Von Herdecke nach Panama – unser Beitrag zu den Panama-Papieren

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„Von Herdecke nach Panama” ist der Titel einer Kolumne in der Ausgabe der Welt am Sonntag vom 10. April 2016. Panama ist in diesen Tagen in aller Munde. Allerdings könnte man bei all den Berichten der Affäre um die Panama-Papers, die vom International Consortium of Investigative Journalists zusammen mit der Süddeutschen Zeitung aufgedeckt wurde, den Eindruck bekommen, dass das kleine mittelamerikanische Land als Schauplatz des Skandals und “Heimathafen” hunderttausender von Briefkastenfirmen einen immensen Reichtum angehäuft hat. Das Bestehen von NGOs wie unserer, lässt allerdings einen anderen Schluss zu…

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Eine Grußkarte unseres Vereins, der Sehenswürdigkeiten aus Herdecke, Wetter und Panama zeigt

In Lateinamerika sind soziale Ungleichheit und Korruption seit jeher ein bekanntes Problem, das seine Wurzeln in den Besitzverhältnissen hat, die teils bis in die Kolonialzeit oder die Militärregime des 20. Jahrhunderts zurückreichen. Kleine Länder wie Panama haben im vergangenen Jahrhundert als Spielball zwischen den Weltmächten große Veränderungen durchgemacht. In unserem Archiv stellen wir z. B. gerade Material zu der Bedeutung des PanamaKanals für die Weltwirtschaft zusammen.

Die Skyline von Panama-Stadt repräsentiert die boomende Wirtschaft des Landes. Was dabei jedoch häufig vergessen wird, ist, dass in Panama 25% der Bevölkerung in Armut leben.
Die Skyline von Panama-Stadt repräsentiert die boomende Wirtschaft des Landes. Was dabei jedoch häufig vergessen wird, ist, dass in Panama 25% der Bevölkerung in Armut leben.

Seinen Ruhm als Steueroase hatte Panama schon vor den Enthüllungen des ICIJ. Das Land begünstigt durch seine sehr liberalisierte Wirtschaft und sehr geringe Steuern die Gründung von Firmen und ist damit für Investoren ein unkompliziertes und attraktives Ziel. Das Geld, das in diesen Firmen investiert wird, bleibt somit praktisch unberührt. Dienstleister wie die Kanzlei Mossack Fonseca (einer von vielen) helfen dabei die Gelder so gut wie möglich im Sinne der Investoren zu schützen und diese zu verschleiern.

Aber ist Panama auf diese Art von Investoren angewiesen? Ein Großteil dieser „Investitionen“ wird ohnehin nicht in solch einer Steueroase investiert, sondern lediglich „geparkt“. Doch das Land hat mit dem Kanal eine sichere Einnahmequelle, um die sich eine dienstleistungsorientierte Wirtschaft angesiedelt hat. Die Einnahmen aus dem Panamakanal betrugen laut Kanalverwaltung 2014 knapp 2 Mrd. US$ und machen damit mehr als ein Viertel der knapp 8 Mrd. des Staatsbudgets aus. Andere bedeutende Einnahmen kommen aus Handel, Bankgeschäften und Tourismus. Diese könnten somit ausreichen, um dem Großteil der Bevölkerung ein würdiges Leben mit Zugang zu Trinkwasserversorgung, Strom und Bildung zu garantieren. Und das alles würde das kleine mittelamerikanische Land somit schaffen, ohne, wie einige seiner südamerikanischen Nachbarn, endliche Ressourcen zu niedrigen Weltmarktpreisen z. B. an China zu verkaufen (vgl. Bericht der Stiftung Wissenschaft und Politik).

Gini_Koeffizient_weltweit

 

Jedoch lebt laut Weltbank noch immer ein Viertel der panamaischen Bevölkerung in Armut, 3% sogar in extremer Armut. Darüber kann auch ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 12.000 USD nicht hinwegtäuschen. Ein Vergleich zwischen dem Human Development Index (Weltrang 60) und dem Gini Koeffizienten (51.9), der die Verteilung von Reichtum aufzeigt, wie unterschiedlich das Bild ist, je nachdem, welche Seite der Medallie man betrachtet. Bei unserer Arbeit in der Provinz Veraguas kommen wir immer wieder mit Problemen der ländlichen Armut in Kontakt. Unsere Freiwilligen, die die Lebenssituation der Landbevölkerung und der Indigenen in der Provinz in ihrem weltwärts Freiwilligendienst für elf Monate selbst miterleben, berichten in ihren Blogs, Vorträgen und Gesprächen nach der Arbeit im Land davon, wie viele Panamaer das Vertrauen in ihre Regierung verloren haben und sich einfach allein gelassen fühlen mit ihren so grundlegenden Problemen. Und es macht hier auch keinen Unterschied, ob die Regierungspartei “Demokratischer Wandel”, “Patriotische Union” oder “Panameñistas” heißt.

14-08 Kinder Schwein Lehm Hütte

Unsere Sorge ist nun, dass durch die Enthüllungen der Panama-Papiere der Fokus auf Panama als Ort des Geldes der Reichen der Welt steht. Dass dieses Land noch immer nicht für seine Armen und seine Minderheiten sorgt, darf nicht vergessen werden! Nach fast 40 Jahren Arbeit für das ländliche Panama haben wir Veränderungen gesehen. Jedoch besteht noch immer ein immenser Bedarf, dem durch so einfache Maßnahmen, wie dem Bau von Trinkwasserleitungen und durch Wiederaufforstung entgegengewirkt werden kann. Lesen hier mehr zu unseren Projekten:

Unsere Projekte

Beim diesjährigen 25. PanamaLauf werden wir die Fortschritte feiern, aber auch den Finger erheben und besonders auf die noch ungelösten Probleme dieses kleinen Landes hinweisen, zu dem so viele Herdecker und Wetteraner eine so lange und besondere Verbindung haben, wie es Journalist Frank Lorentz in seinem Beitrag in der Welt am Sonntag so schön würdigt.

Niklas Weins

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