Panama Info
Nr. 83                  Juni 2005
Zweijahresprojekt über 95.000.-Dollar

Drei Jahre lang haben wir mit unserem Partner CEPAS das Projekt "Integrierte ländliche Entwicklung in Dörfern der Region Buenos Aires/Veraguas" vorbereitet. Im März hat uns das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mitgeteilt, dass es 75% der Kosten übernehmen wird. Im April haben wir einen ersten Teilbetrag in Höhe von 24.000.-€ an Cepas überwiesen.
In 12 Dörfern sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Kleintierzucht in 5 Dörfern (Hühner, Ziegen, Schweine)
  • Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion (Vergrößerung der Anbauflächen, künstliche Bewässerung)
  • Bienenzucht
  • Anbau und Verarbeitung von Zuckerrohr
  • Zucht von Lasttieren (Esel und Maulesel)
  • Anbau eines Nähraumes an das Mädcheninternat "Friedrich Harkort"
  • Installation einer Fotovoltaikanlage im Jungeninternat in Buenos Aires
  • Trinkwasserversorgung
  • Umbau eines Lagerhauses in eine Herberge

Bei allen Maßnahmen sind die Dorfbewohner in die Vorbereitung und Durchführung eingebunden, damit die Projekte nach Abschluss der Arbeiten zukunftsfähig sind.

"Local Düsseldorf"

In den Monaten Januar/Februar wurde in Buenos Aires ein 10x10 Meter großes Gebäude für rund 16.000.-€ gebaut, wobei uns das Land NW einen Zuschuss von 7.600.-€ gewährt hat.

In dem Gebäude sind untergebracht: ein Lager für trockene Feldfrüchte, ein Eisenwarenladen, ein Lebensmittelladen sowie eine Metzgerei (Kleintiere).

Lagerraum und Läden gehören nicht Einzelpersonen, sondern werden von Personengruppen organisiert, die einen gewissen Gewinn erwirtschaften, aber vor allem dafür zu sorgen haben, dass sich ein Handel mit Produkten der Region entwickelt und die Bauernfamilien diese Produkte wie auch die in der Stadt gekauften (Eisenwaren) preiswert erwerben können. Zweitägige Fußmärsche zum Einkaufen nach Sta. Fé, dem nächstgelegenen größeren Ort, gehören damit weitgehend der Vergangenheit an.

Einnahmen und Ausgaben 2003
  Einnahmen EUR
Ausgaben EUR
Spenden Panamalauf 24.808,31  
sonstige Spenden und Zuwendungen nach §153 StP0 19.689,49  
Grußkarten 2.298,95  
Stadt Herdecke – Landeszuweisung 725,25  
Kollekten 554,74  
Handarbeiten aus Guatemala (Frauen-Cooperative) 277,20  
Land NW – Landesinst. f. Qualifizierung 7.609,70  
Land NW – InWEnt (Zuwendung f. Öffentlichk.arbeit) 510,00  
Sonstiges 1032,66  
  57.506,30  
Projekte in Panama   61.309,70
Guatemala: Weberei-Projekt   400,00
Bücher für Schulen/Internate in Panama   789,00
Ekuador: Unterstützung einer Aktion   100,00
Büroausgaben und Öffentlichkeitsarbeit   4.811,31
Versicherung   119,62
Kontoführung SPK Herdecke   76,68
Sonstiges   134,95
    67.741,26

Unkosten in Höhe von 2.535,67 € wurden vom Vorstand des Vereins getragen.
Ein erheblicher Teil der Bürokosten (Postgebühren, Druck, Buttons, Fotos etc.) wurde durch zweckgebundene Spenden beglichen.
Die Gesamteinnahmen des DWK Panama bis Ende 2004: 674.537,- €
Für rund 2.300.-€ wurden im Jahr 2004 Waren aus dem "fairen Handel" verkauft.

Wasser - das "Blaue Gold"

Wenn in Deutschland das Thema Wasser in den Schlagzeilen der Medien auftaucht, geht es entweder um Hochwasser oder die Preise für Trinkwasser, die stetig wachsen, nicht weil es zu wenig Wasser gibt, sondern weil die Trinkwasseraufbereitung immer teurer wird. Daran ist nicht nur die Industrie schuld, sondern u.a.auch die Landwirtschaft und unser unbekümmerter Umgang mit allen möglichen Materialien, die wir in der Natur oder über die Toilettenspülung entsorgen.

In Panama gibt es eine Regenzeit und eine Trockenperiode, von der die Landwirtschaft stark betroffen ist. Wenn es nicht rechtzeitig oder nicht lang genug regnet (Phänomen "Niño" u.a.), drohen große Ernteausfälle, was gerade für die Kleinbauern katastrophale Auswirkungen hat. Bei ihnen geht es dabei oft um die nackte Existenz. Deshalb berichten wir immer wieder über unsere Finanzierung von Rohrleitungen, über die während des ganzen Jahres ausreichend Wasser zu den Feldern transportiert wird. Trinkwasser gibt es in den ländlichen Regionen oft nur in großer Entfernung von den Dörfern und in minderer Qualität. Auch hier versuchen wir immer wieder zu helfen, indem wir Baumaterialien für die Leitungen finanzieren.

