Panama Info
Nr. 101 – September 2011

Widerstand

Der Widerstand wächst. In einem Land, in dem Konzerne und Großindustrielle bisher das Sagen hatten, war es vor allem für die benachteiligte Landbevölkerung schwierig, sich gegen Projekte, die ihre Lebensbedingungen verschlechtern, zu wehren. Bei diesen Projekten handelt es sich aktuell um den Bau von Minen zur Gewinnung von Edelmetallen und die Errichtung von Staudämmen zur Stromgewinnung.
Schon im Panama-Info 99 vom Oktober 2010 haben wir einen Brief von Pastor Durán abgedruckt, in dem die Folgen des Goldabbaus in der mittlerweile geschlossenen Mine von Cañazas beschrieben werden: Viele Anwohner, insbesondere Kinder, leiden unter Atembeschwerden, Juckreiz und Übelkeit bis hin zu Blutkrebs.Dass dies kein Einzelfall ist zeigt ein Beispiel aus Guatemala aus der Tageszeitung taz vom 20. Juli 2011: Im Ort Agel betreibt der kanadische Bergbaukonzern Goldcorp. die Goldmine Marlin. Auch hier leiden viele Menschen unter gesundheitlichen Problemen wie Hautausschlag. Es ist jedoch schwer, die Minen als Verursacher dieser Probleme auszumachen- die Konzerne schreiben die Gesundheitsschäden einer angeblich mangelnden Hygiene der Anwohner zu.
Aber auch der Bau von Staudämmen bereitet den Menschen, die von den Flüssen abhängig sind, Sorgen. Durch das Aufstauen werden Ökosysteme zerstört, den Bewohnern der Flusstäler so Teile ihrer Lebensgrundlage geraubt.
Unter diesen Eindrücken ist es verständlich, dass der Widerstand gegen den Gold- Silber- und Kupferabbau wächst. So hat sich die ame Landbevölkerung, vor allem indigene Bauern, zusammengeschlossen, um den Bau von Minen und Staudämmen zu verhindern. Mit ihren teilweise aufsehenerregenden Aktionen wie der Vollsperrung der Interamericana, der wichtigsten Straße und Hauptlebensader des Landes, oder großen Demonstrationen rücken sie das Problem in den Fokus der panamaischen Öffentlichkeit in den Städten. So wird im Gegensatz zu den letzten Jahren auch in den nationalen Zeitungen über die Probleme, die der Bau von Minen und Wasserwerken mit sich bringt, berichtet.
Der panamaische Staat geht nicht sehr zimperlich mit den Demonstranten um. Auf der Videoplattform youtube finden sich mehrere Videos, die einen sehr harten Einsatz gegen Demonstranten belegen. Im Video des Nutzers "thelajeno" sieht man Menschen, zum Großteil Frauen und sogar Kinder der indigenen Bevölkerung vor einer Reizgaswolke fliehen, im Hintergrund sind Schüsse zu hören, nach Angaben des Erstellers des Videos, Gummigeschosse. Es sind erschütternde Bilder, die nach einer Demonstration im Ort San Félix gemacht wurden.
Es wird von hohem Interesse sein, welche Strategie der panamaische Staat in Zukunft verfolgen wird. Ricardo Martinelli, seit zwei Jahren Präsident seines Landes, sitzt in der Zwickmühle: Zum Einen verfolgt er einen eher wirtschaftsliberalen Kurs zu Gunsten der Konzerne, zum Anderen ist das Problem der Minen und E-Werke mittlerweile nicht mehr einfach zu übergehen. Den Bewohnern der betroffenen Gebiete ist also zu wünschen, dass sie mit ihrem Protest schlussendliche Erfolg haben werden, um den für sie so wichtigen Lebensraum zu erhalten.

