Panama Info
Nr. 98 – Juni 2010

Die großflächige Vernichtung tropischer Wälder geht unvermindert weiter. Besonders bedrückende Beispiele sind Indonesien und Brasilien. Die Rodungen dienen vor allem großen Konzernen dazu, Soja- und Ölpalmplantagen riesigen Ausmaßes anzulegen. Die ölhaltigen Früchte werden zu Diesel und Benzin verarbeitet, für die Eigenversorgung und den Export.
Auf Fahrten in der Kordillere von Veraguas findet man bis auf die Höhenlagen keinen Wald. Anfragen bei der Naturschutzbehörde ANAM, wann die Wälder der Region abgeholzt worden seien, konnte man nicht beantworten. Es hieß, man sei sich nicht sicher, ob das Bergland jemals bewaldet gewesen sei. Wenn es bewaldet gewesen sein sollte, müsse die Rodung vor mehr als 100 Jahren erfolgt sein. Die Tatsache, dass überall in der Bergregion der Boden die für tropischen Wald typische rostbraune Färbung aufweist, lässt vermuten, dass ursprünglich Wälder die Bergregion bedeckt haben. In den Büchern des panamaischen Autors Ramón Fonseca Mora kann man nachlesen, wie vor langer Zeit in schwer zugänglichen Gebieten wertvolle Bäume geschlagen, die Stämme auf den Flüssen in tiefer gelegenes Land geflößt, dort in Sägewerken verarbeitet und später auf dem Markt mit großem Gewinn verkauft wurden.

Unser Schreinerei-Projekt

Von den Ausschachtungsarbeiten an bis zum Anstrich haben unsere Freiwilligen beim Bau unserer Schreinerei mit einem angeschlossenen Schlafraum in Cerro Redondo geholfen. Unserem Freiwilligen Malte Köhler und seinen Lehrlingen macht die Arbeit viel Freude. Die erste Aufgabe bestand darin, die campesinos mit Maschinen vertraut zu machen.
Malte hat sie auch dafür gewonnen, einmal pro Woche bei unserem neuen Projekt mitzumachen, einem Wiederaufforstungsprogramm an Bachläufen und in Quellgebieten, das auf mittlere Sicht die extreme Wassernot am Ende der Trockenzeit mildern soll. Zur Zeit sammeln unsere Freiwilligen Samen von Bäumen und legen Anzuchtbeete an. Mit diesem Programm erfahren sie, was eine nachhaltige Holznutzung bedeutet.
Die Regierung von Panama ist von der Lehrlingswerkstatt so angetan, dass sie unserem deutschen Fachmann für zwei Monate einen ausgebildeten Schreiner zur Seite stellen will.


Einnahmen und Ausgaben 2008 in EURO

 
Einnahmen
Ausgaben
Spenden 10.830,55  
Spenden Panama-Lauf 26.572,72  
weltwärts – Jugendhaus Düsseldorf 15.400,00  
Grußkarten 2.638,64  
Georg-Kraus-Stiftung 4.300,00  
Kath. Kirchengem. Havixbeck (Krankenschwester) 7.000,00  
Bundesmin. f. wirtsch. Zusammenarbeit u. Entw. 11.000,00  
Karl Kolle Stiftung 1.000,00  
Bürgerstiftung Herdecke 290,00  
InWEnt 510,00  
Kollekten Kath. Kirchengem Herdecke 256,00  
Kollekte Ev. Kirchengem. Herdecke Kirchende 385,40  
Geldanlagen ge. § 153a stopp 550,00  
Überschuss aus fairem Handel 750,00  
Umbuchung 2.000,00  
Sonstiges 200,00  
     

Überweisungen nach Panama:
Bau einer Schreinerei und einer Unterkunft für die Lehrlinge;
Bau "Honighaus";
Ausstattung Unterkunft der Freiwilligen;
Finanzierung einer Krankenschw.;
Zuweisung an Mikrokreditfonds;
Kühlschrank für "unser" Restaurant in Buenos Aires;
Musikinstr. für 2 Grundschulen von Fé y Alegría;
Unterhalt der drei Freiwilligen

  62.850,00
Reisekosten der Freiwilligen   7.326,09
Vorberteitungs- und Nachbereitungskurse der Freiw.   3070,00
Versicherungskosten Freiwillige   1.482,94
Papier f. Grußkarten / Infos   1.355,00
Plakate Panama-Lauf   470,00
Druckkosten   58,31
Seminar   87,90
Bildmaterial   319,28
SOLUX-Solarleuchten   4.601,77
Frauenkooperative in Guatemala   210,00
Büro und sonstige Kosten   633,97
Kontoführung Spk Herdecke   83,00
     
Summe 83.683,31 82.548,96

Kosten in Höhe von 2.674,- EUR wurden vom Vorstand des Vereins getragen.
Gesamteinnahmen des DWK Panama bis Ende 2009: 1.064.463.-EUR !!!!!!!
Im "fairen Handel" hat der Verein im letzten Jahr Waren für 2.225,31 EUR verkauft – vor allem unseren berühmten Café de Panamá.
Erfreulicherweise haben Sponsoren die Kosten unserer Öffentlichkeitsarbeit getragen (Panama-Lauf, Grußkartenherstellung, Panama-Info).

