Panama Info
Nr. 90       November 2007

Reisschälen in der Piladora
Tock, tock, tock. Jeden Morgen, wenn es noch dunkel ist und der Rest der Familie noch schläft, stehen in vielen Dörfern Panamas die Mütter vor den doppelkegligen Holztrögen, um mit einem Stampfer die Reisportion für die Mahlzeiten des Tages zu stampfen und die Reiskörner von den Spelzen zu befreien. Die Arbeit dauert eine knappe Stunde und ist so kraftraubend, dass sie im Volksmund in Anlehnung an die Bibel „calvario“ genannt wird. Wenn die Mütter die schwere Arbeit nicht leisten können, lädt sich der Vater – wenn der Weg nicht zu weit ist - einen Sack voll Reis auf die Schulter und trägt ihn kilometerweit zu einer Stelle, wo der Reis für 3 Dollar maschinell geschält wird. Anschließend trägt er den geschälten Reis wieder ins sein Dorf zurück.

Die Reisschälmaschine im Einsatz
Für eine Kooperative in San José hat der Panama-Kreis eine Reisschälmaschine und einen entsprechenden Dieselmotor gekauft, außerdem einen gebrauchten Jeep (8,500.-•). Von San José aus wird die Reisschälmaschine während der ganzen Woche in die entlegenen Dörfer gefahren, damit der Reis vor Ort geschält werden kann. Die Georg-Kraus-Stiftung in Hagen hat dankenswerterweise den größten Teil der Finanzierung übernommen. Die Reisbauern zahlen nur kleine Beträge für den Service der Reisschälmaschine. Diese werden aber ausreichen, um das Projekt nachhaltig zu machen und Rücklagen zu bilden. Die Reisspelzen werden kompostiert. Die Reiskleie wird an die Haustiere verfüttert.
Bau einer Grundschule in Alto Tólica
Der Panama-Kreis hat in der Vergangenheit drei Grundschulen in Lajillas, Bilingue und Pajonal sowie drei Internate in Cañazas, Las Palmas und Buenos Aires gebaut. Schon seit Jahren bestand der Plan, in Alto Tólica eine neue Grundschule für 60 Kinder zu errichten. Vor einigen Monaten konnte endlich mit dem Bau begonnen werden.

Alte Schule in Alto Tólica
Alto Tólica liegt hoch in den Bergen auf 1.200 m Höhe. Es gibt keine Straße, keine ärztliche Versorgung.
Die Kinder gehen bis zu drei Stunden zur Schule, wo sie morgens und nachmittags unterrichtet werden. Mittags bereiten die Mütter des Dorfes aus Lebensmittelspenden der Regierung ein Mittagessen in der unten abgebildeten „Küche“ vor.
Reisebericht von Maria Bach aus Panama

Maria Bach aus Wetter ist im Sommer, nach Abschluss ihres Studiums der Sozialwissenschaften für ein halbes Jahr nach Panama gefahren. Sie hat mit ihrer Freundin Christina und zwei Mitarbeitern unseres Partners Cepas dem Dorf Alto Tólica einen kurzen Besuch abgestattet und uns folgenden Reisebericht geschickt.:

Am Dienstag, dem 21. August, war es dann soweit. Früh morgens um 5.45 Uhr haben meine Freundin und ich ein Taxi genommen, um pünktlich um 6.00 Uhr vom Büro von Cepas losfahren zu können. Dort wurden wir von unserem Fahrer Juan freundlich begrüßt.Kurz darauf stieß auch der Ingenieur Lorenzo Vasquez zu uns. Mit den beiden ging es also bei Sonnenaufgang in einem geländetüchtigen Toyota in Richtung Alto Tólica. Ungefähr fünf Stunden waren wir unterwegs. Nachdem wir die Landstraße verlassen hatten, ging es auf einer abenteuerlichen Schotterpiste langsam weiter.

Auf dieser Piste war der Transport der schweren Baumaterialien für den Schulbau unmöglich. Bis Chumico konnten sie noch mit geländegängigen Fahrzeugen gebracht werden. Überaschenderweise stellte die Regierung einen Helikopter für den Transport der schwersten Materialien bereit. Alles andere musste auf dem Rücken oder einem Lasttier bis nach Alto Tólica gebracht werden.

