Panama Info
Nr. 96 – Oktober 2009
Geier im Sturzflug

So titelte die Süddeutsche Zeitung am 28. Juli. Es geht in dem Bericht von Andreas Oldag um ein haarsträubendes, dreckiges Geschäft bestimmter Fonds (Vulture Funds). Diese Fonds kaufen Schuldtitel notleidender Entwicklungsländer auf. Sie zahlen dafür erheblich weniger als den ursprünglichen Wert der Verbindlichkeiten und setzen dann vor Gericht gegen die betreffenden Staaten hohe Forderungen über Schuldenrückzahlungen einschließlich Zins und Zinseszins durch. Die SZ weist auf den Donegal-Fall hin. Der Fonds Donegal erwarb 1999 für 3.2 Mio $ eine Forderung Rumäniens an Sambia. Es ging um ein Traktorengeschäft, welches das afrikanische Land bereits Ende der siebziger Jahre mit der rumänischen Regierung abgeschlossen hatte. Sambia geriet in Zahlungsverzug. Donegal verklagte Sambia vor einem britischen Gericht auf Rückzahlung von rund 40 Mio $ und erhielt 14.5 Mio $ zugesprochen. Die meisten Einwohner Sambias leben von 1 $/Tag.
Großbritannien und die USA wollen diese Art Geschäfte unterbinden. Der internationale Währungsfonds und die Weltbank warnen vor den Folgen dieser Geschäfte, die die Maßnahmen zur Entschuldung der ärmsten Entwicklungsländer, unter anderem Sambias, konterkarieren.


Typische Hütte einer Familie in der Bergregion von Panama
Zwischenfall beim Cumbia Tanz
(Demetrio Korsi – 1899-1957)

Bei der Klage des Indios und dem Schrei der Chomba
aus der Kantine des Pancha Manchá
verdichtet sich die Atmosphäre von Spielhölle und Freudenhaus
unter den lauten Klängen der Cumbia.

Diesen Tanz von der afrikanischen Urmutter,
der mit der Plattnase und dem gelockten Haar,
einen wilden, aufwühlenden und geheimnisvollen Tanz
tanzt niemand so wie Juana Calambú.

In Pancha Manchá ist es die heiße Cumbia,
die aus Chepigana und dem Chocó.
Und wenn die Leute sich betrunken amüsieren,
weint der Trommler, weint Chimbombó ... .

Chimbombó ist der Schwarze, den Meme verzaubert hat,
Chimbombó ist der Schwarze mit dem großen Herz;
er ist gezeichnet von einer alten Narbe im Gesicht,
er ist betrunken und hat das Herz eines Löwen.

Und die Trommel vibriert! Und die Cumbia erfreut.
Meme tanzt ... wie ein Tier.
Er weint über die Missachtung seiner Schwarzen,
dieser unseligen zamba*, die einen Gringo liebt!!

Wie ein Nagel den anderen ausstößt, heißt es,
schlägt er mit der Peitsche, die seine Hand anschwellen lässt;
je betrunkener er wird, umso wilder wird sein Schlag,
der Suff spielt die Cumbia, sagt Chimbombó.

Eifersüchtiger Rächer, er springt auf mit einem Ruck,
als Meme die Cumbia beendet und weggeht,
geführt am Arm ihres Gringo-Geliebten
(Richtung Schlafkammer von Pancha Manchá).

Mit dem Messer bewaffnet, verfolgt er sie und beide
sterben durch den Stahl des großen Chimbombó.
Und die Masse der Schwarzen und Mischlinge
fühlt sich gerächt durch Chimbombó!

Er flieht Richtung Cauca, der wilde Schwarze
Und wieder ertönt die Cumbia...
Aber man würde sagen, ohne das Feuer
der alten Cumbia des Pancha Manchá!

Es fehlt eben Meme, die feurige Mulattin,
und es fehlt der Schwarze, der zum Cauca Geflüchtete;
es wird immer Kundschaft geben und Geld,
aber nie wieder einen anderen Mann wie Chimbombó.

*zamba: Tochter einer Schwarzen und eines indigenen Mannes

Demetrio Korsi wurde in Panama als Sohn griechischer Eltern geboren. In seinen Gedichten behandelt er populäre und afro-indigene Themen. Die Gedichte werden bestimmt von der Folklore und den typischen Rhythmen seiner panameischen Heimat, vor allem der Hauptstadt.

