Panama Info
Nr. 84                  November 2005

Eine Grundschulgruppe vor dem Abmarsch beim Panama-Lauf

16 Schulen aus Herdecke, Wetter, Hagen und Dortmund haben am Panama-Lauf am 29. Juni/ 1. Juli teilgenommen. Das Wetter war freundlich, die Zahl der laufbereiten Schüler/innen sehr groß. Es waren wohl wieder weit über 2.000 Teilnehmer. Rund 22,000.00 € wurden uns im Rahmen der Aktion auf unser Konto überwiesen. Eine große Grundschule erwanderte 2.960.-€.

Die Stiftung HECTOR GALLEGO hat uns die einzelnen Arbeiten bei der Anlage der Kaffeepflanzung in El Salto erläutert, die mit den Einnahmen des Panama-Laufes finanziert wurde:

  1. Säuberung des Buschgeländes von Gestrüpp und Unkräutern mit der Machete. Schatten spendende Bäume und Büsche bleiben stehen.
  2. Ausmessen des Bodengefälles mit einem sehr einfachen Gerät (Aparato A), das von den campesinos selbst hergestellt wird: Zwei etwa 2 Meter lange Latten werden in einem Winkel von 45° zusammengeschraubt. In der Mitte des Winkels sind die beiden Latten mit einem Querholz verbunden, an dem ein Lot hängt.
    Es werden die Bodenhöhen erfasst, damit entsprechende (im vorliegenden Fall alle 10 Meter) Gräben im Boden angelegt werden können, um das Regenwasser am schnellen Abfluss über den bepflanzten Boden zu hindern und damit der Bodenerosion vorzubeugen. Es werden aber auch Befestigungen angelegt, die aus gepflanztem Buschwerk (mit breitem Blattmaterial) oder "totem" Material (Steinen, Stöcken, abgestorbenen Pflanzen) bestehen.
  1. Festlegung der Entfernung der Pflanzreihen und der Abstände zwischen den einzelnen Pflanzen mit einem 2 Meter langen Holzwinkel
  2. Ausheben der Pflanzlöcher (20 cm tief, 60cm Durchmesser)
  3. Düngung des Pflanzloches mit organischem Dünger
  4. Setzen der Kaffeepflanzen. Sie sind 6 Monate alt und kommen in Plastiksäckchen aus Anzuchtstationen. Es wurden 7.880 Setzlinge gepflanzt.

Natürlich kann man nach der Pflanzung nicht die Hände in den Schoß legen und darauf warten, dass der Kaffee zwei bis drei Jahre später geerntet werden kann. Immer wieder muss das Feld von Unkraut freigehalten, müssen die Wassergräben gesäubert, die Befestigungen nachgesehen und die Pflanzen neu gedüngt werden.

Projekt in der Region Buenos Aires

Unser Projekt mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kommt planmäßig voran. Ende September erhielt unser Partner Cepas die zweite Zuwendung in Höhe von 16.588,80 €.
In der ersten Projektphase von April bis August wurden nach einer entsprechenden theoretisch-praktischen Vorbereitung der Projektteilnehmer folgende Arbeiten durchgeführt:
Bau der Fotovoltaikanlage im Jungen-Internat in Buenos Aires (Foto).

In 10 Dörfern: Anlage von Gemüsefeldern
In 4 Dörfern: Bau einer Bewässerungsanlage
In 2 Dörfern: Pflanzung von (Frucht)Bäumen
In 1 Dorf: Bau einer Zuckerrohrmühle
In 8 Dörfern: Tierzuchtprojekte (Hühner, Schweine, Ziegen, Milchkühe, Fische)
In 3 Dörfern: Trinkwasseranlagen

Die Baumaterialien (Sand, Kies, Holz) haben die campesinos, soweit möglich, aus der Umgebung ihrer Dörfer herbeigeschafft (Fluss, Buschwald). Die anderen Baumaterialien (Wasserrohre, Tanks, Zement, Stacheldraht etc) mussten in dem sehr schwierigen Gelände bis zu einer bestimmten Stelle mit kleinen Lastwagen transportiert werden, von wo sie die Familien auf dem Rücken zu ihren Dörfern getragen haben - oft mehrere Stunden lang.
Aus den uns zugegangenen Berichten haben wir viel Neues erfahren. So wussten wir zum Beispiel nicht, dass bei Kompostierungsanlagen "kalifornische Würmer" eingesetzt werden. Der Dünger "Bocachi" setzt sich aus folgenden Elementen zusammen: Kalk, Knochenmehl, schwarzer Erde, Melasse (Abfallprodukt bei der Zuckerherstellung aus Zuckerrohr), Asche und Hühnermist. Möhren werden in Veraguas nicht nur ausgesät, sondern auch gepflanzt.