Der von der Regierung gestellte Helikopter Bell UHD 1D
Nach einem einfachen, aber leckeren Abendessen gingen wir gegen neun Uhr schlafen. Da es gegen acht Uhr dunkel wurde und es dort oben kein elektrisches Licht gibt, gab es dazu eigentlich auch keine Alternative.
In der Nacht wurde es richtig kalt. Die Feuchtigkeit des Nebels und des Regens, der unermüdlich auf das Wellblechdach trommelte, hatte sich überall hin ausgebreitet. Und trotz unserer warmen Kleidung wurde es ziemlich ungemütlich. Hinzu kamen die ungewohnte Umgebung, die harte Holzpritsche und die Enge (eine Pritsche für zwei).

Die neue Schule im Bau
Dank der Müdigkeit fiel ich jedoch ziemlich schnell in einen unruhigen Schlaf, während Christina auf den Morgen wartete. Spät in der Nacht haben wir dann mal die Plätze getauscht und so konnte auch Christina ein wenig schlummern. Am folgenden Morgen traf ich vor unserer Rückreise eine Frau, etwa Mitte zwanzig. Sie hatte acht Kinder und konnte kaum glauben, dass ich noch keine Kinder hatte. Wir machten Station in Buenos Aires, wo wir einige Projekte des Dritte-Welt-Kreises Panama besucht haben (Internat Harkort, Bäckerei, den Laden „Casa Dusseldorf“, Apotheke mit Naturmedizin). Die neue Schule in Alto Tólica (2 Klassenräume, 2 sehr kleine Unterkünfte für die Lehrer) wird mit Mitteln des Karl-Kolle-Stiftung in Dortmund finanziert (15.000,-•). Es fehlt noch Geld für den Bau einer Küche und eines Essraumes.
Privatisierung der Wasserquellen

Der Mensch braucht frisches Wasser wie die Luft zum Atmen. Wenn er es kaufen muss, muss es bezahlbar sein. Angesichts hoher Investitionskosten für dringend notwendige (Ab)Wasserleitungssysteme in vielen Teilen Panamas bereitet die Regierung Gesetze für eine Privatisierung des Wassersektors vor, wie es bereits andere (Entwicklungs)Länder versucht haben. Die Folgen waren zum Teil so verheerend (nicht bezahlbare Preise für den Verbraucher), dass einige Investoren aus ihren Projekten wieder aussteigen mussten. Im Jahr 2000 kam es in Bolivien zu einem großen Konflikt und schweren Unruhen. Ein Dutzend Personen kam zu Tode. 11 Tage lang herrschte Ausnahmezustand. Die Ursache war eine über 50%ige Erhöhung des Wasserpreises durch die global agierende US-Firma Bechtel.

Was in anderen Ländern nicht funktioniert hat, soll nun in Panama gesetzlich geregelt werden. Natürlich ist die Unruhe in der Öffentlichkeit groß, zumal die Regierung kaum Einzelheiten zu dem geplanten Vorhaben bekannt gibt. Sie beschränkt sich auf die Erklärung, dass die Wasservorräte des Landes nicht systematisch erfasst seien und dringender Handlungsbedarf bestehe.

In der Vergangenheit hat Panama aus eigener Kraft in das Bildungswesen, in den Straßenbau, in das soziale Sicherungssystem und in den letzten 100 Jahren auch in ein umfangreiches Wassernetz in den am stärksten bevölkerten Gebieten investiert. Es wurden Wasserkraftwerke gebaut, die Häuser und Industrien sowie die Landwirtschaft mit Wasser versorgt haben.