Unser Tag in Ciruelar Arriba

Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Bericht unserer drei Exfreiwilligen über einen Tag im Dorf Ciruelar Arriba, in dem der Dritte- Welt-Kreis den Bau einer kleinen Schule realisiert.
Seit nunmehr vier Monaten arbeiten wir, die drei Freiwilligen des Dritte-Welt-Kreises Panama, Jule Wevering, Luise Janning und Simon van Kampen am Bau einer kleinen Schule im Bergdorf Ciruelar Arriba.
Jeden Montag machen wir uns auf den im Auto einstündigen Weg und kehren am Freitagnachmittag nach Santiago de Veraguas zurück. Schon die Fahrt ist ein kleines Abenteuer, da ungefähr das letzte Drittel ein unbefestigter Weg mit "Höhen und Tiefen" ist. Da wird man im Auto doch mal ganz schön rumgeschaukelt.
Im Dorf angekommen, werden wir von unseren Gastfamilien herzlich begrüsst und aufgenommen. Wenn wir morgens ganz früh dran sind, bekommen wir noch ein Frühstück bestehend aus in Fett gebackenen Hefefladen, Würstchen, Haferschleim und Maiskaffee. Danach gehts ab auf die Baustelle.
Von ca. 8 Uhr bis 12 Uhr arbeiten wir am Bau eines Klassenraums für die Kinder des Dorfes. Ebenfalls gebaut werden Toiletten und eine Dusche.
Wir helfen bei allem mit, was gerade so ansteht: ausschachten, Beton mischen, mauern, verputzen und anstreichen.
In der Hitze Panamas ist das ganz schön anstrengend und wir sind froh, wenn wir Mittagspause haben. Aus unseren Einkäufen bereiten die Frauen aus dem Dorf immer ein leckeres Mittagessen zu, was meistens aus Reis mit Hühnchen, Bohnen und Kohlsalat besteht. Nachdem wir uns kurz in der Hängematte ausgeruht haben, arbeiten wir weiter.
Bis ungefähr fünf Uhr "schuften" wir mit den Männern und Frauen (!) aus dem Dorf auf der Baustelle. Unterstützung bekommen wir auch vom Ingenieur von Cepas und am Nachmittag von den vielen interessierten Kindern, die uns nach der Arbeit auch direkt zum Baseballspielen ("Beisbol") auffordern.
Also verbringen wir die letzten hellen Stunden mit den Kindern auf einer großen Wiese. Selbst die Kleinsten haben dabei ihren Spaß.
In der Karwoche fanden jeden Abend Andachten in der örtlichen Kapelle statt, zu denen wir einge laden waren. Mit Gitarre und viel Enthusiasmus wurde das bevorstehende Osterfest angekündigt.
Mit der Taschenlampe in der Hand machen sich dann alle auf den Heimweg.
Zu Hause angekommen, helfen wir oft noch den Kindern bei den Hausaufgaben. Mathe, Englisch und Religion stehen meistens auf dem Plan. Oder wir setzen uns gemeinsam hin, pulen Mais, hören Radio oder unterhalten uns.
Nach dem Abendessen wird dann noch schnell mit eiskaltem Bergwasser "geduscht", danach gibt es noch einen Kaffee oder Tee und um 9 Uhr ist dann auch Schlafenszeit, bis am nächsten Morgen um 6 Uhr die Kinder sich auf den momentan noch langen und beschwerlichen Schulweg machen.