Trinkwasserentnahme bei der im Bau befindlichen Trinkwasserversorgung in LOS GONZALEZ
Finanzierung einer Fotovoltaikanlage in
Buenos Aires durch die Deutsche Botschaft in Panama
Im September haben Herr Jüngel von der deutschen Botschaft in Panama, seine Frau und Frau Oster, eine Praktikantin an der Botschaft, Buenos Aires besucht. Cepas hatte die Botschaft über uns um die Finanzierung einer Fotovoltaikanlage für das "Local Dusseldorf" gebeten. Die Botschaft hat uns freundlicherweise folgenden Bericht von Frau Oster zur Verfügung gestellt:
Projektbeschreibung:
Bei dem vorgeschlagenen Projekt handelt es sich um ein Versorgungszentrum in Buenos Aires de Ñurum, das ca. 80 km nördlich von Santiago/ Veraguas liegt.
Der Ort Buenos Aires ist von einem Abzweig der Panamericana über eine schlechte Schotterpiste nach zweieinhalb Stunden Fahrt zu erreichen. BA ist der Hauptort des Landkreises Ngobe Buglé; umliegende Dörfer sind ab hier nur noch zu Fuß erreichbar. Dadurch hat BA die Funktion eines Zentrums, wo zumindest die zur Deckung der menschlichen Grundbedürfnisse nötigen Institutionen vorhanden sind.
Aus staatlicher Finanzierung stammen immerhin die Dorfverwaltung, die Schule und das Gesundheitszentrum. Durch ein Hilfsprojekt von Adveniat konnten ein Missionszentrum und ein Schülerinternat aufgebaut werden, in dem der Padre Niscasio Miranda lebt und arbeitet. Er ist der örtliche Koordinationspartner der NGO CEPAS, die zur Realisierung weiterer Projekte maßgeblich beigetragen hat. CEPAS arbeitet eng mit dem Dritte-Welt-Kreis-Panama zusammen.
Durch die finanzielle Unterstützung des Dritten- Welt- Kreises- Panama gibt es heute in Buenos Aires u.a. ein Mädcheninternat, eine Bäckerei und das Vorrats- und Aufkaufzentrum „Local Duesseldorf“.
Das Vorratszentrum stellt einen kleinen Laden dar, der sowohl Lebensmittel als auch kleine Mengen an Kunsthandwerk anbietet. Die Bauern aus den entlegenen Gemeinden kommen meist zu Fuß oder zu Pferd hierher, um ihre Waren gegen andere Artikel oder Lebensmittel zu tauschen. Damit wird das Zentrum zu einer Art Versorgungszentrum des gesamten Landkreises und spielt eine enorm wichtige Rolle.
Das der deutschen Botschaft zur Förderung vorgeschlagene Projekt in Buenos Aires de Ñurum ist eine Solarstrom-Anlage für dieses Versorgungszentrum. Die dadurch gewonnene Solarenergie soll dem Laden den für die Tiefkühltruhe nötigen Strom zur Verfügung stellen. Es werden 8 Solarzellen benötigt, die auf dem Dach des Hauses angebracht werden sollen. Die Tiefkühltruhe bietet dem Versorgungszentrum die Möglichkeit, frische Lebensmittel zu konservieren, vor allem ist an Hühnchenfleisch gedacht.
Leiter des Projektes ist ein Vertreter der panamaischen NGO CEPAS, Luis A. Batista, der durch langjährige Zusammenarbeit mit dem Pfarrer über die nötigen Kontakte verfügt.
Die anfallenden Kosten belaufen sich laut Kostenvoranschlag auf rund 7.000.- Euro.
Bewertung:
Das Projekt macht einen sehr sinnvollen Eindruck.
Bei der Benutzung von Solarenergie handelt es sich um saubere, erneuerbare Energie, die keine weiteren anfallenden Kosten mit sich trägt und das Zentrum langfristig mit Energie versorgt. Ebenso ist die Funktion der Tiefkühltruhe sehr sinnvoll, da hiermit eine bessere Ernährungsversorgung der Bevölkerung garantiert werden kann.
Das Projekt wird helfen, die minimalsten Bedürfnisse wie Ernährung der Anwohner zu vereinfachen.
Tuberkuloseausbruch bei den Ngöbe/Buglé
Schon im vergangenen Jahr gab es in der Comarca Ngöbe/Buglé 103 Fälle von Tuberkulose. Im Juli wurden 250 Fälle entdeckt.
Die Monate April bis August sind bei den campesinos die Zeit des Säens, in der sie die Feldfrüchte der letzten Ernte weitgehend verbraucht haben. Hunger und Unterernährung sind die Folge, aber auch stark vermehrt Durchfallerkrankungen, Infektionen der Luftwege und eben auch Tuberkulose.
Um eine Tuberkulose-Epidemie zu verhindern, hat das Gesundheitsministerium, unterstützt von der Weltgesundheitsorganisation, Ärzteteams in das von extremer Armut betroffene Gebiet geschickt, da in der Comarca selbst nur sehr wenige Ärzte praktizieren.
Die gesundheitliche Situation der Bevölkerung lässt sich aber nur grundsätzlich verbessern, wenn sie nicht hungern muss und mit sauberem Trinkwasser versorgt wird.
Die Regierung hat ein Hilfsprogramm aufgelegt, das in den entsprechenden Regionen den Hunger und die Mangelernährung beseitigen soll. Das Programm erstreckt sich auf rund 21.000 Kinder zwischen sechs und 36 Monaten. Aber die anderen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen leiden nicht weniger als die Kleinkinder an Unterernährung und ihren Folgen.
Der Dritte-Welt-Kreis Panama fördert seit seinen Anfängen Trinkwasser- und landwirtschaftliche Projekte, die allen Bevölkerungsgruppen zugute kommen.

