Panama Info
Nr. 80                  Juni 2004
Die Projekte in Panama laufen gut
Eindrücke von einer Reise nach Panama (1)
Für Dr. Marianne und Dr. Jochen Plassmann sowie Wika Hüls aus Emsdetten war es die zweite Reise, für mich bereits die sechste. Vor fünf Jahren waren wir zusammen in Panama. Jetzt wollten wir sehen, wie sich die Projekte des Panama-Kreises in den letzten Jahren entwickelt hatten.
Im Februar ist noch Trockenzeit. Das war für unsere Fahrten in die abgelegenen Dörfer günstig. Die Fahrten mit dem Jeep waren zwar beschwerlich, aber unsere Wege wurden nicht von Erdrutschen versperrt. Innerhalb von Minuten waren wir auf den mit Plastik bezogenen Sitzen völlig durchgeschwitzt. Jeder von uns hatte eine große Trinkwasserflasche bei sich, die sich schnell leerte. Herr Dr. Plassmann konnte auf reichlich Erfahrungen im Lenken eines Jeeps zurückblicken, war aber dann doch froh – und wir Mitfahrenden auch – dass er sie angesichts der sehr schwierigen Pisten nicht zu beweisen brauchte. Den folgenden Bericht hat er uns zur Verfügung gestellt.

Großreinemachen vor der Ankunft der Gäste in Buenos Aires
Helfen mit Perspektive
Ausbildung und Bildung sind die Schlüssel für eine erfolgreiche, bessere Zukunft.
Wie kann eine Gesellschaft aus eigener Kraft seine Lage verbessern, wenn für viele Kinder auf dem Lande die Schulpflicht nach sechs Jahren Grundschule endet? Wie sollen junge Menschen
den Herausforderungen einer modernen, technisierten Welt gewachsen sein mit einem so geringen Wissen? Eine bessere Schulbildung ist die Basis für eine besseres, persönliches Leben wie auch für die Entwicklung einer Gemeinschaft.
In Panama behindert aber die mangelnde Erschließung des ländlichen Raumes ein umfassendes Schulangebot bis zur Klasse 9 (berufsbildender Zweig) beziehungsweise 12. In kleinen Dörfern besteht die Primarschule häufig nur aus einem oder zwei Klassenräumen, in denen alle 6 Schuljahre unterrichtet werden. Weiterführende Schulen werden nur in größeren Orten errichtet, nur hier gibt es das entsprechende Schulangebot. Kinder aus den entlegenen Dörfern haben nur weitere Lernchancen, wenn sie in einem Schülerheim wohnen können.. Hier setzt die Hilfe des Panamakreises ein, denn für solche Schüler und Schülerinnen wurden in den letzten Jahren drei „Internados“ errichtet, nämlich in Cañazas, Buenos Aires und Las Palmas, alle in der Provinz Veraguas gelegen. Wir haben die beiden letzteren besucht und konnten uns von der guten Arbeit vor Ort überzeugen.

In Buenos Aires war für 20 Mädchen das Internado Harkort vor drei Jahren errichtet worden. In zwei Schlafräumen von 8 x 4,50 m stehen fünf Stockbetten, so dass je 10 Mädchen sich einen Raum teilen. Zusätzlich gibt es einen Lernraum, etwa gleicher Größe, wegen der wenigen dort stehenden Bücher auch „Bibliothek“ genannt. Ein vierter kleinerer Raum soll noch als Handarbeitsraum an das Schülerinnenheim angebaut und ausgestattet werden. In ihm sollen in der Ferienzeit auch Nähkurse für Frauen durchgeführt werden. Außerhalb des Gebäudes gibt es für die Mädchen drei „ordentliche“ Toiletten und Duschen. Gekocht wird im Freien unter einem Vordach, direkt neben dem ebenfalls offenen, nur überdachten „Speisesaal“. Die Mädchen werden von jeweils vier Müttern versorgt, die sich wöchentlich abwechseln und ebenfalls dort noch irgendwo übernachten müssen. Zum Internado gehört eine kleine Landwirtschaft mit Schweinen, Hühnern und Enten, die von den Mädchen und Müttern betreut wird. Die Eltern sollen zu den Kosten jeweils $ 10 im Monat beitragen. Falls die Eltern dies nicht können, sollen sie einen oder zwei Tage in der Landwirtschaft mithelfen. Die Schilderung zeigt, wie bescheiden die Mädchen leben. Gleichwohl machte alles einen sauberen, ja fröhlichen Eindruck.

