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| Panama Info Nr. 95 - Juni 2009 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wahlen in Panama | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Anfang Mai fanden in Panama Präsidentschafts- und Parlamentswahlen
statt. Mit über 60% der Stimmen gewann Ricardo Martinelli von der
Partei Demokratischer Wandel überraschend hoch die
Präsidentschaftswahl gegen seine Herausforderin Balbina Herrera von
der Demokratischen Revolutionären Partei mit seinem Präsidenten Martín
Torrijos.Martinelli, Sohn italienischer Einwanderer, ist Multimillionär. Er besitzt ein Imperium aus Supermärkten, Banken, Finanzunternehmen und Landwirtschaftsbetrieben. Während des Wahlkampfes zeigten ihn Werbespots als Patron der Armen in Bananenplantagen und auf Müllwagen, was ihm den Vorwurf des Populismus einbrachte. Die ausländische Presse sprach von einem Rechtsruck bei der Wahl und ordnete die bisherige Regierung als Mitte-links ein, was ziemlich unverständlich ist angesichts der Tatsache, dass die Bevölkerung, die zu 40% als (sehr) arm bezeichnet werden muss, von der „sozialdemokratischen“ Ära wenig profitierte, obwohl das Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren bis zum globalen Wirtschaftsabschwung durchschnittlich um erstaunliche 8% wuchs. Martinellis Wahlversprechen können sich sehen lassen: eine monatliche Rente von 75 EURO für über 70-Jährige, eine Senkung der Lebensmittelpreise, ein gutes Gesundheits- und Bildungssystem, ein gutes Verkehrssystem, innere Sicherheit, Investitionen in Infrastrukturprogramme zur Ankurbelung der Wirtschaft, eine Einheitssteuer von 10 bis 20%, um ausländische Investoren anzulocken. Große Skepsis ist angebracht. Eine neue Regierung wird die prekären wirtschaftlichen Verhältnisse in weiten Bevölkerungsschichten nicht verändern, solange nicht die von internationalen Organisationen kritisierte unverhältnismäßig geringe Besteuerung der hohen Einkommen und Vermögen abgeschafft wird. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wachstumsstörungen bei Kindern in Grundschulen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Skizze auf Seite 1 findet sich in einer landesweiten Untersuchung über Wachstumsstörungen bei
Grundschulkindern in Panama. In den rot gekennzeichneten Gebieten – Wohngebiete der indigenen
Bevölkerung - sind die Wachstumsstörungen sehr hoch, in den pink gekennzeichneten Gebieten
(u.a. der Provinz Veraguas) hoch. In dem Wohngebiet der ngobe/bugle, in dem der Panama-Kreis die
meisten seiner Projekte durchführt, sind 71.1% der Kinder von Wachstumsstörungen betroffen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Eine außergewöhnliche Unterrichtsstunde | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Heute ist unser dritter Tag in El Bale. Um 7 Uhr gingen wir zum Frühstück ins Mädcheninternat. Dort
gab es mal wieder Crema (eine Art Haferschleim), mit einem Stück Brot zum Essen. Bruder Alcides
holte uns ab und wir fuhren mit ihm nach Pan de Azucar, einem ärmlichen kleinen Bergdorf ca. eine
Stunde von El Bale entfernt. Er erzählte uns, dass er dort regelmäßig hinfährt, um die Schule mit
Lebensmitteln zu versorgen. Da die Lehmstraße durch die heftigen Regengüsse der vergangenen Tage
kaum noch passierbar war, stiegen ca. 20 Jungen und Mädchen der Grundschule und 2 Lehrer auf die
Ladefläche des Pickups und wir fuhren zu den schlimmsten Stellen, um die Schlaglöcher mit Steinen
aus dem Fluss zu füllen. Das war sehr anstrengend, vor allem in der fast unerträglichen Mittagshitze.
Für uns war das eine außergewöhnliche Unterrichtsstunde, für die indigenen Kinder ganz normal.