Der Stadtverwaltung Wetter danken wir sehr herzlich für ihre großzügige technische Hilfe im ergangenen Jahr. Unserem Kassierer Reinhard Winkler, Gertrud Lehmann, Lothar Mertmann, Alf Hoffmann, Steffen Dickehage und unseren Ex-Freiwilligen Svenja Sens, Carina Aufermann, Franziska v. d. Ecken und Moritz Bönte gilt unser besonderer Dank für ihre Arbeit im Verein.

Projektreise nach Panama

Wegen der sehr beschwerlichen Flugreise hatte ich eigentlich angesichts meines Alters keine neue Reise nach Panama geplant. Aber dann wurde sie im Februar dank eines großzügigen Gönners doch möglich, der mir den Aufschlag für die business-class bezahlt hat.
Die erste Woche habe ich in Panama-City verbracht. Zunächst besuchte ich die deutsche Botschaft und wurde von dem Botschafter Michael Grau und seiner Frau, zusammen mit unserem Freiwilligen Malte Köhler, zu einem Abendessen in ihre Wohnung eingeladen. Wir haben natürlich vor allem über unsere Projekte und die Schwierigkeiten im Hinblick auf die Visa unserer Freiwilligen gesprochen. Dann habe ich Mons. Dimas Cedeño, den Erzbischof von Panama und früheren Bischof der Diözese Veraguas aufgesucht, zwei Wochen bevor er aus Altersgründen sein Amt aufgab. Er versprach mir seine Hilfe im Hinblick auf die Visa. Tags darauf besprach ich Einzelheiten mit dem Lic. Carlos Lee, einem Rechtsanwalt und Beauftragten der katholischen Kirche von Panama.
In der Ciudad de Saber, einem Forschungszentrum in der ehemaligen Kanalzone, suchte ich Bernadette Neu von der gtz (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit des BMZ) auf, um herauszufinden, ob die gtz Projekte unseres Vereins in Panama fördern kann und musste leider feststellen, dass der International Service der gtz nur Großprojekte plant und fördert.
Mit Pastor Durán fuhr ich an einem Morgen nach Mañanitas, einem Außenbezirk der Hauptstadt, wo wir vor etlichen Jahren eine Kinderkrippe finanziert hatten, die alleinstehenden Frauen die Möglichkeit gibt, ihre Kleinkinder in gute Obhut zu geben, während sie in einem benachbarten Ausbildungszentrum auf verschiedene Berufe vorbereitet werden. Die Kinderkrippe war in einem hervorragenden Zustand. Mit Hilfe der Aktion Sternsinger wurde gerade eine notwendige Stützmauer errichtet.
Ich traf auch Miguel Loban, der in Berlin sein Diplom als Schiffsingenieur gemacht hatte und sich immer für unsere Arbeit interessiert gezeigt hat. Er arbeitet bei einer skandinavischen Schiffversicherung.
Jeden Morgen las ich natürlich La Prensa, die führende Zeitung Panamas, und konnte mich so über aktuelle politische und wirtschaftliche Probleme des Landes informieren.
Am 17. Februar erschien ein großer Artikel über Zerstörungen an Stränden in der Provinz Los Santos. Häuser und Straßen der Region werden zunehmend vom Meer weggerissen. Die Einwohner wie auch die Experten gehen davon aus, dass das Phänomen auf die rücksichtslose Ausbaggerung von Bausand im Meer zurückzuführen ist.
Das Thema Korruption ist in Panama allgegenwärtig. Der Beitrag eines Volkswirtes ging auf die Position von Panama im internationalen Ranking von Transparency International in 2009, was die Korruption ngeht. In einer Umfrage, in der es um die Einschätzung der Korruption in panamaischen Institutionen geht und es Noten von 1 (keine Korruption) bis 5 (extreme Korruption) gab, waren die Ergebnisse erschreckend: politische Parteien (4.6), Parlament (4.6), Privatwirtschaft (3.3), Medien (2.3), Staatsbedienstete (4.3) und die Justiz (4.4.).
Am 18. Februar erschien ein Artikel über die neue, nicht funktionierende Abwasserkanalisation in der Stadt Colón, die 2006 für 8.700.000,-$ geplant wurde. Unter dem letzten Präsidenten Torrijos erhöhte sich ein Jahr später der Kostenvoranschlag um rund 50%. Da das Projekt von der zuständigen Administration als außerordentlich dringend eingestuft wurde, wurde es ohne eine öffentliche Anhörung genehmigt. Jetzt stellte sich heraus, dass die Kapazität der Anlage völlig falsch berechnet wurde. Trotzdem wurde sie von der Behörde ohne Probleme abgenommen.
Am 08./21 Februar las ich in La Prensa zwei ausführliche Berichte über die geplante U-Bahn in der Hauptstadt. Der Vertrag für den Bau soll am 7. Juni abgeschlossen werden. Die Übergabe soll Ende 2013 erfolgen.- Wenn man Gelegenheit hat, den irren Verkehr (Busse!) in der Hauptstadt zu beobachten, kann man den Bau der U-Bahn nur begrüßen. Die geographische Lage der Stadt erlaubt keine andere Option.- Aus Deutschland haben sich die Firmen Bauer und Bilfinger Berger um das Projekt beworben.

