Panama Info
Nr. 81                  Oktober 2004

Im letzten Panama-Info erschien der erste Teil des Berichts, den Dr. Plassmann von unserer Reise nach Panama im Februar geschrieben hat. Er befasste sich mit den von uns finanzierten Schülerheimen in Las Palmas und Buenos Aires.
Nachfolgend erscheint nun der zweite Teil des Berichts, der sich mit einigen vom Land NW und uns finanzierten landwirtschaftlichen Projekten beschäftigt.

Wasser des Lebens

Bewässerungsprojekte alle sehr erfolgreich

Im tropischen Panama gibt es eine ausgedehnte Regenzeit. Dafür regnet es von Dezember bis März in weiten Bereichen des Landes überhaupt nicht. Wer in diesen Monaten sein Land bewässern kann, darf sich über eine zweite Ernte im Jahr freuen. Leider verfügen die meisten Kleinbauern, die gerade einmal das anbauen, was sie für den eigenen Bedarf benötigen, nicht über die finanziellen Mittel, um Bewässerungsanlagen zu installieren.

Vor fünf Jahren wurden wir in El Cobre, einem kleinen Dorf nur wenig abseits der Panamericana, der


Stolz posieren die Kinderr vor ihren Kokosbäumchen

Hauptverbindungsstraße des Landes, auf die Chancen von Bewässerungsprojekten aufmerksam gemacht. Jetzt bestand Gelegenheit, sich vom Erfolg der damals zugesagten Förderung zu überzeugen.

Der Panamakreis hatte die Finanzierung einer Pumpe, die das Wasser aus dem Fluss El Cobre auf die höher gelegenen Felder pumpt und die Kosten für Bewässerungsrohre übernommen. Ein kleines Pumpenhaus wurde von der Dorfgemeinschaft gebaut, die Aufbereitung der Felder sowie die Verlegung der Rohre erfolgten ebenfalls in eigener Regie. Seit etwa vier Jahren können nun die an sich fruchtbaren Felder ganzjährig beackert werden. Bei unserem Besuch trafen wir auf ein kleines Paradies. Acht Familien leben inzwischen von dieser Landwirtschaft. Der Ackerbau war ergänzt um eine Viehwirtschaft mit Hühnern, Enten und Schweinen. Die vier Kühe mit ihren Kälbern sind der besondere Stolz des Dorfes. Die ersten beiden Kühe konnten mit dem Geld gekauft werden, das ein deutsches Ehepaar anlässlich der Feier eines runden Geburtstages gespendet hatte. Auch die Kinder von El Cobre waren inzwischen Teil des erfolgreichen Projekts. Jedes Kind hatte seine eigene kleine Kokospalme und war für ihre Pflege verantwortlich. Die Gemeinschaft plant die Erweiterung der Felder. Dann müssen weitere Familien einbezogen

werden. Denn bereits jetzt müssen während der Saat- und Erntezeit fremde Helfer angeworben werden. So entstehen jetzt auch erste Arbeitsplätze für campesinos. Aber das Idyll ist bedroht, denn in der Nähe der Felder soll ein großer Staudamm mit einem Elektrizitätswerk entstehen. Gemeinsam mit CEPAS, unserem Partner vor Ort, wird dafür Sorge getragen, dass die Dorfgemeinschaft als Eigentümer der Felder in das Grundbuch eingetragen wird, um so das Geschaffene zu sichern.

Ein weiteres Projekt wurde uns in La Pintada/Mesa vorgestellt. Auch hier waren für die verstreut liegenden kleinen Dörfer Wasserrohre und Tanks finanziert worden. Auf einem Fußballplatz, etwa in der Mitte der Dörfer, wurde uns von den stolzen Bauern auf kleinen, einfachen Ausstellungsständen, eine Auswahl ihrer Früchte präsentiert. Die Ernten sind inzwischen so groß, dass kleine Überschüsse verkauft werden können. Einige Kilometer weiter konnten wir auf einem bewässerten Feld sehen, dass im Zusammenhang mit der Verlegung der Leitungen gleichzeitig ein Erosionsschutz aufgebaut wird, so dass die Wassermassen der Regenzeit nicht mehr den fruchtbaren Mutterboden wegschwemmen.