Aus der Provinz CHIRIQUÍ wurden bis Mitte September 780 Fälle von Dengué-Fieber festgestellt. Diese von Moskitos übertragene Krankheit ist sehr gefährlich und kann tödlich verlaufen. Die Moskitos verbreiten sich vor allem dort, wo Abfälle herumliegen und in stehendem Wasser. Bei den von uns finanzierten Bewässerungs- und Trinkwasserleitungen wird deshalb besonderer Wert darauf gelegt, dass keine Pfützen entstehen können.


Wassertanks für GUAYABITO
Kurzinformationen
  • In den Monaten Mai/Juni haben wir mit Ausstellungen unsere Arbeit im Landgericht Hagen und in der Sparkasse Hagen-Boelerheide vorgestellt.
  • m August haben wir zwei Aktionen von amnesty international ("Briefe gegen das Vergessen") unterstützt.
    In dem einen Fall ging es um Riyad Sadi 'Abd al-Hamid aus Gaza-Stadt, der im Januar 2002 von israelischen Soldaten festgenommen wurde, ohne dass bisher spezifische Anschuldigungen gegen ihn vorgebracht oder eine Anklage gegen ihn erhoben wurde.
    In dem anderen Fall ging es um Murat Kurnaz, der von den US-Behörden in Guantánamo Bay festgehalten wird. Er hat für Deutschland eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, die nach Meinung des Bremer Innensenators erloschen ist, da er sich über ein halbes Jahr im "Ausland" aufgehalten habe. Offensichtlich besteht keine Grundlage für die Inhaftierung von Murat Kurnaz in dem amerikanischen Stützpunkt.
  • Ulrike Herrlich und Vanessa Gaffron studieren Sozialwissenschaften in Bochum. Im Rahmen eines Seminars über Entwicklungspolitik mussten sie eine Arbeit über eine deutsche Entwicklungshilfeorganisation schreiben. Sie entschieden sich für unseren Panama-Kreis und haben mich am 10. August interviewt. Ihre Arbeit wollen sie uns zur Verfügung stellen.
  • Die Grill-Saison ist vorbei. Wenn Sie im kommenden Jahr Grillkohle kaufen, denken sie daran, kein Produkt zu kaufen, das mit der Abholzung großer Waldflächen einhergeht. Grillkohle aus nachhaltiger Landwirtschaft hat ein FSC-Zertifik at. Ich habe sie bei Aldi gesehen.
  • Die eine oder andere unserer Aktionen erweist sich als wenig erfolgreich. Im Panama-Info Nr. 82 haben wir unsere Leser gebeten, uns ihr aufbewahrtes Zahngold für unsere Projektarbeit zur Verfügung zu stellen. Das Echo auf unseren Aufruf war sehr mäßig. Neun Personen haben uns Zahngold überlassen. Außerdem die Zahnarztpraxis Prof. Cichon/Crawford in Borken. Wir haben alle Zahnärzte in Herdecke, Wetter und Hagen angeschrieben und sie auf unsere Aktion aufmerksam gemacht. Gemeldet hat sich von allen niemand. Da wir aber für das eingesammelte Zahngold immerhin 271.70 € erhalten haben, werden wir die Sammelaktion weiterführen.
