Wohin führt die Pandemie Panama? Und wohin mit all dem Honig?

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In den letzten Jahren wurden viele Projekte in verschiedenen Dörfern in Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation CEPAS realisiert. Neben Solaranlagen, sauberen Kochstellen und Wiederaufforstung, beschäftigen sich die meisten Projekte mit kleinbäuerlicher Landwirtschaft, die für die Bevölkerung die Existenzgrundlage bildet. Dabei gehört das seit 2007 laufende Imkereiprojekt (https://www.panama-kreis.de/projekte/laufende-projekte/) zu den kontinuierlich erfolgreichsten und schon lange zum festen Aufgabenbereich jeder Freiwilligengeneration seit dem Beginn des weltwärts-Programms. Der Honig wird von Bäuer:innen in ihren Waben gewonnen und über unsere Partnerorganisation von verschiedenen Supermärkten vertrieben. Die Gewinne fließen dabei direkt zurück zu den Produzent:innen und unterstützen sie damit mit einem finanziellen Einkommen.

Durch die Ausbreitung des Coronavirus in Panama und den Maßnahmen der Regierung – das heißt: sehr strikte Ausgangssperren und Reisebeschränkungen – kam die Arbeit unserer Partnerorganisation bereits im Frühjahr 2020 fast zum Erliegen. Es konnten keine Projekte mehr in Dörfern betreut werden und die wöchentlichen Treffen zwischen der Organisation und den Dorfbewohner:innen wurden erheblich erschwert. Ganz besonders litt das Imkereiprojekt unter der Situation, da der Honig aus den Dörfern nicht mehr abgeholt und in städtischen Supermärkten vertrieben werden konnte, womit wichtige Einnahmen der ländlichen Bevölkerung ausblieben. Im November 2020 kam mit dem Hurricane Eta (https://en.wikipedia.org/wiki/Hurricane_Eta#Panama) eines der immer häufiger auftretenden Wetterextreme hinzu, die die Situation in ganz Zentralamerika und der Karibik nochmals verschlimmern. In Panama ist von nun an der Aspekt der wachsenden Ungewissheit über die Zukunft noch stärker spürbar.

Der Hurricane Eta traf, in einem dramatischen Zusammenspiel der Naturgewalten, die Region inmitten der Krise mit aller Wucht (https://www.tagesschau.de/ausland/wirbelsturm-eta-101.html). Dabei wurden ganze Landstriche verwüstet, Straßen, Stromleitungen und Brücken zerstört und etliche Dörfer evakuiert. In Panama waren teilweise Regionen nur über die Luft zugänglich und die sowieso schon sehr belasteten Gesundheitssysteme in vielen Regionen kamen an ihre Grenzen (https://reliefweb.int/report/panama/panama-hurricane-eta-dref-operation-n-mdrpa013). 

Seit Beginn der Pandemie erleben und beobachten wir, wie Kooperationen mit Partner:innen im Globalen Süden abbrechen. Unsere Zusammenarbeit mit den Indigenen und der Landbevölkerung im Westen Panamas über CEPAS/Caritas ist dabei eine von ihnen, aber für den PanamaKreis seit 40 Jahren die zentralste. Aus der Solidaritätsbewegung der 1970er Jahre entwickelten sich nicht nur Projektpartnerschaften, sondern auch Freundschaften und Familien. CEPAS (https://cepas.webnode.es/) als Organisation der katholischen Kirche unterstützte für Jahrzehnte die politische Selbstorganisation der Landbevölkerung und indigenen Gemeinden. 

Die Volksgruppen der Ngöbe-Buglé (https://en.wikipedia.org/wiki/Ng%C3%A4be-Bugl%C3%A9_Comarca) sind mit mehr als 150.000 die größte indigene Minderheit im multi-ethnischen Panama, jedoch auch diejenige, die für die längste Zeit unter politischer Vernachlässigung gelitten hat. Die Arbeit im schwer zugänglichen Distrikt Ñürüm, in dem wir in Zusammenarbeit mit CEPAS über die Jahre Projekte unterstützt haben, wurde im vergangenen Jahr nicht nur durch die Pandemie, sondern zusätzlich auch durch den Hurricane Eta erschwert. 

Die langjährige Kooperation mit unserer Partnerorganisation erlitt nun durch die Coronakrise einen herben Rückschlag. Die finanziellen Reserven waren bereits nach wenigen Wochen aufgebraucht und CEPAS/Caritas musste mit minimal möglicher Arbeit ihre Beschäftigten sichern, denn es gibt in Panama (wie in den meisten Ländern des Globalen Südens) kein Kurzarbeitergeld. Die Organisation brach infolge von Entlassungen und den Auswirkungen der Krise in Panama im Januar 2021 zusammen und konnte ihre Arbeit nicht fortführen. Das Imkereiprojekt litt besonders unter der Situation, was dazu führt, dass die Kleinbauern in vielen Dörfern auf ihrer Honigproduktion sitzen bleiben, denn Bienen machen bekanntlich keine Quarantäne.

Für unsere letzte Freiwilligengeneration bedeutete die Pandemie vor allem einen frühzeitigen Abbruch des Freiwilligendienstes (https://www.panama-kreis.de/ein-viel-zu-fru%cc%88hes-ende/). Nach Anweisungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit BMZ mussten die vier Freiwilligen Ende März 2020 mit den offiziell organisierten Rückholflügen nach Deutschland zurückreisen. 

Somit verbleiben wir und unsere Partner in Panama auch 16 Monate nach Beginn der Pandemie mit einem unwohlen Gefühl. Die Ungewissheit über die Zukunft der landwirtschaftlichen Produzent:innen ist erdrückend, denn sie sind für finanzielle Einkünfte – die über die Subsistenz hinausgehen – von urbanen Märkten abhängig, welche gerade unerreichbar sind. Die nun fehlenden Einnahmen erschweren es, den Zugang zu Medikamenten und Bildung aufrechtzuhalten.

Spendeninfo http://www.panama-kreis.de/spenden/

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