Trotz der schweren Arbeit hatten die Kinder und wir viel Spaß, indem wir uns Abkühlung im Fluss
verschafften. Nach der getanen Arbeit fuhren wir zurück zur Schule, wo Mütter der Kinder gekocht
hatten, und was gab es wohl? Na klar, Reis! Auf dem Rückweg nach El Bale erklärte uns Alcides, dass
die Instandhaltung der Pisten sehr wichtig sei, um der indigenen Bevölkerung Zugang zu Lebensmitteln
sowie medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Die Hilfe der panamaischen Regierung erreiche
weite Gebiete des Berglandes nicht. Zur Ergänzung dieses Berichts noch eine Boabachtung in Buenos Aires. Hier praktiziert seit einigen Jahren eine Ärztin. Jeden Morgen, bevor die Ärztin mit ihrer Arbeit beginnt, hat sich bereits eine Schlange von über hundert indigenen Personen gebildet, Männern, Frauen und Kindern. Sie sind in der Nacht viele Stunden zu Fuß aus ihren Dörfern nach Buenos Aires gelaufen, um sicher zu sein, am Morgen von der Ärztin behandelt zu werden. Die ärztliche Versorgung in Panama ist kostenlos. Es gibt in dem unwegsamen Bergland allerdings nur wenige Ärzte. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Einnahmen und Ausgaben 2008 in EURO | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kosten in Höhe von 3,035.-EUR wurden vom Vorstand des Vereins getragen. Der Stadtverwaltung Wetter sind wir sehr dankbar für ihre großzügige technische Hilfe im vergangenen Jahr. Unseren Mitgliedern Frau Lehmann, Herrn Dickehage und Herrn Mertmann sowie Herrn Alf Hoffmann danken wir sehr herzlich für ihre Hilfe bei unserer Öffentlichkeitsarbeit. Herrn Winkler danken wir für seine vorbildliche Arbeit als Kassierer. Am 16. April fand die Jahreshauptversammlung unseres Vereins statt. Die von ihrem Freiwilligeneinsatz zurückgekehrten Svenja Sens und Franziska von der Ecken berichteten ausführlich von ihrer Arbeit in Panama. Beide wollen aktiv im Panama-Kreis mitarbeiten. Svenja Sens wurde in den Vorstand gewählt. Sie hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, nach einer Einarbeitungsphase die Verantwortung für das Freiwilligen-Projekt zu übernehmen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Aus dem blog-Tagebuch unserer Freiwilligen Moritz und Simon | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
19. April 2009 Das von uns mitorganisierte Projekt eines Wassersystems in dem Bergdorf „Las Filipinas“ stand in den Startlöchern. So hieß es also mal wieder den Rucksack packen und ab in die Berge. Nach „Las Filipinas“ sind es etwa drei Stunden Fahrt. Die alte Piste wurde Anfang des Jahres ausgebessert und ist nun gut passierbar. Der Weg führt auf einem Bergkamm entlang, von dem man nur zu Fuß in das Dorf hinabsteigen kann, was etwa eine dreiviertel Stunde dauert. So konnten die Materialien auch nur bis zu diesem Punkt transportiert werden (was schon reichlich schwer war, da ein LKW mit Vierradantrieb alles anliefern musste und dabei auch schon seine Schwierigkeiten hatte). Die restliche Strecke ins Dorf wurden die Materialien von den Dorfbewohnern getragen. So sah man eine lange Kette von Menschen, die sich, beladen mit den Materialien, den Berg hinab schlängelte, und wirklich jeder, der konnte, hat geholfen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() Transport der Wassertanks | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Am schwierigsten war der Transport der drei großen Tanks, die jeweils sechs Männer mit Hilfe von Bambusstangen die engen Bergwege hinunterschleppten. Wir selber halfen natürlich auch, soweit es mit unserem eigenen Gepäck noch möglich war. Weiterhin mussten wir zwei Kanister mit