    Am Tag vor Redaktionsschluss brachte uns eine Dame eine kleine Handvoll Zahngold. Sie wollte es uns vor ihrem Umzug schenken. Vielleicht meldet sich noch jemand, der sich von seinem Zahngold trennen möchte.
  • Wer weiß, wer Spanntücher (Hinweis auf den Panama-Lauf) herstellen beziehungsweise wo man sie bestellen kann?
  • Gesucht wird jemand, der einen Teil unseres Bildmaterials (vor allem Dias/Fotos) einscannen und auf einer DVD speichern kann, damit wir es bei Vorträgen mit einem Laptop zeigen können.
  • In einigen Wochen beginnt wieder der jährliche Grußkarten-Verkauf, an dem sich dankenswerterweise wieder zahlreiche Schulen beteiligen. Die Karten kosten nach wie vor 1.-€. Das ist mehr, als ein campesino als Tagelöhner pro Stunde auf den großen landwirtschaftlichen Gütern verdient. Alle Kartenmotive stehen auf unserer Webseite.
  • Beim "5. Herdecker Seifenkistenrennen" wurde wieder ein Einrad amerikanisch versteigert. Von dem Erlös erhielt der Panama-Kreis 200.-€.
  • Yannick Torgonski und Tim Felten aus der Jahrgangsstufe 11 der Friedrich-Harkort-Schule wollen in den Osterferien zu unserem Projekt in Buenos Aires reisen, um dort bei Bauprojekten und auf den Feldern zu arbeiten. P. Niscasio Miranda freut sich schon darauf, sie Anfang des kommenden Jahres begrüßen zu dürfen.
  • Sina Egerer ist mit ihrer Familie seit ihrer Kindheit dem Panama-Kreis verbunden. Sie studiert jetzt Geographie und Stadtentwicklung. Im Februar wird sie mich auf einer Projektreise nach Panama begleiten.

Verkaufstellen für Café de Panamá:

Herdecke:
Schokolädchen, Bäckerei Lückel in Kirchende, Apotheke zur Post (auch Honig, Schokolade), Sonnen-Apotheke (auch Honig), Bismarck-Apotheke, Der Kopierladen (auch Honig), Milú, Heißmangel Sickmann (auch Honig)

Wetter:
Fleischerei Bilstein/Volmarstein (auch Honig), Fleischerei Schröder/Schmandbruch, Landhaus Wengern, Hobbyhaus (auch Honig), Elli Frischmarkt

Das Lehrerkollegium der Schraberg-Grundschule hat sich entschlossen, in der Schule nur noch Café de Panamá zu trinken. Ein Beispiel, das Schule machen könnte.

Frau Aust von der Hauptstraße in Herdecke wird alle sechs Wochen frei Haus mit 1 ½ kg Kaffee beliefert.

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

V.i.S.d.P.: Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke

"DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 84: 5.200