Im nahen Gemeindezentrum von Buenos Aires hatte vor vielen Jahren Adveniat ein „Internado“ für Jungen finanziert, in dem wir übernachtet haben. Die Metall-Stockbetten hatten anstelle eines Lattenrostes in vielen Fällen nur raue Schalbretter, dünne Schaumstoffauflagen dienten als Matratzen. Elektrisches Licht gab es nicht, für ca. 30 Jungen wiederum nur je 3 Duschen und Toiletten. Hier fühlten wir uns spontan verpflichtet, eine Finanzierungszusage für neue Lattenroste und Matratzen zu geben. Auch hier müssen die Eltern monatlich durch Geld oder Mitarbeit zur Deckung der Kosten beitragen. Trotz dieser Elternpflichten sind beide Internados bis auf den letzten Platz belegt.
Zum Ort Buenos Aires gehören Ortsteile hoch oben in den Bergen, die nur nach einem acht – bis zehnstündigen Fußmarsch zu erreichen sind. Bewohner, die zum Arzt müssen, Eltern, die in den Internados helfen, für alle fehlt eine Bleibe für die Nacht. Ein älteres Vorratsgebäude der Regierung könnte unentgeltlich übernommen werden, es müsste jedoch als
Herberge umgebaut werden. Die Vorstellungen dazu sind auch hier sehr einfach, nämlich einige Trennwände einzuziehen, zwei Wasserleitungen zu verlegen und eine Kochstelle aus Lehm und Steinen zu bauen. Außerdem würden noch einige Stockbetten mit Auflagen benötigt. Unser Partner CEPAS wird die Kosten dazu ermitteln. Vielleicht entwickelt sich damit ein neues Projekt für den Panamakreis.

Einnahmen und Ausgaben 2003
  Einnahmen EUR
Ausgaben EUR
Spenden Panamalauf 25.558,64  
sonstige Spenden und Zuwendungen nach §153 StP0 18.987,38  
KDStV Sauerlandia Münster im CV 624.00  
Lions-Club Herdecke 300,00  
Lions-Club Wetter 300,00  
Rotary-Club Wetter – Ruhrtal 327,40  
Grußkarten 4.123,35  
Stadt Herdecke – Landeszuweisung 1,452,06  
Land NW – InWEnt 6.660,00  
Land NW – InWEnt (Zuwendung f. Öffentlichk.arbeit) 510,00  
DWW-Verkauf 400,00  
Bazar FHS 154,58  
Flohmarkt Vonkenberg GS 250,00  
Kollekten St. Urban 174,70  
Verkauf Guatemala-Handarbeiten 102,00  
Zinsen 136,05  
  60.060,16  
Projekte in Panama: Hausbauprojekt in Piedra Candela, landwirtsch. Projekte, Zuschüsse für Internate
  42.420,00
Frauen-Kooperative in Guatemala   1.000,00
Büroausgaben und Öffentlichkeitsarbeit   2.069,98
Blutuntersuchungen in einem dt. Labor   96,43
Versicherung   118,62
Kontoführung   76,68
Sonstiges   14,00
    45.795,71
Unkosten in Höhe von 1.932,52 € wurden vom Vorstand des Vereins getragen.
Die Gesamteinnahmen des DWK Panama Ende 2003: 617.031,00 €
Für rund.1000.- € wurden im Jahr 2002 Waren aus dem "fairen Handel" verkauft.
Schon länger in Betrieb ist das „Internado“ Aschira in Las Palmas (Foto). Bei unserem letzten Besuch vor fünf Jahren konnten wir den Mädchentrakt einweihen. Das Jungeninternat war schon
drei Jahre vorher bezugsfertig. Casimiro, der das Internat leitet, versorgt, unterstützt von seiner Mutter, die 10 Mädchen und bis zu 25 Jungen. Die schulischen Ergebnisse sind überdurchschnittlich gut. Das ist um so überraschender, da die Not in diesem Internat groß ist. Viele Eltern können keinen Kostenbeitrag zahlen, eine tätige Mithilfe ist zum einen wegen der großen Entfernung der Wohnorte, zum anderen auch wegen des kleinen Grundstücks des Internats nicht möglich. Strom und Wasser müssen gekauft werden, Lebensmittel werden gespendet oder erbettelt. So erhält das Internat von einer nahe gelegenen Hähnchenschlachterei die nicht mehr verwendbaren Hälse und Füße, von einer Mühle Mehlreste. Casimiro muss Tag für Tag improvisieren, für regelmäßige Instandhaltung fehlt das Geld und die Zeit. Trotz all dieser Probleme lernen die Schüler und bestehen ihre beruflichen Abschlüsse. Sie wissen ihre Chance zu schätzen.

