügung. Natürlich reichte dieses Geld nicht aus. Man begann mit dem Bau der Mauern und auf der Suche nach neuen Geldquellen fragte Pastor Durán von Fé y Alegría beim Panama-Kreis an, ob er das Geld für die Fertigstellung des Kiosks zur Verfügung stellen könne. | ||
![]() Innenansicht vom Kiosk | ||
Mit den von ihm zur Verfügung
gestellten 3.000.-$ wurden die Mauern verputzt, ein Estrich gelegt, ein
Dach gebaut und schließlich das notwendige Mobiliar und eine Erstausstattung
mit Waren für den Verkauf finanziert. Die Kooperative verschafft 22 Familien direkte Einkünfte. 625 Familien profitieren indirekt von ihr (kurze Einkaufswege, günstige Preise). Die Kooperative hat das Ziel, die Solidarität unter den Mitgliedern der Gemeinde zu fördern und im wirtschaftlichen Bereich Gemeinschaftsinitiativen zu entwickeln. Am 11. Juni dieses Jahres wurde der Kiosk unter Beteiligung von Vertretern der lokalen und städtischen Institutionen sowie Mitarbeitern von Fé y Alegría feierlich seiner Bestimmung übergeben.“ (Pastor E. Durán E.) | ||
| Informationen | ||
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| Redaktionsschluss: 10. September 2003 | ||
Konten
des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V." V.i.S.d.P.:
Paul K. Heer "DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 78: 5500 | ||