Bewässerungsrohre in La Pintada/Mesa

Auch in Piedra Candela und dem Nachbarort Arenal bestätigte sich der Eindruck, dass mit Bewässerungshilfen den Menschen eine bessere Zukunft eröffnet wird. Hier war etwas oberhalb der Dörfer ein kleiner Bach aufgestaut worden. Das Land NRW hatte sich hier ebenfalls mit einem Zuschuss beteiligt. Wir waren überrascht als wir sahen, wie winzig der „Staudamm“ ausgefallen war. Maximal 3 m hoch, etwa 12 m breit, kaum mehr als eine schmale Betonmauer, die einen kleinen See aufstaute, der etwa 30 – 40 m in das Tal hineinragte. Um so erstaunter waren wir, das mit diesem kleinen Stausee, aufgrund des natürlichen Gefälles, eine Riesenfläche von fast 10 Hektar bewässert werden kann. Die Bauern berichteten uns, dass sie jetzt statt früher nur eine Ernte jetzt, je nach Fruchtfolge, zwei bis drei Ernten pro Jahr erzielen.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass mit den Bewässerungsprojekten genau das gewünschte Ergebnis nachhaltiger Entwicklungshilfe erreicht worden ist. Mit einer Startfinanzierung gelang es, den Menschen eine langfristig sichere Zukunft zu geben. Keines der Projekte ist auf weitere oder gar dauernde Hilfe angewiesen. Die Menschen dort können mit der geschaffenen, neuen Einkommensquelle sich selbst weiter helfen und sogar Impulse für ihre Nachbarn geben.

Nachrichten aus Panama

Regierungswechsel

Mireya Moscoso war noch nicht am 1. September dieses Jahres aus ihrem Amt als Präsidentin Panamas geschieden, als die Zeitung LA PRENSA bereits eine Umfrage veröffentlichte, nach der die erste Frau an der Spitze einer panameischen Regierung am weitaus schlechtesten unter den letzten drei Präsidenten beurteilt wurde. Gerade einmal 38% der Bevölkerung beurteilten die Arbeit der Präsidentin positiv. Bei den Wahlen im Jahr 1999 hatten 62.5% der Bevölkerung für sie gestimmt.
Die schlechte Meinung basiert auf den nicht eingehaltenen Versprechen und dem Verdacht, dass sie an schweren Korruptionsfällen beteiligt war und sich während ihrer Amtszeit persönlich bereichert hat.
Viele Panameer hatten gehofft, dass eine Frau als Präsidentin einen Neuanfang in der panameischen Politik bedeuten könnte (Bekämpfung der Korruption, der Armut, der Arbeitslosigkeit sowie eine Aufwertung der Rolle der Frau in der Gesellschaft). Jetzt glauben 58% der in der Umfrage Befragten, dass sie den Frauen einen Bärendienst erwiesen hat. 58% der Befragten wollen die Ex-Präsidentin vor Gericht sehen.
Eine der letzten Amtshandlungen von M. Moscoso war die Amnestie von vier kubanischen Terroristen, die in Panama zu neun Jahren Gefängnis verurteilt wurden, weil sie einen Mordanschlag gegen Fidel Castro in der Universität von Panama geplant hatten. In Panama geht man davon aus, dass die Begnadigung auf Druck der US-Regierung erfolgt ist. Präsident Bush wollte offensichtlich vor den Präsidentschaftswahlen Eindruck machen bei der sehr großen Volksgruppe der Exilkubaner in Florida. Kurz nach ihrer Haftentlassung reisten drei derTerroristen nach Florida, wo sie bejubelt wurden. Nicht jeder Bombenleger ist in den Augen der USA ein Terrorist.
Amnestiert wurde auch Haydée Milanés de Lay, die des Stimmenkaufs bei ihrer Abgeordnetenwahl angeklagt war.

Der neue Präsident Panamas ist Martín Torrijos , Sohn des früheren populären Diktators General Omar Torrijos, der 1977 unter dem US-Präsidenten Jimmy Carter die Rückgabe des Panama-Kanals an Panama ausgehandelt hatte.