In den Entwicklungsländern hat rund eine Milliarde Menschen kein sauberes Trinkwasser. Nach Angaben von UNICEF sterben deshalb allein täglich 4.000 Kinder. In den letzten 15 Jahren stieg der Anteil der Menschen, die in Asien Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, von 71% auf 84 %. Aber allein in China müssen noch 288 Millionen Menschen ohne sauberes Trinkwasser auskommen. Die UN hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Menschen ohne sauberes Trinkwasser bis 2015 um die Hälfte zu reduzieren. Dafür wären jährlich 20 Milliarden Dollar notwendig. Es darf bezweifelt werden, dass dieses Geld von den reichen Ländern zur Verfügung gestellt wird. Für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die Versorgung der Länder des Südens mit sauberem Trinkwasser eine hohe Priorität. Deutschland stellt jährlich einen Betrag von 350 Millionen € zur Verfügung und gehört damit zu den größten Geberländern. Ihre Aktivitäten müssen allerdings auch durch Aktivitäten in den Entwicklungsländern selbst ergänzt werden.

Wenn wir in Deutschland Wasser sparen, tun wir das mit Rücksicht auf unseren Geldbeutel. Den Ländern mit einer großen Wassernot helfen wir damit nicht. Allerdings weist Hans-Jürgen Leist von der Forschungsstelle für Recht. Ökonomie und Umwelt an der Universität Hannover auf den Zusammenhang zwischen dem großen Energieverbrauch im Norden und der Wasserknappheit im Süden hin. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe heize den Treibhauseffekt an, der wiederum den Wasserkreislauf störe. In Deutschland werde unglaublich viel Energie verschwendet - allein durch den Stand-by-Betrieb von Elektrogeräten mehrere Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr.

Kampf um Wasser

Afrika ist ein unruhiger Kontinent. Die Konflikte in einer Reihe von Ländern reißen nicht ab. Oft haben sie ethnische oder religiöse Gründe. Aber sie überdecken vielerorts - vor allem in Ostafrika und der Sahelzone - die Tatsache, dass den kriegerischen Auseinandersetzungen oft der Wassermangel zu Grunde liegt. Die Wüstenbildung breitet sich aus, Flüsse und Seen trocknen aus, die Bodenerosion schreitet nimmt immer größere Ausmaße an. Die noch vorhandenen Wälder werden weiterhin zerstört. Die Bevölkerung wächst und kämpft um Wasserstellen und Weideland. Bauern kämpfen gegen Viehzüchter.


Unser Trinkwasserprojekt in LOS REYES (Feb. 2005)
Kommerzialisierung und Privatisierung

Bei uns in Deutschland wurde vor einigen Jahren der Strommarkt privatisiert. Man hoffte durch einen Wettbewerb der Stromanbieter die Strompreise senken zu können. Das Gegenteil ist eingetreten. Schuld daran ist der sehr hohe Preis, den Stromanbieter für die Durchleitung ihres Stroms durch fremde Stromnetze bezahlen müssen. So hält man sich die Konkurrenz vom Hals.

Die Privatisierung der Wasserversorgung steht in Deutschland zur Zeit nicht zur Diskussion. Aber wer weiß wie lange. "Der Staat ist ein schlechter Unternehmer, Private sind besser und billiger", wird stereotyp behauptet. Die großen Konzerne stehen bereit, das Geschäft mit dem "blauen Gold" zu übernehmen. Manche Kommune würde ihr Wasserwerk gern verkaufen, um einmalige Einnahmen zu erzielen und von kostspieligen Investitionen befreit zu werden. Aber die Erfahrung in anderen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien lehrt, dass nach der Privatisierung die Preise kräftig steigen und notwendige Investitionen unterbleiben. Man will und muss schließlich Gewinn machen für die Aktionäre zu Hause und in anderen Ländern.

Weil es für die Konzerne noch schwierig ist, im eigenen Land in das Wassergeschäft einzusteigen, versuchen sie, dieses Geschäft in den Schwellenländern (Entwicklungsländer mit einer gewissen Wirtschaftskraft) voran zu treiben.

Die Welthandelsorganisation (WHO) und der Internationale Währungsfond (IWF) haben diese Vorhaben seit Beginn der neunziger Jahre unterstützt. Die Vorstellung: Wenn kostendeckend gearbeitet wird, führt dies zu sparsamem Umgang mit dem Wasser, so dass die Wasserwerke ohne ständige Zuschüsse arbeiten und investieren können. Der größte Kostenfaktor bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ist allerdings das Leitungsnetz (Bau und Reparatur). Die Verbraucher bezahlen dann mit ihren Gebühren nicht nur das Wasser selbst, sondern auch die Kreditkosten für die Investitionen. Die Wasserkosten werden so, vor allem in armen Stadtvierteln, unbezahlbar.