Trinkwasser sowie ausreichend Nahrung für eine Woche mitnehmen. Wir schliefen im Dorf in der Schule, welches das einzige Gebäude aus Stein im Dorf ist. Da zur Zeit noch Schulferien waren, konnten wir einen Klassenraum als Schlafraum benutzen. Das Kochen nahm uns eine Einheimische ab, die neben der Schule wohnte, da wir nicht wirklich Zeit und Praxis hatten, um mit Brennholz zu kochen. Das Problem war leider, dass diese Frau weder Ahnung hatte, wie man Spagetti noch Dosenfleisch zubereitet. Also mussten wir vor jeder Mahlzeit erst einmal (meist mit Händen und Füßen) erklären, wie man die jeweilige Speise zubereitet. Die Verständigung auf Spanisch war manchmal nur bedingt möglich, weil gerade die älteren Dorfbewohner nur ihre einheimische Sprache, das Ngobe beherrschen. Die Arbeit begann nach einer kurzen Besprechung mit den Einheimischen über das Projekt am Dienstag Morgen. Wir waren sehr positiv überrascht, wie viele Leute uns halfen. So fanden sich meist etwa 20 tatkräftige Männer aus dem Dorf ein, die uns halfen. Die ersten Tage waren sehr beschwerlich, da wir bis zur Quelle der neuen Wasserleitung erst einmal 20 Minuten Aufstieg hinter uns bringen mussten. Von der Quelle aus wurden dann die ersten vier Tage Rohre verlegt. Eine Gruppe hackte den harten Boden auf und hob einen Graben aus, die zweite Gruppe legte das Rohrstück hinein und verklebte es mit dem vorigen und die dritte Gruppe füllte den Graben wieder. Dies hört sich recht simpel an, nur in der Parxis war es um einiges schwerer, da der Boden meist aus sehr grossen Steinbrocken bestand oder das Gelände so abschüssig war, dass man sich an einen Bergsteiger erinnert fühlte, der in einem Steilhang Rohre verbindet. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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In den ersten Tagen kamen wir jedoch sehr rasch voran und konnten, als wir am Samstag aufbrachen, auf einen grossen Teil verlegter Leitung schauen. Der Rückweg war jedoch eine kleine Strapaze, da kein Auto von Cepas zur Verfügung stand. So mussten wir vier Stunden durch die Berge zurückwandern, um an die nächstgelegene Straße zu kommen wo alle zwei Stunden ein Pick-up fährt, bei dem wir bis zur Interamericana (die Straße die durch ganz Panama geht, eigentlich von den USA bis Feuerland) mitfahren konnten, wo wir dann einen Bus bis Santiago nahmen. So kamen wir hundemüde und durstig (da uns das Wasser ausgegangen war) abends in Santiago an. Der Ort Las Filipinas, in dem Simon und Moritz gearbeitet haben, gehört zum Distrikt Ñurun in der
Comarca (Selbstverwaltungsbezirk) ngobe bugle. Der Boden der Region ist unfruchtbar und in der
Trockenzeit fehlt es an Wasser für die Bewirtschaftung der Felder. Der Primärwald ist schon lange
verschwunden, so dass die heftigen Regengüsse im „Winter“ und der Wind die Bodenerosion immer
weiter vorantreiben. Wegen der fehlenden Wälder ist ein großer Teil der Bergregion alljährlich schutzlos
heftigen Winden ausgesetzt. Sie zerstören die Pflanzen auf den Feldern sowie die Wohnhütten, die
meistens aus trockenen Palmblättern, Lehm und Stöcken gebaut sind. Wenn ihre Hütten mit Wellblech
gedeckt sind, werden diese oft von den starken Winden hinweggefegt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() Landrat Dr. Brux eröffnet eine Ausstellung des Panama-Kreises im Kreishaus Schwelm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kurzinformationen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V." V.i.S.d.P.: Paul K. Heer "DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 95: 6.300 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||