Wir haben uns nach unserem Besuch um eine langfristige Sicherstellung dieses Internats bemüht. Es wird mittelfristig in die Hände von CEPAS übergehen. Vom Panamakreis aber sollen noch die dringend notwendigen Reparaturen, zum Beispiel an der Elektroinstallation, dem Gasherd und den Toiletten übernommen werden.

Man ist leicht geneigt zu fragen, lohnt all die Mühe angesichts der Armut und Probleme überall in der Welt? Unsere Antwort ist uneingeschränkt: ja ! Wir lösen damit nicht die Probleme in der Dritten Welt, aber wir verhelfen mit den Internados 50 – 60 Kindern zu einer Chance auf ein besseres Leben. (J.P.)

Bei unserem Besuch in El Cobre erzählten uns die campesinos von dem Plan des Energiekonzerns HIDROELÉCTRICA LOS ESTRECHOS,S.A., in der Nähe ihres Dorfes eine Talsperre zur Elektrizitätsgewinnung zu bauen. Der Stausee soll 1.000 Hektar groß werden. Ein Bauantrag wurde bereits bei der Regierung eingereicht, obwohl der Konzern weiß, dass die Bewohner der Region den Stausee nicht wollen, da sie mit dem Stausee ihre Ländereien und damit ihre Existenzgrundlage verlieren. Wir sind froh, dass wir dafür gesorgt haben, dass ein Teil der betroffenen campesinos die Besitztitel für ihre Felder erhalten hat. Der Konzern kann gegen den Willen der campesinos die Talsperre nicht bauen. Man befürchtet jedoch, dass er versuchen wird, die Kleinbauern mit Versprechungen zu ködern, die später nicht eingehalten werden. An der Panamericana hatte eine Aktionsgruppe einen Stand aufgebaut, an dem sie über das "NO A LA EMPRESA" ("Gegen die Talsperre") informierte.

Zum Programm unserer Reise gehörten auch Besuche der landwirtschaftlichen Projekte in El Cobre und Arenal/Piedra Candela, die uns besonders viel Freude gemacht haben, da sie hervorragend laufen und unserer Hilfe nicht mehr bedürfen. Wir habe natürlich auch die Kinderkrippe ("Casa Cuna") und den den Lebensmittelkiosk (Frauenprojekt) in Las Garzas besucht. Über diesen Teil der Reise werden wir im nächsten Panama-Info berichten. Schließlich waren wir noch in Lajillas, wo vor ungefähr 20 Jahren die erste Grundschule von uns finanziert wurde. Der Panama-Kreis in Havixbeck hat es sich zum Ziel gesetzt, den Bau eines zusätzlichen Klassenraumes, eines Essraumes und einer Küche sowie notwendiges Inventar zu finanzieren. Letzte Station unserer Projektreise war der Strand von Aromadera, wo eine Frauengruppe mit Hilfe des Panama-Kreises aus Emsdetten einen Restaurationsbetrieb für lokale Touristen eröffnet hat. Mit Hilfe eines Zuschusses und eines billigen Kredits von Emsdetten soll der Betrieb deutlich erweitert werden.

"Unsere Schulen und Internate" in Panama haben keine Bücher, die die Mädchen und Jungen in ihrer Freizeit lesen könnten. Wir haben deshalb eine größere Zahl beliebter Kinder- und Jugendbücher deutscher Autoren in spanischer Sprache mit nach Panama genommen, die inzwischen an "unsere" Internate und Schulen verteilt worden sind.

