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| Panama Info Nr. 85 Mai 2006 |
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| CALIDONIA (Demetrio Herrera Sevillano, 1902-1950, Panama) | ||
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(Calidonia ist der Name eines Stadtviertels in der Nähe der Plaza 5 de mayo mit vornehmlich armen afro-karibischen Bewohnern, die in zweistöckigen Holzhäusern wohnen, von denen etliche unbewohnt und von einem unmittelbaren Einsturz bedroht sind. In dem Viertel bricht alle paar Wochen ein Feuer aus. Die Vorfahren der Bewohner waren beim Bau des Panama-Kanals beteiligt.) In der Hauptstadt braucht man keinen Wecker. Das wird mir wieder bewusst, als Sina Egerer und ich am 19. Februar, dem ersten Tag unseres Aufenthaltes in Panama, vom Dröhnen und Brüllen der Busse mit den unförmigen Schnauzen geweckt werden. Im Sekunden-Takt fahren die Busse unterhalb des Hotelfensters vorbei. Neben den privaten PKWs und den zahlreichen, sehr preiswerten Taxis – der weiteste Weg in der Stadt kostet etwa 2.-$- sind die Busse das einzige Verkehrsmittel. Der Dichter Sevillano beschreibt in seinem Gedicht das Verkehrschaos vor 50 Jahren. Die Flut der Fahrzeuge und Passanten dürfte heute um ein Vielfaches größer und die Luft trotz der Nähe des Meeres viel verpesteter sein. Natürlich gibt es Verkehrsampeln und Verkehrsregeln, aber sie werden nicht so ernst genommen. Es gibt eine Straße, in der alle Autos inklusive der Polizeiautos - aus welchen Gründen auch immer – grundsätzlich links fahren. Und niemand schimpft im Verkehr. Der Umgangston ist betont freundlich. Die ältere Taxifahrerin, die eine junge Frau nach dem Weg fragt, bedankt sich mit „Danke, Mami“. Und die junge Frau lächelt zurück. | ||
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Unsere Reise führt uns in erster Linie zu den vom BMZ mitfinanzierten Projekten in 12 Dörfern in der Region Buenos Aires (Reservat der bugle/ngobe). Als wir im Ort Buenos Aires ankommen, hören wir zufällig, dass es im letzten Jahr etwa 100 Malaria-Fälle gegeben habe. Die Malaria schien in dieser Gegend durch die Verwendung von DDT seit Jahrzehnten ausgerottet zu sein. Als man DDT als sehr gefährlich für den Menschen erkannte, wurde es nicht mehr eingesetzt. Jetzt breitet sich die Malaria wieder aus, und es gibt keine vorbeugenden, wirksamen Medikamente. Um sich der Gefahr einer Ansteckung nicht auszusetzen, entschließt sich meine Begleiterin Sina mit unserem Fahrer wieder nach Santiago zurückzufahren, wenn auch die Ansteckungsgefahr vor allem in den höher gelegenen feuchten Waldgebieten und in der im Mai beginnenden Regenzeit besteht. Auf unserer Fahrt nach Buenos Aires im Jeep kommen wir nur langsam voran. Die „Straße“ hat keinerlei Befestigung und besteht aus Geröll und Felsgestein. Unser Fahrer Juan kennt diese Wege gut und bringt uns sicher zunächst nach Barrigón. Das Dorf hat Hilfe für ein Hühnerzucht-Projekt erhalten. 48 Masthühner konnten zu einem guten Preis verkauft werden. Man wartet auf die Lieferung neuer Küken. Das Dorf bekam auch 5 Bienenvölker. Zunächst waren die mit dem Bienenzucht-Projekt befassten campesinos sehr zurückhaltend, was die Beschäftigung mit Bienen angeht. Hierbei muss man wissen, dass einmal die Bienenzucht noch wenig verbreitet ist und man außerdem nur mit der von Afrika eingewanderten „Killerbiene“ arbeitet, die die auch bei uns vornehmlich gezüchteten Bienen völlig verdrängt hat. Die „Killerbienen“ sind in der Tat recht aggressiv, sammeln aber auch deutlich mehr Honig. 