Beipiel Cochabamba in Bolivien

Auf Drängen der Weltbank wurde die Wasserversorgung von dem US-Unternehmen Bechtel übernommen.Es kam zu drastischen Preiserhöhungen und im Gefolge im Jahr 2000 zu einem Massenaufstand mit Toten und Verletzten. Die staatlichen Stellen sahen sich genötigt, den Vertrag mit Bechtel zu kündigen und sahen sich dann hohen Schadenersatzforderungen gegenüber.

Beispiel Manila

1997 wurde der Wasserversorger der philippinischen Hauptstadt (15 Millionen Einwohner) mit der Beratung durch die Weltbank privatisiert. Zwei Unternehmen mit internationaler Beteiligung erhielten für je eine Hälfte der Stadt eine Konzession für 25 Jahre. Die beiden Konzerne hatten die billigsten Preise versprochen. Der vertraglich garantierte Gewinn und die vereinbarten Investitionen waren in die Preise eingerechnet.
Es erwies sich, dass die Firmen zuviel versprochen hatten. Sie investierten weniger als versprochen. Die Wasserverluste (53% vor der Privatisierung) stiegen in einem Projekt noch weiter an und wurden in dem anderen Projekt weniger reduziert als zugesagt.. Der Anreiz bei ihnen zum Sparen war gering, da sie das Wasser kostenlos erhielten.
Die philippinische Währung verfiel und die Wassereinnahmen waren in harter Währung weniger wert. Die Folge: Die Wasserverbraucher mussten höhere Preise bezahlen - fünf Jahre nach der Privatisierung waren sie doppelt so hoch wie vorher.

Die drei größten Wasserkonzerne der Welt haben ihren Sitz in Europa: Vivendi/Violia und Suez/Ondeo in Frankreich sowie RWE in Deutschland (mit Geschäftsfeldern in den USA und Großbritannien).
(SZ, Dritte-Welt-Information Stuttgart)

Panameische Küche (2)

Bohnensuppe

Zutaten:

½ Pfund rote Bohnen 2 Knoblauchzehen
2 Tomaten 1 grüne Kochbanane
1 große Zwiebel 1 Würfel Hühnerbrühe
Salz

Zubereitung:

Die Bohnen am Abend vorher in reichlich Wasser einweichen. Wasser abgießen und frisches Wasser, abgezogene Tomaten, kleingehackte Zwiebel, Knoblauch und Brühwürfel hinzufügen und etwa 1 Stunde köcheln lassen, bis die Bohnen weich sind. Am Schluss salzen.
Die Bohnen pürieren und das Einweichwasser der Bohnen dazugeben. Mit grobem Sieb durchsieben. Die Banane in schmale Stücke schneiden, frittieren und in der Suppe durchweichen lassen. Heiß servieren.

Kurzinformationen
Am 13. April habe ich vor einer Mittelstufenklasse der Rudolf-Steiner-Schule in Dortmund über die Arbeit unseres Vereins gesprochen. Die Klasse nimmt an unserer Aktion teil.
Der Panama-Lauf findet dieses Jahr am ( 30. Juni und) 1. Juli statt. Wir erwarten wieder 16 Schulen aus Herdecke, Wetter, Hagen und Dortmund.
Mit den Einnahmen soll eine vier Hektar große Kaffee-Plantage (organisch-biologischer Anbau) bei dem Ort El Salto in der Nähe von Sta. Fé angelegt werden. Die campesinos dieser Gegend sind besonders arm.
Mit unserer Aktion wollen wir auch gezielt (Plakate und Laufzettel) auf den Handel mit "fair gehandeltem Kaffee" aufmerksam machen. Die Kaffeebauern verkaufen ihren Kaffee an eine Genossenschaft, von der die deutsche Organisation EL PUENTE Kaffee bezieht und ihn in Deutschland rösten lässt. Der Café de Panamá ist von hervorragender Qualität und ist bei folgenden Stellen zu kaufen:

Herdecke

Schokolädchen
Bäckerei Lückel (Kirchende)
Krankenhaus
Apotheke zur Post (auch Honig, Schokolade)
Bismarck-Apotheke
Heißmangel Sickmann (auch Honig)

Wetter

Fleischerei P. Bilstein (auch Honig)
Hobbyhaus (auch Honig)

Am Elternsprechtag der Friedrich-Harkort-Schule (3./4. Mai) wurden Dritte-Welt-Waren aus dem "fairen Handel" im Wert von 302.50 € verkauft.

Wir danken herzlich Frau Lehmann und Herrn Mertmann für die Herstellung von 2.000 Buttons für den Panama-Lauf. Ein besonderer Dank gilt auch unserem Kassierer, Herrn R. Winkler und Steffen Dickehage, der unsere Webseite vorbildlich betreut.

Die Katastrophe steht nicht bevor. Dass es so weitergeht, ist die Katastrophe.

(Walter Benjamin)

Unser aktuelles Projekt

Eine Frauengruppe in Sta. Fé besitzt eine Reisschälmaschine , aber keinen Raum für die Aufbe-wahrung der Maschine und die Lagerung von (geschältem) Reis. Wir möchten ein entsprechendes kleines Häuschen finanzieren. Kosten: 4.200,-€

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

V.i.S.d.P.: Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke

"DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 83: 5.300