Panama-Lauf 2009

Am 26./27. Juni fand bei freundlichem Wetter der 18. Panama-Lauf statt. Die lokale Presse brachte vier Tage später ein Foto und einen sehr kurzen, dürren Text mit teilweise falschen Informationen. An der Aktion, die Landrat Dr. Brux eröffnete,  nahmen 3.400 Schüler/innen von 11 Schulen teil:

In Herdecke: alle Schulen
In Wetter: GS Bergstr., GS Grundschöttel, Kath. Grundschule, Realschule und das
Geschwister-Scholl-Gymnasium
In Hagen: Geschwister-Scholl-HS

Allen Schülerinnen und Schülern, den Lehrkräften sowie den Sponsoren möchten wir an die-
ser Stelle sehr herzlich für die Unterstützung des Panama-Laufs danken. Unser Dank gilt auch dem Supermarkt REWE-Symalla, der wieder das Mineralwasser für die durstigen Läufer zur Verfügung stellte. Bei der Vorbereitung (Besuch in Schulen) sowie der Organisation der Aktion haben sich unsere aus Panama zurückgekehrten und die neuen „Freiwilligen“ vor-bildlich engagiert.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es bei der Aktion. Einer besonders engagierten Lehrerin wurde vor ihrer Schule ihr wertvolles Fahrrad gestohlen.
Eine ungewöhnliche Spende gab es auch. Das Lehrerkollegium einer Schule ließ einen Gewinn von einem Bundesliga Tippspiel in Höhe von  111.11 € der Aktion zugute kommen.
Nach Angaben unseres Kassierers sind im Rahmen der Aktion bis Redaktionsschluss Anfang September auf unsere Konten 21,460.- € überwiesen worden.
Mit dem Geld soll eine Schreinerei in Cerro Redondo gebaut werden, wo zunächst die mit unserer Hilfe ausgebildeten Imker/innen ihre Bienenstöcke mit den vielen Rahmen herstellen sollen. Später sollen die angehenden Schreiner/innen auch Fenster, Türen und einfache Holzmöbel produzieren, zuerst für den eigenen Bedarf und später für den lokalen Markt.
Im Juli hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eine großzügige Unterstützung für den Bau der Schreinerei und die Ausbildung der Schreiner zugesagt. Einen Zuschuss von 4,000.-€ erhielten wir dankenswerterweise von der Georg-Kraus-Stiftung. Neben der Schreinerei wird noch eine Unterkunft für sechs Personen gebaut, die für die Auszubildenden vorgesehen ist. Sollte noch Geld übrig bleiben, werden wir dies für andere wichtige Kleinprojekte verwenden.
Unsere neuen Freiwilligen, Carina Aufermann aus Herdecke, Niklas Weins aus Wetter und David Beumers aus Heinsberg, die Ende August nach Panama geflogen sind, helfen eifrig beim Bau der Schreinerei mit.

Die drei Freiwilligen haben sich um einen Unterstützerkreis bemüht, um die anteiligen Kosten des Panama-Kreises an dem Projekt zu minimieren.
In Herdecke haben Carina Aufermann unterstützt: Post-Apotheke, REWE Symalla, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Lions-Club Herdecke,  C. Aufermann, H.u. C. Aufsfeld u.a.m.
In Wetter Niklas Weins: Karl Schmelzer, N. Weins
In Heinsberg David Beumers: Dr. R. Nouvertine, D. Beumers, Dr. Th. U. G. Rubel, H. Pastwa
Wir freuen uns über jede weitere Spende zur Unterstützung des Freiwilligen-Projekts (bei einer Banküberweisung bitte „Freiwillige“ angeben)

Als Freiwilliger helfen will auch Malte Köhler aus Bietigheim-Bissingen. Er ist Ingenieur für Holztechnik und 24 Jahre alt. Über das Internet hat er von unserem Schreinerei-Projekt erfahren und sich spontan entschlossen, sich bei der Einrichtung der Schreinerei und der Ausbildung der Schreiner zu engagieren. Seine Abreise ist für Mitte Januar geplant.