10 Bienenkörbe für die Aufnahme weiterer Bienenvölker sind bereits fertig. Wir sind zum Essen eingeladen. Und was gibt es? Wie meistens bei Einladungen Sancocho, eine Hühnersuppe mit Hühnerfleisch, Yuka (Knollenfrucht) ... und viel frischem Koriander, den Sina und ich als sehr gewöhnungsbedürftig empfinden. Zucker ist ein Lebensmittel, das sich die meisten Familien in der Region nicht leisten können. Ich kann mich noch gut an einen früheren Besuch in einem Dorf erinnern, wo man mir eine Tasse Kaffee anbot. Als ich um etwas Zucker bat, stellte ich fest, dass man keinen Zucker hatte. Drei Dörfer erhielten im letzten Jahr Zuckerrohrmühlen, zwei aus Holz und eine aus Metall. Die Mühlen aus Holz seien besser als die aus Metall, sagen die Bauern. Sie rosten nicht und können von ihnen selbst repariert werden. Bei Loma Alta wird uns eins dieser Geräte vorgeführt. Einzelne von Blättern befreite Zuckerrohrstangen werden in die Mühle eingeführt, die von einem im Kreis gehenden Pferd in Betrieb gesetzt wird. Der Saft wird aufgefangen und in einem großen Topf über einem Feuer eingedickt. Die Masse wird in Vertiefungen in einem dicken Brett gefüllt. Nach wenigen Tagen werden die etwa 10 cm großen Zuckerkuchen („panela“) herausgelöst. Jeweils zwei werden aufeinander gelegt, mit Bananenblättern und Bast umwickelt und so aufbewahrt – oder verkauft. Manchmal werden der Zuckerrohrmasse noch Kokosflocken hinzugefügt, um einen besonderen Geschmack zu erzielen („raspadura“). | ||
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Als nächstes machen wir in Virigua Halt. Hier weiden 3 Maulesel und 3 Pferde. Die Pferde sollen hier gezüchtet werden und wie die „mulas“ den umliegenden Dörfern als Tragtiere zur Verfügung stehen. Beim Bau der Wasserleitungen haben die Bauern die Baumaterialien bis zu 7 Stunden auf dem Rücken transportiert. Die Tragtiere werden eine große Erleichterung bringen. Am Abend vor Aschermittwoch werden wir in Buenos Aires erwartet. Nunmehr bin ich einige Tage allein – ohne Sina. Padre Niscasio, der indigene Priester und tatkräftige Förderer der Projekte, hat die Aktivitäten für die kommenden Tage gut geplant und bespricht mit mir die Besuche bei den Projekten, von denen einige (Fotovoltaikanlage für das Jungen-Internat, Trinkwasserversorgung, Hühner-, Schweine- und Ziegenzucht) in Buenos Aires selbst durchgeführt wurden. Am Aschermittwochabend findet ein großes Treffen statt, mit Vertretern aller 12 Dörfer, die an Projekten beteiligt waren. Männer, Kinder und Frauen in ihren malerischen bunten Kleidern („naguas“) sind bis zu 7 Stunden zu Fuß unterwegs gewesen. Sie werden in den beiden Schülerheimen übernachten (Ferienzeit) und am anderen Morgen in ihre Dörfer zurückkehren. Zögerlich – die ngobe/bugle sind sehr zurückhaltend – berichten sie von den positiven Veränderungen ihrer Lebenssituation im letzten Jahr. Sie haben mehr zu essen, ihre Nahrung ist vielfältiger, sie haben sauberes Trinkwasser und außerdem erwirtschaften sie noch Einnahmen, wovon vorher kaum die Rede sein konnte. Sie treten nach vorn und bringen mir kleine Geschenke: einen sombrero mit einem bunten Band mit dem typischen indigenen Dreiecksmuster, panela, Armbändchen, kleine Tragetaschen („chácaras“), selbst gezogenes Gemüse – und eine Hängematte in den deutschen Nationalfarben. Umrahmt wird die Veranstaltung mit Musik – auf Trommeln und einer erbärmlichen Violine (!). Weiß der Himmel, wie der campesino an sie geraten ist. Zum Abschluss essen wir gemeinsam Reis mit Linsen und in Öl gebackenen Bananen. Wegen des Aschermittwochs kann das bereits geschlachtete Schwein nicht verzehrt werden. | ||