Jetzt will sich die Regierung aus ihrer Verantwortung stehlen und sie privaten Investorenübertragen, die ein Ziel haben, nämlich Gewinn zu machen, zu Lasten der Verbraucher. Der Gesetzentwurf spricht davon, dass Wasser ein soziales und wirtschaftliches Gut ist und dass die Wasservorräte der Gemeinschaft des Volkes gehören. Aber das sind leere Worte, wenn man sie in die Hände von privaten Firmen legen will und zwar für 30 Jahre, wobei eine Verlängerung der Verträge nicht ausgeschlossen ist.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts nennt man Öl das „schwarze Gold“. Ende des letzten Jahrhunderts erklärte der ehemalige Präsident der Weltbank: „Die Kriege des 21. Jahrhunderts werden wegen des Wassers geführt werden“, da die Wasserresourcen immer knapper und wertvoller werden. Sie stellen ein lukratives Gut dar, für das sich die internationalen Märkte interessieren. So spricht man schon seit Jahren vom „blauen Gold.“

Zu den großen Firmen, die außerhalb ihrer Heimatländer in die Wasserwirtschaft investieren und zu 80% diesen privaten Markt beherrschen, gehören Vitens (Holland), Rand Water (Südafrika), EVN (Östereich) sowie Canal de Isabel II und Aguas de Bilbao (Spanien).

„tinte toner medien“ in Herdecke hat ein für Panama
Café de Panama Verkaufsstellen:

Herdecke:

  • Post-Apotheke (auch Honig und mehr.)
  • Bismarck-Apotheke
  • REWE Symalla
  • Der Kopierladen (auch Honig u. Schokolade)

Wetter:

  • Fleischerei Bilstein (auch Honig)
  • Fleischerei Schröder
Kurzinformationen
  • In diesen Tagen beginnt wie alljährlich in Zusammenarbeit mit den mit uns kooperierenden Schulen der Verkauf unserer Weihnachtskarten (1.- €). Was ist eine Weihnachts-Email im Vergleich zu einer schönen Weihnachtskarte, die man aufstellt und sich Ende des Jahres immer wieder anschauen kann!
    Wir haben fünf neue Motive in unserem Sortiment. Zu ersten Mal haben wir freundliche Sponsoren gefunden, die die Kosten des Kartendrucks übernommen haben. Die Karten liegen auch in einigen Geschäften aus und können überdies bei der unten angegeben Adresse bestellt werden.
    Alle Karten-Motive befinden sich auf unserer Webseite.
  • M. K. aus Ergste hat ihren 75. Geburtstag gefeiert. Die Geburtstagsgäste brachten (in diesem Fall schon zum dritten Mal) keine Geschenke für die Jubilarin mit, sondern warfen einen Brief mit einer Spende für ein Panama-Projekt in den aufgestellten Tucan. 650.- € kamen so zusammen. Dieses Geld werden wir in den Bau der Sanitäranlagen der Schule in Alto Tólica investieren (4.400.- €).
  • Anfang Oktober, anlässlich des Staatsbesuches von Martin Torrijos, dem Präsidenten Panamas, erhielten wir von der panameischen Botschaft freundlicherweise eine Einladung zu einer Veranstaltung mit dem Präsidenten und vom deutschen Außenminister eine Einladung zu einem Mittagessen.
  • Das Bienenzuchtprojekt ist bereits in seiner Endphase. In 16 der 20 beteiligten Dörfer sind die Bienenvölker bereits aufgestellt.
  • Historischer Moment: Am Dienstag, dem 9. Oktober, sind in aller Frühe bei starkem Regen Bartolomé Peña, Emilio Torrero, Lorenzo Vasquez, Herr Fajardo und der deutsche Senior- Experte Werner Geratewohl in der „Werkstatt für neue Technologie“ versammelt. An diesem Tag soll die erste 12-Volt-Solarlampe fertig gestellt werden. Um 14.20 Uhr ist es soweit. Die Lampe wird an den Strom angeschlossen und funktioniert. Das Leuchten der Lampe spiegelt sich auf den Gesichtern der Gruppe wieder, die in den Tagen zuvor von Herrn Geratewohl in die technische Arbeit eingewiesen wurde. Alle freuen sich darüber, dass in Kürze die Hütten vieler campesinos von dem Licht der neuen Lampen erleuchtet werden.

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

V.i.S.d.P.: Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke

"DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 90: 5.800