Torrijos ist mit einem Wahlbündnis unter dem Namen "neues Vaterland" angetreten. Es bleibt abzuwarten, ob das "alte Vaterland" mit seinen die Politik bestimmenden Machtzirkeln (die Ex-Präsidentin war die Frau des früheren dreimaligen Präsidenten Arias, der von Omar Torrijos aus dem Amt geputscht wurde) der Vergangenheit angehört.
Große Zweifel sind angebracht. Zum Parlamentspräsidenten wurde Jerry Wilson ernannt, der seinerzeit enge Beziehungen zu dem Diktator Noriega und seinem Regime hatte und entsprechende politische Ämter bekleidete. LA PRENSA berichtete am 28. August, dass gegen ihn noch ein gerichtliches Verfahren läuft. Aber als gewählter Volksvertreter genießt er Immunität. "Neues Vaterland"?
Torrijos verspricht, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen und ins Gefängnis zu bringen, die das Geld der Bürger gestohlen haben. "Wir haben ein Land übernommen, in dem die korrupte Person als angesehener Bürger erscheint, der Auszeichnungen erhält – und es geschieht nichts, da die Korruption Teil einer Realität ist, die viele als unvermeidlich ansehen.... Das Volk will nicht Rache, will keine Rechnungen begleichen, es wünscht, sucht und verlangt Gerechtigkeit."
Der neue Präsident will an dem Plan einer Erweiterung des Panama-Kanals festhalten, deren Kosten auf die gigantische Summe von acht Milliarden Dollar veranschlagt werden. Da hierfür immense Mengen zusätzlichen Süßwassers benötigt werden, plant die Kanalbehörde den Bau von neuen Stauseen. Das bedeutet, dass etwa 30.000 Kleinbauern ihre Heimat und ihre Felder verlieren. So nimmt es nicht wunder, dass sie bereits in den ersten Septembertagen zwei große Demonstrationen in Panama-City und Santiago de Veraguas gegen den Bau der Talsperren organisieret haben. Die Kleinbauern sowie die indigenen buglé und ngobe werfen einflussreichen Geschäftsleuten vor, persönliche Interessen beim geplanten Bau der Talsperren und Wasserkraftwerken zu verfolgen und behaupten, dass Besitztitel auf große Ländereien ausgestellt worden seien, auf denen die campesinos schon seit vielen Jahren leben und arbeiten.

Während der Amtszeit von M. Moscoso wurden 435 Polizisten ihrer Ämter enthoben. 17.000 Disziplinarmaßnahmen (31 – 60 Tage Arrest, mündliche Verwarnungen) wurden registriert. Diese erschreckenden Zahlen – Panama hat gerade einmal 2.8 Mio Einwohner – hat die Direktion der Nationalen Polizei selbst zusammen getragen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Überstülpen von Kapuzen, unnötigen Gebrauch von Pfeffergas (z.T. gegenüber gefesselten Personen), Schläge, Beleidigungen und Drohungen. Der offizielle "Anwalt des Volkes" verlangt eine erheblich verbesserte Ausbildung der Polizei, in der die Achtung der Menschenrechte eine besondere Rolle spielen muss.

Günter Eichs Träume

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben, für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt.

(aus dem Epilog des Hörspiels "Träume")

Panameische Küche
Wir sind des öfteren gebeten worden, im Info das eine oder andere typische panameische Kochrezept zu bringen. Da in der Regel bestimmte Zutaten bei uns nicht zu kaufen sind, muss man nach geeigneten Rezepten suchen. Das folgende macht keine Schwierigkeiten.
Reis mit Huhn

Zutaten:

1 Huhn (2 ½ Pfund) 1 Pfund Reis
3 Esslöffel Tomatenmark 1 große Zwiebel
2 große Pfefferschoten je ein Gläschen Oliven und Kapern
1 Dose Mischgemüse Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Das Huhn säubern und in kleine Stücke schneiden. Mit Salz und Pfeffer würzen. In einer Pfanne mit etwas Öl von allen Seiten gut anbraten. Die Fleischstücke aus der Pfanne nehmen.
Das Öl in der Pfanne moderat erhitzen und dann die gehackte Zwiebel, das Tomatenmark und 1 ½ Tassen Wasser hinzufügen. Die Pfanne zudecken und alles aufkochen lassen. Auf kleiner Flamme 10 Minuten weiter köcheln lassen.
Die Kochhitze erhöhen, den Reis hinzufügen und wieder 20 Minuten kochen lassen. Das Gemüse hinzufügen und noch einmal 5 – 10 Minuten köcheln lassen.