Spekulationen zu Lasten der Armen

Es gibt Zeitungen, die die Auswüchse der Spekulation im Bereich der Währungen und der Rohstoffe im Rahmen einer globalisierten Finanzwirtschaft klein reden. Man sagt, sie bildeten nur Ungleichgewichte auf den Märkten ab.
Am 19. März erlaubte sich die FAZ in einem Interview mit dem Rohstoffexperten der Commerzbank von "einflussreichen Spielern" im Rohstoffmarkt zu sprechen. Der Bankmanager Weinrich spricht von Banken, die Rohstoffe physisch handeln und Händlern, die an der Börse zocken. Aber die Banken nutzten ihr Insiderwissen aus, um die Börsenpreise zu beeinflussen. Auch die Bankanalysten beeinflussten mit ihren Kommentaren das Börsengeschehen. Von einer notwendigen Regulierung der Spekulation ist in dem Interview nicht die Rede, obwohl der Experte die Spekulation dafür verantwortlich macht, dass sich der Weizenpreis im letzten Sommer, als eine um 1% verringerte Weizenernte in der Welt bekannt wurde, innerhalb weniger Wochen verdoppelte.
Abschließend heißt es in dem Interview: "Der Energiemarkt ist aber auch ein toller Absatzmarkt für die amerikanischen Bauern. Zum ersten Mal seit 1962 ist Amerika wieder zum Benzinexporteur geworden – Mais sei Dank"

Eine Erzählung von Eric Hultsch aus den 70er Jahren, "Die Sache mit Essen und Trinken", ist mir in bleibender Erinnerung geblieben. Conrad Schmidthals, Beauftragter für Außenhandelsfragen, "handelte mit vielen Partnern und fast allen Waren". In der Erzählung berät er einen Geschäftspartner bei der Beschaffung von Devisen. Er schlägt ihm vor, aus unverkäuflichem Weizen bester Sorte blau gefärbten Futterweizen zu machen, der subventioniert auf dem Markt gut zu verkaufen ist.
Derartige Manipulationen, die immerhin noch Bedenken Rechnung tragen, dass man für die menschliche Ernährung bestimmte Güter nicht für die Tierfütterung einsetzen sollte, sind heute nicht mehr nötig. Man kann Mais und Weizen an Tiere verfüttern, verheizen oder zu Bio-Diesel verarbeiten, ohne dass sich die Bevölkerung darüber besonders aufregt.
Bei uns nicht, wohl aber in den Entwicklungsund Schwellenländern. "Die hohen Nahrungsmittelpreise gelten als einer der Auslöser für die Volksaufstände in Ägypten und Tunesien. Der Nahrungspreis-Index der Vereinten Nationen hat den höchsten Stand seit 21 Jahren erreicht. Die Vereinten Nationen sprechen von einem "Preisschock". An der Warenterminbörse in Chicago ist der Weizenpreis im letzten Jahr um 70 Prozent gestiegen. Der Zuckerpreis erreichte Anfang des Jahres zeitweise ein 30-Jahres-Hoch." (FAZ. 2.03.11).-
In einem Spiegel-Interview vom 21.05.2010 warnt der Agrarökonom Joachim von Braun vor einer Wiederholung der weltweiten Hungerkrise 2008 und fordert eine strenge Regulierung von Spekulationen im Nahrungsmittelbereich. "Wir brauchen dringend eine angemessene Regulierung in den Agrarmärkten, die die Spekulanten zügelt." Wegen der weitgehenden Eigenversorgung in der EU kommt es bei uns nur zu moderaten Preissteigerungen.
Merkel und Sarkozy wollen die Spekulation mit Lebensmitteln eindämmen. Sarkozy will sie zu einer Priorität für den G20-Vorsitz machen, den Frankreich im November übernimmt.
Auch die Landwirtschaftsministerin Aigner will Spekulationen mit Nahrungsmitteln eindämmen. Sie plädierte auf der "Grünen Woche" in Berlin für eine stärkere Regulierung des Börsenhandels mit Agrarrohstoffen. Sie will durchsetzen, dass es für wichtige landwirtschaftliche Produkte wie Soja und Getreide realistische Grenzen für tägliche Preisschwankungen gibt. Würden diese Limits überschritten, sollte automatisch die Finanzaufsicht einschreiten, die dafür weitreichende neue Kompetenzen erhalten müsse.