Informationen
Vor den Präsidentschaftswahlen in El Salvador haben wir uns an einem Aufruf von a.i. an die Präsidentschaftskandidaten beteiligt.
Am 2. Mai fanden Präsidentschaftswahlen in Panama statt. Über viele Wochen wurden die Panameer, natürlich vor allem in der Hauptstadt, mit Wahlwerbung zugemüllt. Wie immer viele attraktive Versprechen (Senkung der Arbeitslosigkeit, Maßnahmen gegen die Armut, Verbesserungen im öffentlichen Schulwesen etc.), die erfahrungsgemäß, wenn die Regierung erst einmal die Geschäfte aufgenommen hat (1. September), nichts mehr wert sind. Gewählt wurde Martín Torrijos, Sohn des früheren Generals und Regierungschefs Torrijos, mit 47% der abgegebenen Stimmen. Das sind aber nur 36% der stimmberechtigten Wähler. Viele Wähler haben es offensichtlich vorgezogen, ungültige Stimmzähler abzugeben beziehungsweise überhaupt nicht zur Wahl zu gehen.
In diesem Jahr haben wir bei Elternsprechtagen in der Kath. Grundschule Wetter und in der Friedrich-Harkort-Schule mit Erfolg Waren aus dem "fairen Handel" verkauft.
Am 23. März fand die diesjährige Hauptversammlung unseres Vereins statt. Der bisher tätige Vorstand wurde in seinem Amt bestätigt. Frau Dr. Plassmann und der Vorsitzende berichteten ausführlich über ihre Projektreise nach Panama. Von einigen Besuchen in den Dörfern wurde eine Video-Aufzeichnung gemacht, die wir interessierten Gruppen gern vorführen. Uns stehen auch neue Dias für Vorträge zur Verfügung. Am 21. April hielt Frau Dr. Plassmann bereits einen Dia-Vortrag bei den Senioren der katholischen Kirchengemeinde St. Philippus und Jakobus in Herdecke.
Bis in den März hinein haben Frauengruppen aus Anlass des Weltgebetstages der Frauen von uns Info-Materialien und mola-Karten zum Verkauf erhalten.
Da Panama Thema des diesjährigen Weltgebetstages war, hatte die NRO "El Puente" mit unserer Vermittlung Kontakt mit einer Kaffee-Kooperative in Sta. Fé in Veraguas aufgenommen. Von ihr hatte sie bis Februar 700 Sack Kaffee importiert, der in Deutschland unter dem Namen "Café de Panamá" verkauft wird. Es handelt sich hier um Kaffee aus dem "fairen Handel". Er schmeckt

Vortrag über Panama in der Ev. Kirchengemeinde Wengern
anlässlich des Weltgebetstages der Frauen – 05.02.04
hervorragend, was kein Wunder ist, da es sich um einen reinen Arabica-Kaffee handelt. Von der Kooperative haben wir auf unserer Reise ein Kilo Rohkaffeebohnen mitgebracht, die wir an Schulen und freundliche Mitarbeiter zusammen mit einer Pflanzanleitung verteilt haben. Irgendwann wird unsere Region bekannt sein für die vielen Kaffeebäumchen, die in den Wohnzimmern und Gewächshäusern heranwachsen.
Aus Norddeutschland wurde Anfang des Jahres ein ngobe-Kommunion-Kleid bestellt, das am Ende unseres Besuches in Veraguas bereits fertig war, so dass wir es mit nach Deutschland nehmen konnten (vgl. unsere Webseite – "Kommunion-Kleider")
Am 16. Juli findet unser "13. Panama-Lauf statt". Wir hoffen auf eine rege Teilnahme vieler Schulen in Herdecke, Wetter und Hagen. In diesem Jahr führen wir eine Neuerung ein. Ältere Schülerinnen und Schüler, die nicht gern am Lauf selbst teilnehmen möchten, können am Morgen des Panama-Laufs in Betrieben oder bei Privatpersonen einige Stunden arbeiten und ihren Verdienst der Aktion zur Verfügung stellen, mit dessen Erlös eine handbetriebene Gondelbahn über den Fluss Río Cobre gebaut werden soll, damit die Bauern in der Regenzeit zu ihren Feldern kommen können. Der Bau einer Brücke wäre viel zu teuer.
Im April war der Journalist Rainer Wolf in El Pilón, wo die Gondelbahn gebaut werden soll. Er hat dort einen Film gedreht. Er wird auch Aufnahmen vom Panama-Lauf machen. Beides soll am 18. Juli um 9.00 Uhr im ZDF zu sehen sein ("Sonntag – TV fürs Leben").
Das im letzten Panama-Info vorgestellte "aktuelle Projekt" (Bau eines Kindergartens in der "Siedlung 18. April") kann nun leider doch nicht realisiert werden, da nach einer ausführlichen Korrespondenz mit unserem Partner in Panama ein auf Dauer geordneter Betrieb nicht gewährleistet ist.

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

V.i.S.d.P.: Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke

"DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 80: 5.500