Die Post-Apotheke in Herdecke Kirchende
hat ein für Panama

Bei Cepas in Santiago angekommen, gab es zunächst einmal wie üblich ein Gespräch am runden Tisch mit allen Mitarbeitern und den Freiwilligen. Immer wieder hatte ich Gelegenheit, mit unseren Freiwilligen Carina, Malte, Niklas und David über ihre Arbeit und die Projekte zu sprechen, in denen sie gearbeitet hatten. Sie waren alle gesund und gut gelaunt. Sie mögen die ungewohnte Küche, aber wenn sie abends in ihrer Unterkunft selbst kochen, kommen natürlich Spaghetti auf den Tisch.

Luis Batista und Judith von Cepas legten mir wie immer für die einzelnen Tage ein Programm vor. Allerdings war es so umfangreich, dass ich erst einmal einige vorgesehene Besuche streichen
musste. Wir haben inzwischen in so vielen Dörfern Projekte durchgeführt, dass es unmöglich ist, sie alle in zwei Wochen zu besuchen. Zunächst habe ich aber mit der Buchhalterin Judith die Abrechnung unserer Zuwendungen des letzten Jahres und die Unterlagen unseres Mikrokreditprogramms geprüft. Der Fonds verfügt zur Zeit über 45.000.-$. Kredite werden in erster Linie an campesinos vergeben, die ihre landwirtschaftlichen Erträge verbessern wollen. Sie bewegen sich zwischen 100.-$ und 500.-$ und haben eine Laufzeit von bis zu drei Jahren. Die campesinos stottern den Kredit, der mit 12% verzinst wird (billig für panamaische Verhältnisse), in sehr keinen Raten ab. Von dem Kredit kaufen sie vorwiegend trockenen Hühnerdung bei den Geflügelzüchtern. Damit der Transport (Säcke) nicht zu teuer wird, schließen sich Bauern aus einem Dorf zusammen. Die meisten Kreditnehmer zahlen ihren Kredit pünktlich zurück.
Einige wenige Familien haben für den Bau eines Steinhauses, das ihre Lehmhütte ersetzen soll, einen Kredit von je 2.500.-$ Dollar erhalten. Steine, Kies und Sand holen sie aus dem Fluss. Den Kredit benötigen sie für den Kauf von Zement, Eisen, Zinkblech für das Dach und den Maurer.


Rechts das neue Haus im Bau

In den Karnevalstagen bin ich für fünf Tage nach Buenos Aires geflohen. Die Pfarrer Niscasio und Marcos zeigten mir die Entwicklungen des Dorfes und erläuterten mir die großen administrativen Schwierigleiten beim Ausbau des Weiterbildungsprogramms INEISA für 18-40jährige ngobe, die ihren Schulabschluss nachholen wollen. (zu diesem Thema wird im nächsten Info ein Bericht unseres Freiwilligen Niklas Weins erscheinen).- Mit einem Jeep besuchten wir auf teils schwierigen Pisten Alto Tólica (Schulprojekt), Batata, Piedra Grande und Barrigón (Tierzucht- und Honigprojekt).

Kurzinformationen

Im letzten Info stellten wir als aktuelles Projekt den Kauf eines gebrauchten, geländegängigen Fahrzeugs für Armando, den Verantwortlichen des Imkerei-Projektes, vor. Das Fahrzeug sollte 8.000.-€ kosten. Wir wussten seinerzeit nicht, wie wir diesen Betrag aufbringen sollten. Wie es der Zufall will, erhielten wir im März die Nachricht über eine Zuwendung in Höhe von 7.500.-€. Als eine Teilzahlung von 2.500.-€ auf unserem Konto einging, haben wir unserem Partner Cepas grünes Licht für den Kauf des Fahrzeugs gegeben und zunächst aus den Rücklagen den Restbetrag zur Verfügung gestellt. Leider haben wir die restlichen 5.000.-€ noch nicht bekommen, geben aber die Hoffnung nicht auf, dass wir das Geld noch erhalten.