Die Firma Idealspaten hat ein für Panama

Im vergangenen Jahr erhielten wir eine Anfrage von Angela Woyciekowski aus Freiburg. Sie hatte ihren Bachelor in „Medien-Management“ gemacht und wollte gern ein dreimonatiges Praktikum in Panama machen und möglichst auch mit Kindern arbeiten. Da kam uns nur „Fé y Alegría“ in den Sinn, mit dem wir unter anderem den Kindergarten St. Urban in Las Mañanitas, im Einzugsgebiet der Hauptstadt, gebaut haben. Nach einem kurzen Briefwechsel war alles schnell geregelt.
Angela hat uns im Mai den folgenden Erfahrungsbericht geschrieben.

“Irgendwo dazwischen ...”
Freiwilligendienst in Panama: Zwischen Windeln und Akten

Globalisierung und Informationszeitalter hin oder her – für die meisten meiner Freunde und Bekannte ist Panama nicht irgendein Land in Lateinamerika, sondern das Land der   wohlriechenden Bananen, das Land der Träume. Und so erfüllt sich auch bei mir das Janosche Gebot und ich erwache an einem Tag im März 2009 an meinem 25. Geburstag in Panama, werde geweckt von Vogelgezwitscher und den ersten wohltuenden Sonnenstrahlen - genau das richtige also, nach der geradezu sibirischen Kälte in Deutschland.

Wärme ist natürlich nicht der Hauptgrund meiner Reise, sondern vielmehr die Möglichkeit Spanisch zu lernen, die panamaische Kultur hautnah zu erfahren und einen sozialen Dienst zu tun, bei dem ich ein bisschen von dem zurückgeben kann, was mir schon Gutes widerfahren ist. Deshalb habe ich mich nach meinem Bachelor bei “Fe y Alegria” (zu Deutsch “Glaube und Freude”) beworben und mache dort für den Zeitraum von drei Monaten ein soziales Volontariat. Die von Jesuiten gegründete Institution hat sich vor allem der Bildung von Kindern und Jugendlichen aus armen Verhältnissen verschrieben und setzt sich nach christlichem Vorbild für deren Erziehung ein.

Im ersten Monat arbeitete ich im Stadtteil “Las Mañanitas” etwas außerhalb von Panama City. Vormittags spielte und lernte ich mit den Ein- bis Vierjährigen in der Kinderkrippe und nachmittags brachte ich 16-Jährigen erste englische Redewendungen bei. Die Kinder, die ich in der Kinderkrippe “S. Urban” mit einer weiteren Erzieherin betreute, kamen jeden Morgen zwischen 6.00 Uhr und 7.00 Uhr und wurden abends spätestens um 17.00 Uhr wieder abgeholt. In dieser Zeit haben wir mit den Kindern gespielt, gesungen, gebastelt und vor allem versucht, ihnen so gut wie möglich persönliche als auch schulische Bildung zu vermitteln. Auch wenn es anfängliche Streitigkeiten und Eifersüchteleien unter den Kindern um “mein Spielzeug” oder “meine Maestra” (meine Erzieherin) gab, feierten wir es als Erfolge, wenn die Kinder langsam, aber sicher,  lernten zu teilen, sich auf “Neuankömmlinge” zu freuen, ein Tischgebet oder Bitte und Danke zu sagen. Beliebt waren auch meine Gitarrenkünste und das “Hoppe-Hoppe-Reiter” bei dem die Kinder nebenbei sogar noch ein paar Brocken Deutsch lernten.

Diese und weitere Erlebnisse waren für mich unheimlich erstrebenswert. Zwar waren es nur kleine Erfolge, aber schon Goethe sagte: “Auch das kleinste Haar wirft seinen Schatten”. Und so fiel es mir schwer, als ich mich nach einem Monat von den Kindern, den Schülern und dem restlichen Schulpersonal in Las Mañanitas verabschieden musste. Dennoch war schon zu Beginn meines sozialen Volontariates festgelegt worden, dass ich nach einem Monat (und der Verbesserung meiner Spanischkenntnisse) in das Nationalbüro wechseln sollte, um dort im Bereich Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt zu werden. Mittlerweile erfreue ich mich an dieser Arbeit, deren Ziel es is,  die Belange von “Fe y Alegria” und insbesondere den Wert von Bildung und Erziehung in der Öffentlichkeit zu propagieren – sei es im Rahmen der weltweiten Bildungskampagne (www.bildungskampagne.org) oder anderer regionalen Konferenzen.