Ausstellung in der Grundschule Wetter/Esborn – Juni 2004
Kurznachrichten

Am 15./16. Juli fand der "13. Panama-Lauf" statt. Am ersten der beiden Tage war es zwar warm, aber es regnete in Strömen. Da an diesem Tag alle Herdecker Grundschulen an dem "Vorlauf" teilnahmen, war es besonders traurig, dass das Wetter so miserabel war. Viele Kinder waren schon beim Start völlig durchnässt, da sie nicht entsprechend gekleidet waren. So wurde der Weg um den Hengsteysee für die Kinder zu einem kleinen Abenteuer. Beim Start und bei der Rückkehr wurden sie von Rainer Wolf und Jörg Schiele, einem ZDF-Team, interviewt und gefilmt. Der Filmbeitrag einschließlich einiger Szenen von dem Ort in Panama, an dem die Gondelbahn über den Río Cobre Ende des Jahres gebaut werden soll, wurde am Sonntag darauf gesendet. Ich erinnere mich noch gut an einen Jungen, der in dem Filmbeitrag sagte:" Der viele Regen hat mir gar nichts ausgemacht. Die Kinder in Panama werden jeden Tag bis zum Bauch nass, weil sie auf dem Weg zur Schule durch den Fluss gehen müssen."

Am Panama-Lauf nahmen wieder 15 Schulen aus Herdecke, Wetter und Hagen teil. Unsere Buttons waren sehr begehrt. Frau Lehmann und Herr Mertmann werden nächstes Jahr wohl mehr als 1200 Buttons herstellen müssen.

Am 10. September waren über den Panama-Lauf mehr als 22.000.-€ auf unseren Konten eingegangen. Diese Summe wird sich wohl noch etwas erhöhen, so dass wir nicht nur die Gondelbahn, sondern auch noch eine Trinkwasserleitung für die Siedlung Los Reyes de S. Francisco finanzieren können (1719.-€).

Die Planskizze zeigt die Hütten, die an die Wasserleitung angeschlossen werden sollen. Oben links sind die Quelle und darunter der Wassertank eingezeichnet, von dem aus PVC-Rohre das Wasser bis vor die Wohnhütten führen.

Im Juni gab es einen runden Geburtstag zu feiern. Die Gäste brachten keine Geschenke mit, sondern fütterten einen großen Tucan mit Spenden für Panama: 1065.- €. Die achtjährige Aileen steuerte 5.-€ von ihrem Taschengeld bei.

Das Café Wenning hat ein ♥ für Panama

Für den "Café de Panamá" haben wir in diesem Jahr viel Werbung gemacht. Wir haben Kaffeeproben aus Panama mitgebracht und verteilt. Alle mit uns kooperierenden Schulen haben Kaffeebohnen erhalten, um daraus Kaffeebäumchen zu ziehen. Wir durften die Bohnen nebst Pflanzanleitung sowie Kaffeepäckchen zum Verkauf in Herdecke in der Post-Apotheke sowie der Bismarck-Apotheke, in der Goethe-Apotheke in Wetter/Grundschöttel sowie in der Metzgerei Paul Bilstein in Volmarstein deponieren. In der Post-Apotheke, der Bismarck-Apotheke sowie der Metzgerei Bilstein kann man auch weiterhin den Kaffee aus dem "fairen Handel" kaufen. Die Mitarbeiter/innen der Post-Apotheke und der Adler-Apotheke in Herdecke trinken den Kaffee regelmäßig. Welche Betriebe möchten sich anschließen?

Kaffee aus Panama gilt unter Kennern als Kaffee von Weltklasse. Dieser reine Arabica aus dem zentralen Hochland zeichnet sich durch seine sehr gute Fülle und sein feinmildes Aroma aus. Vor allem die indigene Bevölkerung Panamas lebt außerhalb der Kanalzone vielfach in bitterer Armut. Die Comarca ist die Heimat der Indigenas ngobe und buglé und gehört zu den ärmsten Regionen Panamas. Die Kaffee-Kooperative La Esperanza ist für über 1.000 Bauernfamilien zur Hoffnungsträgerin für menschenwürdige Lebensbedingungen geworden. Mit intensiver Beratung und technischer Unterstützung wird die sehr hohe Qualität des Kaffees erzielt. Die Kooperative sorgt ebenso für ein umfangreiches Programm für Kleinkredite wie für günstige Einkaufsmöglichkeiten in der Konsumgenossenschaft. (Text auf dem Kaffeepaket)

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

V.i.S.d.P.: Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke

"DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 81: 5.300