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„Son uno o dos lomas,“ („es sind ein oder zwei Hügel“) meint Paulino aufmunternd, als wir vor dem Schlafengehen den Fußmarsch nach El Pilón besprechen, um die Gondelbahn einzuweihen, die im letzten Jahr gebaut wurde. Wir brechen nach Tagesanbruch gegen sieben Uhr auf, um die Tageshitze zu vermeiden. Es sind dann tatsächlich vier steile Hügel, die wir hinauf und wieder hinabsteigen müssen. Der Trampelpfad oberhalb des Río Cobre ist etwa 20 cm breit, sehr trocken und rutschig, was in meinem Fall wohl an den uralten Turnschuhen liegt, die ich nur in Panama anziehe (und jetzt entsorgt habe). Da ich immer wieder am Hang abrutsche - eine Wunder, das ich mir keine Bänderzerrung hole - schlägt mir Paulino aus den Büschen einen angespitzten Stock, der tatsächlich sehr hilfreich ist. Die Pfarrer Niscasio und Marco, Mitarbeiter am Projekt und etliche neugierige Kinder aus Buenos Aires begleiten mich. Aus den geplanten 1 ½ Stunden Fußweg werden 2 Stunden, da die Truppe immer wieder auf meine Pausen Rücksicht nehmen muss. Meine Begleiter gehen nicht, sondern scheinen immer im Trapp zu laufen. Auf dem Hinweg nach Pilon trinke ich zwei Liter Wasser. Seit dem 14stündigen Flug nach Panama auf viel zu engen Sitzen habe ich Schmerzen im linken Knie. Die Frauen und Männer in Buenos Aires, die natürliche Medizin herstellen, wussten Rat. Sie gaben mir am Abend vor dem Fußmarsch eine kleine Flasche mit einer braunen Flüssigkeit. Auf der Flasche stand „Gift“. Ich habe mir mit der Flüssigkeit eine Bandage gemacht - und war auf dem Fußmarsch schmerzfrei! Endlich kommt die Seilbahn mit den zwei mächtigen Pfeilern und dem Transportkorb in Sicht. Natürlich muss ich als erster – zur Sicherheit mit zwei starken Männern – in den Korb steigen. Und schon rollt unser Korb auf die andere Flussseite zu. Wir müssen dann allerdings noch kräftig an einem Seil ziehen, bis wir wieder festen Boden unter den Füßen haben. Anschließend machen dann alle Bewohner von Pilón, einschließlich der anfangs ängstlichen Kinder, eine Fahrt über den breiten Fluss. Es müssen noch einige Verbesserungen vorgenommen werden, bevor auch die Kinder allein den Fluss überqueren können. Das Seil, an dem die Gondel hängt, muss strammer gezogen werden. Ein Rad, an dem die Gondel hängt, muss ausgewechselt (aus den USA bestellt) werden. Außerdem ist die Gondel aus Stahl noch zu schwer. Wir schauen uns die Nassreisteiche (verbunden mit Fischzucht) und die neue Bewässerungsanlage an. Dann essen wir unseren Sancocho, bevor wir uns auf den Rückweg machen. P. Niscasio schlägt eine Abkürzung vor. Das heißt, wir müssen durch den steinigen Río Cobre waten, ich bis zur Hüfte, die anderen bis zur Brust im Wasser. Links und rechts passen die Begleiter auf, dass ich nicht ausrutsche. Später müssen wir noch einmal durch den Fluss an einer viel breiteren und deshalb leichter zu durchquerenden Stelle. Plötzlich springen die beiden Pfarrer mit voller Montur an einer tiefen Stelle in den Fluss, um sich abzukühlen und weil sie Spaß an dem Bad haben. Nach einer halben Stunde sind wir wieder in Buenos Aires. In der kurzen Zeit hat die sengende Sonne die Kleidung der Pfarrer wieder getrocknet. In der Nacht schlafe ich so wenig wie in den anderen Nächten. Meistens döse ich vor mich hin und finde das angenehm. Zuweilen, wenn es in den Bergen regnet, kommt ein heftiger Wind auf. | ||
| Panameische Küche (3) | ||
„Reis mit Huhn“ (Hanna Semmerling) 1 Huhn von 3-4 Pfund (oder eine große Hühnerbrust) wird gekocht mit: Alles in Butter(schmalz) braten. Dann hinzufügen: das Hühnerfleisch, 1 TL Sojasoße, ca. ½ Tasse
Hühnerbrühe. Das Ganze 15-20 Minuten köcheln lassen. | ||
| Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur maßlos (Karl Marx) | ||
| Kurzinformationen | ||
Ende letzten Jahres hat sich unser Verein an der Aktion von amnesty international, „Schluss mit der
Straflosigkeit für Gewalt gegen Frauen in El Salvador“ beteiligt.