Verkaufsstellen Café de Panamá:

In Herdecke: Supermarkt REWE/Symalla, Post-Apotheke, Bismarck-Apotheke, der Kopier-Laden

In Wetter: Fleischerei Schröder

Kurzinformationen
  • Im Sommer haben wir eine a.i.-Aktion in Mexiko (“Briefe gegen das Vergessen”) unterstützt. Seit 1993 verschwinden in Ciudad Juárez im Norden Mexikos immer wieder Frauen und Mädchen. Einige werden später vergewaltigt und ermordet aufgefunden. Nach Schätzungen von Frauenrechtsorganisationen sind bisher um die 1.000 Frauen umnd Mädchen verschwunden. Die Behörden unternehmen wenig, um die Verbrechen aufzuklären. Spuren werden nicht verfolgt, Zeugen nicht verhört und gerichtsmedizinische Ergebnisse werden manipuliert. a.i. betrachtet das Verhalten der Behörden als stillschweigende Duldung.
    In der a.i.-Briefaktion haben wir an den Generalstaatsanwalt von Mexiko geschrieben und ihn aufgefordert, die Entführungs- und Mordserie in der Grenzstadt Ciudad Juárez aufzuklären und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
  • Im Juli war der Vorsitzende unseres Vereins vom Auswärtigen Amt zu einem Essen in Berlin anlässlich der Verabschiedung des panameischen Botschafters Chirú eingeladen. Bei dieser Gelegenheit konnte er auch den neuen deutschen Botschadter in Panama, Michael Grau, kennenlernen. Tags zuvor besuchte er die panameische Botschaft, wo er mit der Geschäfts-trägerin, Dr. Lourdes Vallarino, einige administrative Schwierigkeiten bezüglich der Visa für die drei neuen Freiwilligen erörtern konnte.
  • Ein Mitglied der katholischen Kirchengemeinde St. Urban feierte im Sommer einen runden Geburts-tag. Er bat die Gäste seiner Geburtstagsfeier, ihm keine persönlichen Geschenke zu machen, sondern ein Projekt des Panama-Kreises zu unterstützen. Wir erhielten bei dieser Gelegen-heit 850.-€.
  • Ende des Jahres startet wieder unsere alljährliche Grußkartenverkaufsaktion. Alle verfügbaren Mo-tive sind in unserer Webseite zu finden. Karten können direkt bei der unten angegeben Adresse bestellt werden. Im letzten Jahr haben wir Karten für 2,960.-€ verkauft. Dieses Ergebnis müsste zu toppen sein! Eine erste Bestellung von 300 Karten liegt bereits vor.
  • Unser bei unserem Partner Cepas eingerichteter Mikro-Kreditfonds – er hat inzwischen ein Volumen von 40,000.-$ - wird gut angenommen. Mitte des Jahres erhielten wir eine Übersicht über die bisher gewährten Kredite. Dabei stellten wir fest, dass ungefähr 5,000.-$ für nicht näher beschriebene, persönliche Kredite vergeben wurden. Da der Fonds ausdrücklich eingerichtet wurde mit dem Ziel, den Bauernfamilien aus dem Land höhere Einkommen zu erwirtschaften (Ackerbau und Viehzucht), haben wir Cepas gebeten, von persönlichen Krediten Abstand zu nehmen.
    Die Wohnverhältnisse der Familien sind in der Regel katastrophal. (s. Foto auf Seite 1). Wir haben deshalb, zusammen mit Cepas, beschlossen, versuchsweise für zwei Hausbauprojekte je einen Kredit von 2,500.-$ zur Verfügung zu stellen. Die Familien holen Sand, Kies und Steine aus dem Fluss. Für die übrigen Baumaterialien (Zement, Eisen, Holz, Bedachung u.a.) und den Transport der Materialien  erhalten sie den Kredit, der mit 10% verzinst und in etwa 4 Jahren zurückgezahlt werden muss.
    Erfreulich ist, dass alle bisher gewährten Kredite pünktlich zurückgezahlt wurden!

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

V.i.S.d.P.: Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke

"DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 96: 6.100

Mitarbeiter in spe: Moritz Bönte