Über 900 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger

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Einnahmen und Ausgaben 2010

 
Einnahmen
Ausgaben
Spenden 14.685,73 €  
Spenden Panama-Lauf 18.827,44 €  
weltwärts – Jugendhaus Düsseldorf 22.766,00 €  
Grußkarten 4.126,70 €  
Stiftungen 6.130,00 €  
Panama-Frauengr. Havixbeck 8.200,00 €  
Geldanlagen ge. § 153a StPO 5.520,00 €  
Umbuchungen von FairZINS-Konto 21.500,00 €  
BMZ 8.037,00 €  
Bar Einzahlungen 1.000,00 €  
Erstattung SPK / Storno Zinsen 250,18 €  
Überschuss aus fairem Handel 500,00 €  
Panama Info 150,00 €  
Sonstiges 581,45 €  
     

Überweisungen nach Panama*

  64.250,00 €
Sachkosten Büro (Papier für Grußkarten / Infos)   4.477,56 €
Freiwillige (Flug, versch. Seminare)   9.568,12 €
Rücküberweisung   5.000,00 €
Solux-Solarleuchten (Ersatzteile)   75,13 €
Ärzte ohne Grenzen (Cholera-Epidemie Haiti)   1.000,00 €
Umbuchungen nach FairZINS-Konto   25.000,00 €
Kontoführung Spk Herdecke / Storno Zi.   122,06 €
Sonstiges   349,59 €
     
Summen 112.274,50 € 109.842,46 €

Die Rücklagen auf dem FairZINSkonto sind reserviert für den Eigenanteil unseres mit dem BMZ geplanten umfangreichen Wiederaufforstungsprogramms - geplanter Beginn: 01.01.2012.
Kosten in Höhe von 5.196,84 EUR wurden vom Vorstand des Vereins getragen.
Gesamteinnahmen des DWK Panama bis Ende 20010: 1,151.737,50 EUR.
Auch in diesem Jahr haben Sponsoren die Kosten unserer Öffentlichkeitsarbeit getragen (Panama- Info, Panamalauf)

Der Stadt Wetter danken wir sehr herzlich für die großzügige technische Hilfe. Unserem Kassierer Reinhard Winkler, Getrud Lehmann, Lothar Mertmann, Alf Hoffmann, Steffen Dickehage und unseren Ex-Freiwilligen Svenja Sens, Carina Aufermann, Franziska von der Ecken, Moritz Bönte und Niklas Weins gilt unser besonderer Dank für ihre Arbeit im Verein.
Die Adler-Apotheke hat ein für Panama

Kurznachrichten


Der Panamalauf war auch 2011 wieder ein voller Erfolg. Das Geschwister-Scholl Gymnasium ist
eine der besonders engagierten Schulen

Aktuelles Projekt

Der erste Bauabschnitt der Grundschule in Ciruelar (ein Klassenraum, Toiletten, Dusche, Wasserversorgung) wurde kurz vor Ostern fertiggestellt. Die Familien des Ortes und unsere Freiwilligen Luise, Jule und Simon haben bei den Arbeiten kräftig geholfen. Kofinanziert wurde die Baukosten von der Panama-Frauengruppe in Havixbeck und der Georg-Kraus-Stiftung in Hagen.
In einer zweiten Bauphase wird in den nächsten Monaten unter Mithilfe unserer neuen Freiwilligen Ronja Reuter, Lea Kuhlmann und Janis Ruhnau ein zweiter Klassenraum gebaut. Das Projekt wird von der Georg-Kraus-Stiftung sowie der Karl-Kolle-Stiftung unterstützt.

Konten des "Dritte-Welt-Kreises Panama e.V."

Stadtsparkasse Herdecke: Kto.-Nr.: 215 5455 (BLZ: 450 514 85)
Sparkasse Wetter: Kto.-Nr.: 627 9673 (BLZ: 452 514 80)

V.i.S.d.P.: Möritz Bönte moritzherdecke@gmx.de
Rheinaustr. 130, 53225 Bonn

"DWK Panama e.V." im Internet: www.panama-kreis.de

Auflage des gedruckten Panama Infos Nr. 101: 5.900