Unser Imkerei-Projekt weitet sich immer mehr aus. Innerhalb weniger Wochen und neben ihrer Arbeit in den Dörfern haben Niklas und David zuletzt 1.400 Flaschen gereinigt, sie mit Honig gefüllt, etikettiert und versiegelt. Die Imker/innen sammeln fleißig das Wachs der alten Waben, damit in absehbarer Zeit mit der Kerzenherstellung begonnen werden kann.

Maren Krings aus Bad Langensalza ist unserem Verein sehr verbunden. Sie war schon mehrmals in Panama und kennt unsere Partner sowie eine Reihe unserer Projekte. Sie ist professionelle Fotografin und hat uns einen sehr attraktiven Folder entworfen, der Anfang des Jahres gedruckt wurde.
Wer sich dafür interessiert, kann ihn bei uns, auch in größerer Stückzahl, bestellen.

In den Monaten März und April haben die Dörfer Subí Arriba und Allto Caña eine Trinkwasserleitung gebaut, finanziert von der Georg Kraus Stiftung in Hagen. In Alto Caña hat Niklas eine Woche mitgewirkt. Er berichtet darüber in seinem blog.
Die blog-Adressen der Freiwilligen:
www.niklasinpanama.blogspot.com
www.maltefalte.blogspot.com
www.dbpanama.wordpress.com

Die Aufenthaltsgenehmigungen für unsere Freiwilligen in Panama stellen noch immer ein großes Problem dar. Sie können nach ihrer Einreise drei Monate in Panama bleiben. Für die Zeit danach benötigen sie eine besondere Erlaubnis. Leider haben die Bemühungen der deutschen wie der panamaischen Botschaft zu keiner einfachen Dauerlösung geführt. So musste Malte nach drei Monaten für 72 Stunden nach Costa Rica ausreisen und dann wieder nach Panama einreisen, um den panamaischen Gesetzen Genüge zu tun. Was für ein Aufwand!

Am Abend des 22. März waren die Ex-Freiwilligen Franziska von der Ecken, Moritz Bönte und der Vereinsvorsitzende Gäste im Gymnasium Hückelhoven. Lehrer Schüler und Eltern waren in großer Zahl gekommen. Die beiden Herdecker berichteten anhand einer Power Point Präsentation über ihre Arbeit in Panama im Rahmen des weltwärts-Programms des BMZ. David Beumers war vor seiner Ausreise nach Panama Schüler des Gymnasiums. Dann gab es eine große Überraschung. Einige Schüler konnten per Webcam eine Ton- und Bildschaltung zu David in Panama herstellen. Es funktionierte alles vorzüglich. Eine halbe Stunde lang erzählte David von seinen Erfahrungen und beantwortete Fragen aus Hückelhoven.

Unsere drei neuen Freiwilligen wollen im August für 11 Monate nach Panama fliegen. Schon vor Monaten wurden sie angemeldet. Bei Redaktionsschluss Anfang Mai erhielten wir die Nachricht, dass das BMZ die Mittel für die Freiwilligen-Programme bereits für das laufende Jahr auf dem Stand des letzten Jahres eingefroren hat. Das heißt, dass zahlreiche Freiwillige, die sich für das Freiwilligen- Programm beworben haben, nicht ausreisen können. Dabei ist das BMZ von Mittelkürzungen der Bundesministerien weitgehend ausgenommen worden. Wir hoffen sehr, dass die Institutionen wie wir, die nur eine kleine Zahl von Freiwilligen ins Ausland schicken, nicht von den neuen Richtlinien des BMZ betroffen sein werden.

Am 8./9. Juli findet unser 19. Panama-Lauf statt. Die entsprechenden Vorbereitungen begannen bereits Anfang des Jahres. Das Plakat- und das Buttonmotiv mussten ausgesucht, die Button-Vorlagen ausgeschnitten und die Buttons hergestellt werden. Natürlich haben wir die Erwartung, dass der diesjährige Panama-Lauf wieder so erfolgreich wird wie der letztjährige. Alle Leser dieses Infos sind eingeladen, die Aktion als Sponsoren zu unterstützen.

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."
Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

V.i.S.d.P.: Paul K. Heer
Weg zum Poethen 51, 58313 Herdecke

"DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 98: 6.500