Am Elternsprechtag an der FHS (24.November) haben Schülerinnen und Schüler mit großem Eifer Waren aus dem „fairen Handel“ verkauft. Der Umsatz betrug 202.20 €. Auch das „Bistro“-Team hat sich beim Verkauf fair gehandelter Produkte engagiert. Auf dem Weihnachtsmarkt in Herdecke verkaufte es Waren im Wert von 180.- €. Am 28. Januar feierte H.H. aus Hagen-Haspe seinen 70. Geburtstag. Er wollte keine Geschenke, sondern bat seine Gäste um eine Spende für die Projektarbeit in Panama. Die schöne Summe von 700.- € konnte er auf unser Konto überweisen. Tim Felten und Yannick Targonski flogen am 1. April zu ihrem dreiwöchigen Arbeitseinsatz in der Region Buenos Aires. Im nächsten Panama-Info werden sie über ihre Erfahrungen berichten. In den Monaten Februar/März fand eine umfangreiche Ausstellung über die Arbeit des Panama- Kreises im Berufsbildungswerk der Volmarsteiner Anstalten statt. Die Ausstellung und ein Gespräch mit Schülern und Lehrern stieß aus so großes Interesse, dass sich eine Schülergruppe spontan entschloss, einen Bazar zugunsten unserer Projektarbeit zu veranstalten. Am 29. März hat mir die Gruppe den stolzen Betrag von 630.- € übergeben. Jetzt führt auch die Bäckerei Homann in Grundschöttel Waren aus dem „fairen Handel“, natürlich auch unseren beliebten Café de Panamá. | ||
| Unser aktuelles Projekt (Panama-Lauf) Bau von Solarkochern und Solarlampen | ||
In vielen Dörfern in Veraguas fehlt es an Holz für die Essenszubereitung. Dort, wo regelmäßig die
Sonne scheint, ist ein Solarkocher eine entsprechende Alternative.
Auf unsere Reise nach Panama haben wir einen SK 14 mitgenommen, der sich bereits in zahlreichen Ländern bewährt hat. Er soll demnächst in Panama selbst hergestellt werden. Nur die beschichteten Reflektorbleche müssen aus Deutschland bezogen werden. In Panama fehlt es in ländlichen Gebieten vielerorts an elektrischem Strom. Sonne gibt es genug. Daher ist für viele Familien eine Solarlampe ein hochinteressantes Produkt. Das Muster einer Solarlampe, die in Deutschland speziell für Entwicklungsländer konstruiert wurde, gehörte im März auch zu unserem Reisegepäck. Ein kleines Photovoltaik-Modul wird auf dem Dach befestigt, erzeugt tagsüber elektrische Energie und speichert sie in den Akkus der Leuchte. Diese Energie kann dann abends in 3-5 Stunden Licht umgesetzt werden. Der Lichtstrom beträgt 80 Lumen, fast das Dreifache einer Petroleumleuchte. Auch diese Solarlampen sollen in Panama hergestellt werden., wobei Leuchtenbauteile sowie Werkzeuge aus Deutschland bezogen werden müssen. In Panama ist der Bau einer Werkstatt geplant, wo die Solarkocher und Solarlampen produziert werden. Unser Partner Cepas wird die Leitung der Werkstatt übernehmen und für den Vertrieb sorgen. Für eine dreiwöchige Schulung der Handwerker stellt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit einen Trainer aus dem Senior Expert Service zur Vergütung. Die Flugkosten übernimmt das BMZ. Der Experte arbeitet ohne Bezahlung. | ||
Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V." V.i.S.d.P.: Paul K. Heer "DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 85: 5.300 | ||